Für den Unterricht auf drei Niveaustufen braucht es auch Gymnasiallehrer. Da die meisten der rund 300 Gemeinschaftsschulen im Land aus Haupt- und Werkrealschulen hervorgingen, musste der Stamm an Gymnasiallehrern im Kollegium erst aufgebaut werden. Und das lief und läuft regional sehr unterschiedlich.

In Friedrichshafen haben die Rektoren der beiden Gemeinschaftsschulen diesbezüglich derzeit keinen Grund zur Klage. "Mit momentan 103 Wochenstunden an der Gemeinschaftsschule Schreienesch und 178 Wochenstunden an der GMS Graf Soden ist die Versorgung mit Gymnasiallehrkräften an beiden Schulen sehr gut", teilen Iris Engelmann und Kai Nopper mit. So könnten alle Fächer, auch Spanisch, voll abgedeckt werden. Zum neuen Schuljahr dürfe zudem jede Schule nochmals eine Stelle ausschreiben. Und auch Einstellungssorgen kennen beide Schulen nicht. Bis dato konnte jede Ausschreibung nach Auswahl mehrerer Bewerber besetzt werden. Die unterschiedliche Anzahl an Stunden, die Gymnasiallehrer unterrichten, hängt mit der Schülerzahl ab Klasse 5 zusammen. Während an der GMS Graf Soden 328 in der Sekundarstufe 1 lernen, sind es an der GMS Schreienesch aktuell 209.

Im Vergleich dazu steht die Gemeinschaftsschule Salem, die wie die beiden Häfler GMS ab 2020 ebenfalls eine Oberstufe einrichten möchte, deutlich schlechter da. Nach Angaben von Klaus Moosmann, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Markdorf, werden an der GMS Salem 81 Wochenstunden von Gymnasiallehrern unterrichtet. Mit 360 Schülern ab Klasse 5 haben die Salemer also nicht mal halb so viele Wochenstunden wie die GMS Graf Soden.

Wie kommt es zu dieser ungleichen Verteilung? Nach Angaben des Kultusministeriums sei die Schulart noch im Aufbau, weshalb es auch noch keine fixierten Regeln für die Zuweisung gebe. Ab Klasse 5 sollte es Gymnasiallehrer aber mindestens in den Hauptfächern geben. Ab Klasse 8 sei dann ein erhöhter Bedarf an Gymnasial- und Realschullehrern nötig. Tatsächlich lag die Quote der Gymnasiallehrer im vergangenen Schuljahr im Regierungspräsidium Tübingen nur bei 5,6 Prozent. Eigentlich sollten es rund 30 Prozent sein. "Wir müssen an den Gemeinschaftsschulen um jede gymnasiale Lehrkraft kämpfen", bedauert denn auch der Vorsitzende des Vereins Gemeinschaftsschulen, Matthias Wagner-Uhl.

Während an den Grundschulen das Personal immer knapper wird, gibt es für Gymnasien auch in Baden-Württemberg zu viele Bewerber. Davon könnten die Gemeinschaftsschulen profitieren. Auf der Internetseite des Kultusministeriums ist von einem "hohen Bedarf an Gymnasiallehrkräften bei den Gemeinschaftsschulen" die Rede, für die aktuell viele Stellen ausgeschrieben werden.

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