Zu einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung mit Auflagen plus 900 Euro Geldstrafe hat das Schöffengericht des Amtsgerichts Tettnang unter Vorsitz von Richter Max Märkle am Dienstag einen 25-jährigen Mann verurteilt. Er stand wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge tateinheitlich mit unerlaubtem Handel treiben vor Gericht. Der geständige Angeklagte akzeptierte das Urteil. Oberstaatsanwalt Matthias Inselsberger wollte hingegen noch überlegen. Er hatte für den mehrfach einschlägig vorbestraften jungen Mann ein Jahr und vier Monate ohne Bewährung gefordert.

Zerrüttete Familienverhältnisse

Es ging beim Angeklagten um 90,9 Gramm von insgesamt 142,5 Gramm Marihuana, die die Polizei Ende Mai 2017 bei einer Durchsuchung in einer Wohngemeinschaft in Friedrichshafen beschlagnahmte. Der Angeklagte, der aus zerrütteten Familienverhältnissen stammt und den die Polizei zu jener Zeit wegen Bewährungsbruchs suchte, war damals dort untergetaucht. Ausgangspunkt der Ermittlungen war jedoch ursprünglich nicht er, wie ein Polizeibeamter erläuterte, sondern Ermittlungen gegen einen größeren Drogendealer, die zu einem anderen Mitbewohner führten, der von diesem kaufte, und der Angeklagte wiederum vom WG-Mitbewohner.

Fingerabdruck auf einer Tüte

Anfangs war nicht klar, wem das Marihuana zuzuordnen war. Allerdings fand die Polizei einen Fingerabdruck des 25-Jährigen auf einer Tüte. In der Verhandlung erklärte er: "Das war mein Marihuana. Hauptsächlich habe ich es konsumiert. Ich habe aber auch weiterverkauft." Auf Nachfrage von Inselsberger antwortete er, die Hälfte sei für den Eigenkonsum vorgesehen gewesen, die andere für den Verkauf in Friedrichshafen. Inselsberger glaubte ihm nicht. Er argumentierte, der Angeklagte sei seit 14 Jahren haschischabhängig. Auch der Angeklagte selbst und die Gerichtshilfe sprachen immer nur von Haschisch. Warum sollte er plötzlich auf das nicht so starke Marihuana umsteigen, das zum Teil schon verkaufsgerecht abgepackt war? "Das ist Unsinn", entgegnete Verteidiger Uwe Rung. Der Wirkstoff, THC (Tetrahydrocannabinol), sei der gleiche. Das Schöffengericht schloss sich dem Verteidiger an.

Einschlägige Vorstrafen

Inselsberger konnte auch keine positive Sozialprognose ausmachen. Zwar habe der Angeklagte derzeit einen festen Job und nehme nach eigenen Angaben seit November 2017 keine Drogen mehr, aber da stünden auch sechs teilweise einschlägige Vorstrafen. Zwei Mal brach er die Bewährungsauflagen und zwei Mal war er schon in Vollzugsanstalten, wo er weiter Haschisch konsumierte, eine Therapie brach er ab. Verteidiger Rung hingegen meinte, sein Mandant habe aktuell alles getan, um aus dem Kreislauf auszubrechen, unter anderem auch durch regelmäßigen Besuch einer Drogenberatung und Antrag auf eine stationäre Drogenentzugsbehandlung. Das Gericht wollte das nicht kaputtmachen, erklärte Märkle. Er warnte aber auch: "Viele Chanchen haben Sie nicht mehr." Angeklagt ist der 25-jährige noch wegen einer weiteren Drogengeschichte von der Staatsanwaltschaft Konstanz. Der Ausgang dieses Verfahrens ist noch offen.