Inklusion ist das Titelthema des neu erschienenen 37. Jahrbuches „Leben am See. „16 Beiträge zum Titelthema wurden in die 46 Beiträge über das Leben am See im vergangenen Jahr inkludiert“, berichteten Katy Cuko und Susann Ganzert, die das Buch vor zahlreichen Gästen, darunter auch etlichen der 44 Autoren, der Öffentlichkeit vorstellten.

Für Christoph Keckeisen, Erster Landesbeamter, war es die erste Präsentation eine Bandes von „Leben am See“. Die ...
Für Christoph Keckeisen, Erster Landesbeamter, war es die erste Präsentation eine Bandes von „Leben am See“. Die Moderatorinnen Susann Ganzert (links) und Katy Cuko haben damit schon viel Erfahrung. | Bild: Gisela Keller

Was ist das eigentlich, Inklusion? Man kann den Begriff mit „Teilhabe“ übersetzen oder soziologisch definieren als „Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft“. Man man kann ihn auch so erklären, wie Erster Landesbeamter Christoph Keckeisen, der seit vier Monaten im Amt ist und erstmals in Vertretung von Landrat Lothar Wölfle die Gäste der Buchpräsentation begrüßte: „Für mich bedeutet Inklusion, dass jeder Mensch dazu gehört und jeder und jede mitmachen kann.“ Inklusion sei ein gesamtgesellschaftliches Thema und stehe dem Jahrbuch besonders gut zu Gesicht, fügte Keckeisen hinzu. Musikalische Botschafter der Inklusion sind jedenfalls schon seit 1990 die Mitglieder der integrativen Band „Na Und!“ der Diakonie Pfingstweid. Sie haben sich durch zahlreiche Auftritte landesweit und auch darüber hinaus einen Namen gemacht und sogar schon drei CDs produziert. Mit selbst geschriebenen Songs und sichtbarer Freude am Musizieren rissen sie die Gäste der Buchpräsentation mit. Welche Zeile aus einem „Na Und!“-Song könnte besser zum Titelthema passen als „Ich bin wie ich bin und ich bin stolz darauf“? Auch zum Buchtitel „Leben am See“ hat die Band den perfekt passenden Song mitgebracht: Mit „Da bin i dahoam“ setzten sie das besondere Lebensgefühl am See in Worte und Musik um.

Christoph Keckeisen: „Mich beeindruckt die Vielfalt, mit der sich das Buch dem gesamtgesellschaftlich relevanten Thema Inklusion ...
Christoph Keckeisen: „Mich beeindruckt die Vielfalt, mit der sich das Buch dem gesamtgesellschaftlich relevanten Thema Inklusion nähert und es aufgreift.“ | Bild: Gisela Keller

Um was geht es in dem Buch? „Die Menschen am See stehen in diesem Buch im Vordergrund – ganz besondere Menschen“, sagte Erster Bürgermeister Stefan Köhler dazu. Die Moderatorinnen Katy Cuko und Susann Ganzert haben sich für ihre Präsentation nach eigener Aussage an Empfehlungen der Internet-Plattform www.kapiert.de für Schüler der Klassen fünf und sechs für eine Buchbeschreibung im Fach Deutsch gehalten. Zur Buchbeschreibung, so heiße es dort, gehöre ein Überblick über die Handlung und Hauptfiguren. Weil es in dem Buch um so viele Menschen gehe, hätten sie nicht geschafft, diese ordentlich zu zählen. Die Zusammenfassung des Inhalts von fast 400 Seiten fiel so aus: „Es geht um Menschen mit und ohne Handicap, mit Hobbys und Träumen, Visionen und Problemen. Es geht um Frauen, Männer und Kinder, um Modemacher und Waschmittel, um eine Reise ins Weltall und geschützte Lebensräume, um Kunst und Künstler. Es geht um die Umwelt und Klima-Erklärer, um Schiffe und Sportler, um Freundschaften und Herausforderungen, um Sprache und Preisträger, um schräge Vögel und Idealisten, um ernste und heitere Themen und um echte Typen“.

Auch über Franziska Broschek gibt es eine Geschichte im Buch. Sie begeisterte die Besucher mit einer Tanzperformance.
Auch über Franziska Broschek gibt es eine Geschichte im Buch. Sie begeisterte die Besucher mit einer Tanzperformance. | Bild: Gisela Keller

Den Schülern empfehle www.kapiert.de zur Buchbeschreibung auch einen Textauszug als Leseprobe, erklärten die Moderatorinnen. Dafür solle man eine spannende oder interessante Textstelle auswählen. Im neuesten „Leben am See“ stehen 46 einzelne Geschichten und jede davon ist lesenswert. Cuko und Ganzert haben sehr unterschiedliche für ihre Leseproben ausgewählt: Das erste Gespräch des Astronauten Alexander Gerst mit dem robotischen Austronauten-Assistenten Cimon etwa, in dessen Verlauf Cimon erklärt: „Ich komme aus Friedrichshafen am Bodensee. Ein schöner Ort.“ Roland Hecht hat eine besondere Reise unternommen und darüber geschrieben, „Warum sich einer aus Friedrichshafen mit dem Klappfahrrad 2200 Kilometer durch vier Staaten in die Partnerstadt Polozk schindet“. Die Antwort lässt sich so zusammenfassen: „Weil Freundschaft Frieden ist.“

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In einer anderen Geschichte geht es um Lars Höllerer aus Überlingen. In Folge eines Unfalls hat er eine Querschnittslähmung ab dem vierten Halswirbel. Er zählt zu den vielseitigsten Mundmalern und lässt sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen. Er malt expressionistische Landschaften, knallige Pop-Art-Stadtansichten, vielschichtige Akte oder wie er es selbst ausdrückt: „Ich male, wonach mir die Laune steht.“ Seine in der Geschichte im Buch gestellte Frage „Was wäre ich für ein Mensch geworden, wenn nur ein Wimpernschlag in meinem Leben anders verlaufen wäre“ beantworten die Moderatorinnen so: „Er hätte nicht all die Erfahrungen gemacht hätte, egal ob positive oder negative. Er wäre nicht der geworden, der er jetzt ist: ein inspirierender, kreativer und lebensfroher Mann, dessen wichtigste Bestandteile im Leben seine Familie, sein Glaube und seine Malerei sind.“ Auch die Geschichte über die Überlinger Büttenrednerin Anni Hamm empfahlen Cuko und Ganzert ausdrücklich. „Daran können wir uns alle ein Beispiel nehmen.“ Die heute 104-jährige sagt: „Jetzt möchte ich so richtig alt werden.“

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Viele der Autorinnen und Autoren, die Geschichten zum Buch beigetragen haben, nahmen an der Buchpräsentation teil, sondern auch einige der Menschen, um die es in diesen Geschichten ging. Dazu gehört Franziska Broschek aus Friedrichshafen. Sie wurde 2018 mit dem Künstlerförderpreis der Stadt ausgezeichnet und ihre große Leidenschaft gehört dem Tanzen. Die ersten Ballettschritte habe sie gelernt, als sie vier Jahre alt war, ist im Buch in der Geschichte mit dem Titel „Liebe auf den ersten Schritt“ zu lesen. Mit elf Jahren habe sie noch einen ganz anderen Tanzstil lernen wollen und sich für Hip-Hop entschieden. Mit 14 Jahren habe sie am ersten großen Wettkampf teilgenommen, es folgten Teilnahmen und Erfolge bei süddeutschen und deutschen Meisterschaften, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften. „Es ist Sport, Kunst und Kommunikation zugleich, das optimale Gesamtpaket“, fasst Franziska Broschek zusammen, was Tanz für sie ist. Sehr eindrucksvoll zeigte sie das auch in einer Performance, die Anmut, Akrobatik, Kraft und Präzision vereinte.

Kreis-Almanach

Die Buchreihe „Leben am See“ gibt es seit 1983. Jedes Jahr erscheint ein neuer Band. Herausgeber sind der Bodenseekreis, die Stadt Friedrichshafen und die Stadt Überlingen. Band 37 ist gerade erschienen und enthält 46 Beiträge, die von 44 verschiedenen Autoren stammen. Titelthema ist Inklusion. Der Band hat fast 400 Seiten. Erhältlich ist das Buch im örtlichen Buchhandel oder im Landratsamt. Es kostet 20 Euro. (gik)