Mit ihrem Neujahrskonzert unter dem Motto "Sports et Divertissement" ist die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz derzeit rund um den See unterwegs. Wobei die Ouvertüren, Walzer und Polkas der Familie Strauss auch durch einen Stepptanz nach "Lord of the dance" erweitert wurden. Im Konzert in Friedrichshafen am Tag der Heiligen Drei Könige gab es aber mit der Sinfonie Nr. 9 von Ludwig van Beethoven einen in unserer Region selten zu erlebenden Hörgenuss.

In vielen Städten gehört die Aufführung der Unesco-Weltkulturerbe-Sinfonie mit ihrem Zukunftstraum einer allumfassenden friedlichen Welt zum festen Brauch über den Jahreswechsel. Der Höhepunkt des Monumentalstils Beethovens verlangt ein groß besetztes Sinfonieorchester und deshalb auch einen zahlenmäßig groß besetzten Chor. Professor Thomas Gropper, neuer Dirigent der "Birnauer Kantorei", leitet auch seit vielen Jahren erfolgreich die "Arcis-Vocalisten" in München. Für das Projekt Beethovens Neunte fasste er beide Chöre zu einem 100-köpfigen Gesamtchor zusammen. Am Silvester-Nachmittag gab es deshalb bereits eine Aufführung im Herkules-Saal der Münchner Residenz.

Kraftvoll begann in vollem Tuttiklang das Orchester mit markanten Sforzati das symphonische Drama. In weichem Legato-Spiel antworteten die bestens präparierten Holzbläser. Mit großem, die Spannung erhaltendem Bogen führte Gropper durch den immer dichter werdenden Satz. Das Bild des Chaos entwickelte sich mit großen dynamischen Wechseln, Tempovariation immer auf engstem Raum und lang ausgedehntes An- und Abschwellen. Erschütternd wie aus tiefer Dunkelheit in der Satz-Coda mit immer stärker werdendem Tremolo der Streicher nochmals das Hauptthema im Fortissimo erklang. Nach kleiner rhythmischer und tempomäßiger Unsicherheit wurden die fugenartigen Einsätze zu Beginn des zweiten Satzes immer deutlicher. Die tänzerische Spielfreude trat in den Vordergrund.

Besonders im Trio entstand ein verträumtes Klangbild mit einheitlichem Legato-Spiel und verspieltem Staccato in allen Registern. Entrückt, in eine andere Sphäre hindeutend, das ruhig fließende Adagio als Vorbereitung des Finalsatzes. Der begann mit der dissonanten "Schreckensfanfare" der Bläser. Mit unterschiedlicher Gestaltung, emphatisch oder resignierend, spielten die Celli und Kontrabässe ihr Rezitativ und die anschließende Freuden-Melodie, die der Bariton mit voller Energie übernahm. Erst jetzt stieg der glanzvolle Chorklang über die Instrumentalmusik.

Sauberste Intonation in den langen Akkordblöcken, vorwärts drängende Achtelbewegungen, starke dynamische Kontraste bei genauer Artikulation verdeutlichten die sehr gute Vorbereitung der Chöre durch den Gesangspädagogen Thomas Gropper. Ausdrucksstark, rhythmisch perfekt und sehr durchsichtig die schwierige Doppelfuge. Ein besonderes Lob den Sopranstimmen, die trotz immenser Höhe nie metallisch hart klangen. Und wieder einmal mehr bewährten sich die Konstanzer Musiker als hellwach agierende Begleitpartner aber auch hervorragende Gestalter in den sinfonischen Zwischenspielen. Das Solisten-Quartett mit Barbara Baier (Sopran), Regine Jurda (Alt), Bernhard Gärtner (Tenor) und Timothy Sharp (Bariton) überzeugte mit großem Volumen und innerer Geschlossenheit. Kunstvoll verziert, miteinander verwoben die Sehnsucht nach der Utopie bei "Alle Menschen werden Brüder".

Ein letztes feierlich gedehntes "Freude, schöner Götterfunken" in leuchtendem Forte von Chor und Orchester und ein rasantes Nachspiel führten zum krönenden Schlusspunkt. Herzlicher Applaus für alle Mitwirkenden und den Dirigenten Thomas Gropper.