Die Fluggesellschaft People`s Viennaline stellte am Mittwoch in Friedrichshafen zusammen mit der Flughafengesellschaft ihre neue Verbindung Altenrhein-Friedrichshafen-Köln/Bonn und zurück vor sowie die Strategie des Unternehmens. Start ist am 2. November mit einer Embraer 145 mit mit 50 Sitzen, die von der niederländischen Fluggesellschaft Denim Air geleast ist. Ab März 2017 hat Peoples's Viennaline eine weitere Embraer 170 (76 Sitze) zur Verfügung, die gekauft wird, berichtete Daniel Steffen, Geschäftsführer der Fluglinie. Dann soll die Strecke Köln/Bonn-Friedrichshafen-Altenrhein-Wien geflogen werden. Außerdem soll es Gespräche mit der französischen Fluggesellschaft Twin Jet geben, um die Flüge nach Toulouse miteinander abzustimmen. Twin Jet setzt eine 19-sitzige Beechcraft 1900 ein. Ziel von People`s Viennaline ist auf der Strecke Altenrhein-Friedrichshafen-Köln 45 000 bis 50 000 Passagiere im Jahr zu transportieren, dabei orientiert sich die Fluggesellschaft an den Ergebnissen der in Konkurs gegangenen Vorarlberger Intersky auf dieser Strecke.
 

"Manche Lösungen liegen näher, als man meint", kommentierte Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH, die neue Verbindung. Nach etwas mehr als zwölf Monaten sei es gelungen wieder eine Verbindung nach Köln/Bonn zu schaffen. "Die Nachfrage ist vorhanden", erklärte Wehr: "Ich denke, wir haben einen zuverlässigen Partner gefunden." Mit diesem könne der Ostschweizer Markt weiter erschlossen werden. Eine solche Lösung aus der Region in die Region habe einige Vorteile. Daniel Steffen merkte an, dass sich viele Presseveröffentlichungen sehr auf die "den kürzesten Linienflug der Welt" oder, wie er es nenne, "den ersten Überseeflug in der Geschichte Altenrheins" konzentrieren.

Diese Verbindung sei aber nur ein Nebenprodukt in der Strategie von People's Viennaline. "Für sich gesehen, gebe ich jedem Grünen Recht, es macht keinen Sinn", so Steffen, der sich damit auf eine Beschwerde von Meinrad Gschwend, Kantonsrat der Grünen in St. Gallen, gegen Flüge Altenrhein-Friedrichshafen bei der dortigen Regierung bezieht. Strategie von People's Viennaline sei den Bodenseeraum zu stärken. Er verwies auf die Initiative des Vorarlberger Industriellenvereinigung "Vom Mittelmaß zur Exzellenz", entsprechenden Bedarf aus der Ostschweiz sowie im Raum Friedrichshafen. "Der See ist ein trennendes Element, kein verbindendes", sagte Steffen. Dabei müsse die Region sehr aufpassen nicht den Anschluss gegenüber den Metropolen zu verlieren. Zunächst habe man an ein Konzept mit Intersky gedacht, die aber Pleite ging. "Die Idee ist aber nach wie vor gut", meinte Steffen. Dazu komme, vom Flughafen Altenrhein kaum Strecken möglich sind, die im Tagesrandbereich, also Flüge morgens und abends, wirtschaftlich sind. Dazu seien 40 000 bis 50 000 Passagiere Minimum nötig. Ziel sei: "Wir verbinden beide Flughäfen und nehmen alle vier Länder (Süddeutschland, Vorarlberg, Ostschweiz und Lichtenstein) mit." Die Anlaufkosten schätzte Thomas Mary, Finanzchef bei People's Viennaline, auf deutlich unter einer Millionen Euro, die sonst üblicherweise in der Branche angenommen werden, weil die Strecke bereits eingeführt ist. Der Vorverkauf laufe sehr gut, so Steffen.

Gleichzeitig erklärte der People's Viennaline-Geschäftführer, dass sein Unternehmen nur Pläne umsetzen werde, die es stemmen könne. "Wir tun nicht Dinge, die wir nicht beherrschen", sagte Steffen. So lägen Hamburg und Berlin durchaus auf dem Tisch, aber Köln/Bonn sei die wirtschaftlich aussichtsreichste Verbindung. Schon Renate Moser, vormals Miteigentümerin von Intersky, habe Friedrichshafen-Köln/Bonn die "Cashcow" (wörtlich "Geldkuh", "Goldesel") ihres Unternehmens genannt. Auch Germanwings habe die Strecke versucht, mit allerdings zu großen Maschinen, so Steffen. Claus-Dieter Wehr meinte zu Hamburg und Berlin nur, dass die Flughafengesellschaft mit mehreren Linien Gespräche führe.

People's Air Group

Zur People's Air Group gehören die Altenrhein Realco AG (Immobilien), die Altenrhein Luftfahrt GmbH, die seit 2011 die Fluglinie People's Viennaline betreibt, und die Airport Altenrhein AG, die den Flughafen St. Gallen Altenrhein mit über 100 000 Passagieren im Jahr betreibt. Der geht übrigens auf die Gründung der "AG für Dornier-Flugzeuge" (Do-Flug AG) 1925 zurück.

Bisher fliegt People's Viennaline bis zu vier Mal täglich nach Wien mit einer eigenen Embraer 170. Am 2. November kommt Köln/Bonn im sogenannten doppelten Tagesrand hinzu. Außerdem ist People's Viennaline als Urlaubsflieger aktiv. Von Altenrhein geht es nach Mallorca, Menorca, Sardinien, Neapel (über Memmingen), Pula (Kroatien) und Preveza (Griechenland).