Friedrichshafen – Die Faszination des Weltalls macht auch vor den Studenten im Fallenbrunnen keinen Halt. Seit 2013 planen und konstruieren Studierende vom Technikcampus Friedrichshafen der Dualen Hochschule Ravensburg einen Satelliten, der schließlich ins All geschossen werden soll. Das Projekt nennen sie Seesat. Ein Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik unterstützt die Studierenden dabei, ihr Projekt in die Tat umzusetzen.

Die Funktion des kleinen Satelliten klingt zunächst einfach: Aus dem All soll er Aufnahmen von Seen in Afrika machen. Damit soll die Wasserqualität bestimmt werden. "Die ursprüngliche Idee war eigentlich, einen Satellit für die Erprobung neuer Technologien zu bauen. Unser Kontakt beim Raumfahrtzentrum wollte aber weiter gehen und etwas Praktisches daraus machen", erläutert Dennis D'Argento. Er war als Student bei der Geburt des Projekts beteiligt und kam nach dem Studium als Betreuer wieder zurück.

Um das Projekt zu realisieren, wurden unterschiedliche Arbeitsgruppen gegründet. "In der Raumfahrt muss man sich immer mit allen abstimmen und alles muss zu 100 Prozent funktionieren", sagt Dennis D'Argento. Deswegen sei die Kommunikation untereinander der wichtigste Bestandteil ihrer Arbeit. "Wir haben eine Strukturgruppe, die für Mechanik, Thermik und Mechanismen zuständig ist. Auch der Datentransfer hat eine eigene Arbeitsgruppe, die sich um die Antenne kümmert", erklärt der Betreuer. Hinzu kämen außerdem eine Gruppe, die sich darum kümmert, dass der Satellit sich im Weltraum ausrichten kann. "Das funktioniert dann ohne Schubdüsen und völlig autonom", erklärt Philipp Stöcker, der zur entsprechenden Gruppe gehört.

Um gute Fotos machen zu können, muss die Kamera in die richtige Richtung schauen können. Ein weiterer Punkt ist die Energie: Über Solarpanels soll der Satellit sich immer wieder Mithilfe der Sonne neu aufladen können. "Anfangs hatten wir die an der Seite. Bei unserem neuesten Entwurf sind sie allerdings hinten", erklärt Stöcker. Das sei praktischer: Wenn die Kamera auf den Planeten schaut, sind die Solarflächen automatisch zur Sonne gerichtet.

Die Kamera sollte ursprünglich aus Dänemark kommen. "Dann hat sich aber eine Hochschule in Südafrika bei uns gemeldet", erklärt Stefan Wertheimer. Er ist Dozent für Softwareengineering an der Hochschule und gehört zu den Betreuern des Projekts. "Die würden die Kamera speziell für uns entwickeln. Aktuell ist da aber noch nichts in trockenen Tüchern." Und auch Hannah Fuhrmanneck, ebenfalls Betreuerin, sagt: "Wir haben noch ein gutes Stück vor uns. Immer wieder kommen neue Themen auf." Zudem habe die Arbeit mit Studenten aber auch Nachteile: "Viele Studenten stoßen in ihren letzten Semestern zu uns und verlassen dementsprechend schnell die Hochschule und das Projekt wieder", so Wertheimer.

Wenn alles klappt, soll der Satellit über einen Zwischenstopp an der Internationalen Raumstation ISS auf seine Umlaufbahn gebracht werden. Diese befindet sich laut den Studenten aktuell in 400 Kilometern Höhe. Wie lang der Einsatz gehen wird, ist noch nicht bekannt. "In der Regel sind solche Satelliten maximal ein Jahr aktiv", erklärt Stefan Wertheimer. Möglich werden könnte dies durch Förderprogramme von Raumfahrtbehörden wie der japanischen JAXA, die Kleinsatelliten als ein „Handgepäckstück“ zusammen mit ihren Astronauten zur ISS bringt.

"Bei einem Versorgungsflug könnte unser Satellit nach oben kommen und von der Raumstation aus freigesetzt werden", sagt Wertheimer. In seiner Umlaufbahn würde der Satellit innerhalb 93 Minuten die Erde ein Mal umrundet haben. In diesem Zeitrahmen können die Studenten von der Erde aus jeweils sechs Minuten mit dem Satelliten kommunizieren. "Die Bilder kommen direkt zu unserer Bodenstation, hier im Fallenbrunnen", sagt Hannah Fuhrmanneck.