Vater und Sohn Dittmann wirken abgekämpft und müde, als sie im Sitzungssaal vier des Amtsgerichts Tettnang Platz nehmen. Es ist der erste Verhandlungstag des Prozesses gegen die beiden ehemaligen Eigner und Geschäftsführer der Kressbronner Bodan-Werft, die 2011 insolvent gegangen ist. Dem Sohn, Robert Dittmann, wirft die Staatsanwaltschaft Insolvenzverschleppung sowie Untreue und vorsätzlichen Bankrott vor.

Der damalige Geschäftsführer habe unter anderem die Buchhaltung nicht richtig geführt und Bilanzen „unterlassen oder verspätet“ aufgestellt, wodurch die Übersicht „über den Vermögensstand erschwert“ worden sei, so der Staatsanwalt. Zudem seien die Insolvenzanträge für die Werft-Betriebe verspätet gestellt worden. Wilhelm Dittmann ist wegen Untreue in drei Fällen angeklagt.

Flur im Amtsgericht Tettnang, wo die Verhandlung gegen die Alteigner der Bodan-Werft stattfindet.
Flur im Amtsgericht Tettnang, wo die Verhandlung gegen die Alteigner der Bodan-Werft stattfindet. | Bild: Arndt, Isabelle

„Das Verfahren hängt wie ein Damoklesschwert über uns“, sagt Robert Dittmann, als er zu Verhandlungsbeginn eine Erklärung abgibt

Dittmann bestreitet die ihm und seinem Vater zur Last gelegten Taten: „Unser oberstes Interesse war es immer, die Abwicklung der Werft sozialverträglich zu gestalten.“ Doch das sei durch „Störfeuer Dritter“ verhindert worden. Die Insolvenz des Familienunternehmens sei nicht mehr zu verhindern gewesen.

Das Ende der Werft liegt bereits über acht Jahre zurück. Der Beginn des Prozesses zog sich nicht nur wegen der umfangreichen Ermittlungen innerhalb des Firmenkonstrukts in die Länge. Dieses bestand neben der Muttergesellschaft Bodan-Werft Motoren- und Schiffbau GmbH aus zwei Töchter-GmbHs und zwei Komplementärgesellschaften. Auch Personalwechsel bei Gericht und Ermittlern trugen zur Verzögerung bei.

Der Anwalt von Robert Dittmann sprach gar von einer „rechtswidrigen Verfahrensverzögerung“

Er beantragte vor Gericht, das Verfahren gegen seinen Mandanten und dessen Vater einzustellen. Zuvor hatte bereits Wilhelm Dittmanns Verteidiger erklärt, hinsichtlich der Untreue-Vorwürfe fehle „eine hinreichende Tatkonkretisierung“. Schon alleine deshalb sei das Verfahren gegen Dittmann-Senior ganz und gegen Robert Dittmann teilweise einzustellen. Über die Anträge wird das Gericht voraussichtlich erst gegen Ende der Verhandlung entscheiden.

Zum Prozessauftakt wurden vier Zeugen vernommen, darunter ein juristischer Berater der Werft-Geschäftsführung. Nachdem ein Kooperationsprojekt mit den Stadtwerken Konstanz 2010 gescheitert sei, hätten sie gewusst: „Wir müssen uns von der Werft trennen“, so der Zeuge.

Schon lange laufen in Kressbronn keine Schiffe mehr vom Stapel, wie hier im Mai 2005 ein Bodensee-Katamaran.
Schon lange laufen in Kressbronn keine Schiffe mehr vom Stapel, wie hier im Mai 2005 ein Bodensee-Katamaran. | Bild: A3446 Patrick Seeger

Deshalb sei auch eine Kanzlei für Insolvenzrecht hinzugezogen worden, die festgestellt habe, dass das Unternehmen bis Frühjahr 2011 ausreichend finanziert gewesen sei. Auf keinen Fall habe man gewollt, „dass die Mitarbeiter ohne Auffanggesellschaft nach Hause gehen.“

Der Sozialplan sollte aus den rund 27 Millionen Euro finanziert werden, die der Verkauf des Werft-Grundstückes einbrachte. Die erste Rate sollte fließen, wenn der Kressbronner Gemeinderat die Offenlegung des Bebauungsplans beschlossen hatte. Dazu kam es jedoch zunächst nicht, da die Gegner der geplanten Werft-Überbauung Druck auf den Gemeinderat und den Bürgermeister aufgebaut hätten.

2016 begannen die Abbrucharbeiten auf dem ehemaligen Werft-Gelände.
2016 begannen die Abbrucharbeiten auf dem ehemaligen Werft-Gelände. | Bild: Christian Lewang

Dadurch seien „die Mitarbeiter um ihre Abfindung gebracht worden“, so der Zeuge weiter: „Man war verpflichtet, Insolvenz anzumelden.“ Das bestätigte ein Gutachter, der im letzten halben Jahr vor der Insolvenz im Auftrag der Werft die Liquidität des Unternehmens untersucht hatte: „Mit der Zahlung der ersten Rate des Kaufpreises wäre alles gut gewesen.“

Die Verhandlung wird am Dienstag, 22. Oktober, um 8.30 Uhr fortgesetzt.