Braucht Kressbronn ein neues 120-Betten-Hotel? Bürgermeister Daniel Enzensperger hatte in jüngster Gemeinderatssitzung alle Mühe, diese Frage abzuwehren. Gebetsmühlenartig wiederholte er immer wieder: „Wir sind dazu verpflichtet, unseren Beitrag zu leisten, dass hier ein Hotel entsteht.“ Die Verpflichtung resultiere aus dem Durchführungsvertrag, den das Gremium im Dezember 2013 für die Bebauung des Bereichs Bodanwerft-Ost gebilligt hat. Er hatte Investor Willi Schmeh mit seiner Firma „DaS Immobilien“ den Weg frei gemacht, am Seeufer Luxuswohnungen hochzuziehen. In dem fingerdicken Vertragswerk ist aber auch die bauliche Nutzung des Bereichs Bodanwerft-West fest verankert worden. Dort, wo heute noch eine rund 9900 Quadratmeter große Grünzone ist, soll ein Hotel aus drei länglichen Baukörpern entstehen.

Doch dazu müssen einige Hürden beseitigt werden. Der Regionalplan muss geändert, die Landschaftsschutz-verordnung aufgehoben und das Bau-vorhaben muss einer Umweltverträg-lichkeitsprüfung unterzogen werden, weil das Areal FFH-Gebiet ist. FFH steht für Fauna, Flora, Habitat. Diese Gebiete gehören zum europäischen Naturschutz-Netzwerk. Erst wenn alle Hemmnisse ausgeräumt sind, kann ein gültiger Bebauungsplan erstellt werden. Das Projekt selbst soll dann mit einem weiteren Durchführungsvertrag besiegelt werden.

Alles in allem ein großer Aufwand angesichts der Frage von SPD-Rätin Britta Wagner: „Brauchen wir denn ein Hotel in dieser Dimension?“ Wagner hatte nachgeforscht und eine ernüchternde Zahl in Erfahrung gebracht: „Kressbronn hat eine Bettenauslastung von durchschnittlich 27 Prozent.“ Wozu also eine Grünzone einem weiteren Koloss am Seeufer opfern?

Auch SPD-Kollege Roland Rösch hieb in diese Kerbe: „Der Eingriff ist schon jetzt massiv. Von der Naturlandschaft ist nichts mehr da.“ Argumente, die Bürgermeister Enzensperger nicht gelten ließ: „Wir haben hier einen Flächennutzungsplan für ein Gewerbegebiet. Weshalb da ein Grünzug drin ist, kann ich mir nicht erklären.“ Außerdem lasse der Durchführungsvertrag Bodan-Ost keinen Spielraum zu. „Da könnten sonst Schadensersatzforderungen auf uns zukommen.“

Auch Christina Günthör (CDU) plädierte dafür, sich an Punkt und Komma des Vertrags zu halten. Über Wagners Antrag, dann eben den Durchführungs-vertrag zu ändern – wie es schon öfter geschehen sei, auf Betreiben des Investors – wurde aber erst gar nicht abgestimmt. Die Fraktionen von CDU und Freien Wählern fuhren ihr mit einem Antrag auf Ende der Debatte in die Parade. „Bei Bodan ist vieles nicht-öffentlich beschlossen worden“, nahm die SPD-Rätin einen zweiten Anlauf. „Deshalb ist es notwendig, die Sachlage noch einmal der Öffentlichkeit dar-zustellen.“ Doch auch ihr Antrag, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, fand keine Mehrheit. So gab der Gemeinderat grünes Licht, einen Be-bauungsplan „Bodanwerft – Hotel“ auf den Weg zu bringen. Lediglich von Klaus Dolde, der den ersten Durchführungsvertrag ausgehandelt hat, wollen sich die Räte nicht mehr anwaltlich vertreten lassen.