Es war eine Aktion, die der Band Itchy am Herzen liegt. "Achtzig Prozent des Plastikmülls, das in den Meeren landet, kommt aus den Seen und Flüssen", erklärt Daniel Friedl, der sich bei Itchy Panzer nennt. Deswegen machen sich die Musiker, die aus der Nähe von Stuttgart kommen, auch schon seit 2010 für den Meeresschutz stark.

Am vergangenen Freitag trafen sie sich dann mit rund 50 Fans, um ein Stück Bodenseeufer vom Müll zu säubern. "Es war der Wahnsinn. Wir haben nur eineinalb Stunden lang gesammelt – aber insgesamt haben wir 87 Kilo Müll gefunden", erzählt Daniel Friedl.

Panzer (Daniel Friedl), Gitarrist und Sänger der Band Itchy und Schlagzeuger Max (Maximilian Zimmer) beim Müllsammeln.
Panzer (Daniel Friedl), Gitarrist und Sänger der Band Itchy und Schlagzeuger Max (Maximilian Zimmer) beim Müllsammeln. | Bild: Jens Kramer

Es sei immer wieder erstaunlich, wie viel bei einer solchen Sammelaktion zusammenkommt, erzählt Daniel alias Panzer weiter. "Am Anfang steht man da und denkt, es sei alles total sauber am Strand. Aber wenn man dann richtig hinschaut, dann findet man jede Menge Plastik", so der Musiker.

Auch wenn es auf den ersten Blick sauber aussieht, verbirgt sich am Ufer jede Menge Plastikmüll. Fast 50 Itchy-Fans waren aus der ganzen Republik angereist, um zu helfen.
Auch wenn es auf den ersten Blick sauber aussieht, verbirgt sich am Ufer jede Menge Plastikmüll. Fast 50 Itchy-Fans waren aus der ganzen Republik angereist, um zu helfen. | Bild: Jens Kramer

Gefunden haben die Müllsammler alles Mögliche, von der Heroinspritze über die üblichen Plastikflaschen bis hin zu Kronkorken. Manche Fans reisten von weit her an, um bei der Plastik-Aktion ihrer Band dabei sein zu können.

Flaschen, Plastikreste, Zigarettenkippen – all das fanden die fleißigen Müllsammler.
Flaschen, Plastikreste, Zigarettenkippen – all das fanden die fleißigen Müllsammler. | Bild: Jens Kramer

Seit etwa einem Jahr arbeitet Itchy mit der schweizerischen Organisation Ocean Care zusammen – daher auch die Reinigungsaktion am Bodensee. "Friedrichshafen lag da nahe", erklärt Daniel Friedl. Gemeinsam startete die Band mit Ocean Care schon einige Kampagnen – auch bei der letzten Tour der Musiker. "Wir haben durchgesetzt, dass statt der üblichen Einwegbecher Mehrwegbecher benutzt werden, so wanderten zehntausende Becher nicht einfach im Müll", erzählt Daniel Friedl. Zusätzlich konnten sich die Fans an einem Infostand von Ocean Care über die weltweite Plastikverschmutzung der Meere informieren.

Bei einer Fotoaktion konnten sie sich dann noch fotografieren lassen – und die Band versprach, für jedes eingesandte Bild einen Quadratmeter Strand zu reinigen.

Am Ende waren es dann 586 Quadratmeter für 586 eingesandte Fotos, die Itchy am vergangenen Freitag mit ihren Fans reinigten. "Ich finde es großartig, dass unsere Fans ein offenes Ohr für diese Probleme haben", freut sich Daniel. Das Meer liege wohl jedem am Herzen. "Wenn wir sehen, wie schlimm es um unsere Ozeane steht, dann hat doch auch jeder die Verpflichtung, etwas zu tun. Wenn es 2050 wirklich mehr Plastik als Fische im Meer gibt, dann sollte es doch wirklich bei jedem Klick machen", erklärt er. Dabei wollten er und seine Bandkollegen niemanden belehren. "Es geht einfach darum, sein eigenes Handeln eninmal zu hinterfragen".

Fast 50 Fans der Punkrockband aus der Nähe von Stuttgart waren dabei, manche kamen sogar eigens von weit her angereist.
Fast 50 Fans der Punkrockband aus der Nähe von Stuttgart waren dabei, manche kamen sogar eigens von weit her angereist. | Bild: Jens Kramer

Schon seit längerem versuchen sie, auch im Alltag auf Plastik zu verzichten. Ihre letzte Platte wurde auf 100 Prozent recycletem Vynil hergestellt, die CD-Hüllen komplett aus Pappe gefertigt. Die Band Itchy produzierte im letzten Jahr sogar ein Video zu ihrem Song "The Sea", das sich mit dem Thema Plastikmüll befasste und wurde bereits über 44 000 Mal aufgerufen.

"Die Zusammenarbeit mit Itchy ist großartig", sagt Sandra Ludescher von Ocean Care. "Sie sind Vorbilder und gemeinsam können wir auch junge Menschen erreichen", freut sie sich. Auf den Konzerten seien auch die Infostände gut besucht. Und Aktionen wie der "Beach Clean Up Friedrichshafen" seien sinnvoll, um zu zeigen, dass die Müllprobleme auch bei uns hier existieren. "Der Müll, der in den Bodensee gelangt, wird danach in den Rhein und anschließend die Nordsee getragen", erklärt Ludescher. Deswegen sei es sinnvoll, auf Einwegplastik zu verzichten und generell den Verbrauch zu reduzieren.

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Nach dem Beach Clean Up ging es für Band und Helfer in die Belushi Bar, wo Itchy sogar selbst noch auflegte und mit den Fans gemeinsam feierte.

Nach der Aktion legte die Band noch im Belushi auf.
Nach der Aktion legte die Band noch im Belushi auf. | Bild: Jens Kramer