Schwärzester britischer Humor trifft Campingplatzkomödie, Schneewittchen ist mit Smartphone unterwegs, Geflüchtete unternehmen mit Jugendlichen und Erwachsenen aus Bad Mergentheim eine „Odyssee des Lebens“. Erst präsentieren sich beim „JustSee“-Festival Kinder-, Jugend- und Schultheater, am Wochenende zeigen Amateurgruppen aus sechs Ländern ihre Projekte. Parallel laufen Kurse und Seminare für theaterbegeisterte Laien. Gastgeber ist die Bodenseeschule.

Festival soll sich Trends zu Nationalismus und Ausgrenzung entgegenstellen

"Es gehört Mut dazu, auf die Bühne zu gehen, aber auch dazu, Stellung zu beziehen. Und da sind wir auch als Schule gefragt", sagt Schulleiter und Mitorganisator Gerhard Schöll zum diesjährigen Motto. Organisatorin Britta Lutz bekräftigt: "Politisch und gesellschaftlich laufen Sachen, werden Gruppierungen stark, da braucht es Mut, Farbe zu bekennen und dem auf kreative Weise zu begegnen." Das Festival stellt sich Trends zu Nationalismus und Ausgrenzung entgegen: "Bei uns spielen Menschen mit Handicap, Menschen aller Herkunftsländer, randständige Gruppen wie Obdachlose genauso wie Senioren", sagt Organisator Jürgen Mack.

Bei einer Theaterklasse aus Haar gehören sogar Stand- und Sitzortwechsel dazu

Jede Gruppe hat eigene Ideen zum Thema. Eine russische Schülergruppe versetzt Salingers "Fänger im Roggen" in Putins Russland. Das spina-Jugendtheater aus Solingen fragt nach den Unmengen weggeworfener Lebensmittel. Eine Theaterklasse aus Haar bei München hat sich auf "Spurensuche" in der Heil- und Pflegeanstalt Haar gemacht. Von dort erfolgten in der Nazizeit Transporte in Tötungsanstalten, hunderte Kinder verhungerten. Entstanden ist Theater, das hinter die Geschichten von Opfern und Tätern blickt und die Frage stellt: "Was für ein Mensch willst du sein?" Die Jugendlichen nehmen ihre Zuschauer mit in die Geschichte, muten ihnen Stand- und Sitzortwechsel zu. "Das gehört zum Besten, was ich in 40 Jahren Schultheater gesehen habe", sagt Mack.

Erstmals gibt es einen mit 500 Euro dotierten Publikumspreis

Neu ist der mit 500 Euro dotierte Publikumspreis, den Regina Pohle und René Jäger aus Dresden stiften. Für die Theaterpreise stellen die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke 5000 Euro zur Verfügung, die die Jury einer oder mehreren Gruppen zusprechen kann.

Informationen und Programm unter www.theatertageamsee.de, Anmeldungen für Wochenendkurse per E-Mail an info@theatertageamsee.de