Die Open-Air-Konzerte, wie sie im vergangenen Sommer erstmals am Seeufer stattgefunden haben, sind wohl doch eine einmalige Angelegenheit gewesen. Auftreten werden Nena und Michael Patrick Kelly in Friedrichshafen wie geplant Mitte August. Nur werden die Konzerte nicht auf der Freifläche unterhalb des Graf-Zeppelin-Hauses stattfinden – sondern im Hugo-Eckener-Saal. Grund für die Verlegung ist nach Angaben der Stadtverwaltung und Konzertveranstalter Vaddi Concerts eine drohende juristische Auseinandersetzung mit Anwohnern.

Nach der Premiere gingen die Meinungen auseinander

Unumstritten war schon die Premiere nicht. So begeistert sich Konzertbesucher, Veranstalter und Musiker zeigten: Es wurde auch Kritik laut. Öffentlich etwa auf der Internetplattform „Sag‘s doch“. Ein Nutzer gratulierte dort „zur erfolgreichen Gewinnung einer lärmenden Bande von Musikern“. Während der Konzerte von Limp Bizkit und Dieter Thomas Kuhn habe er nahe dem Berufsschulzentrum sein eigenes Wort nicht mehr verstanden. Wenngleich sich mancher auch erfreut über die Gratis-Musik auf der heimischen Terrasse äußerte, war doch klar: zu hören war sie selbst weitab des GZH.

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Anwohner kündigen Klage an

Anlieger aus der Olgastraße haben sich nach Auskunft aus dem Rathaus nun an die Stadt gewandt. Aus einem anwaltlichen Schreiben gehe hervor, dass es insbesondere um das Thema Lärmbelästigung und Lärmschutz geht. „Die Anlieger verlangen umfassende Schutzauflagen und kündigen eine Klage beim Verwaltungsgericht Sigmaringen an“, teilt Stadtsprecherin Monika Blank mit. „Wir bedauern diese Entwicklung.“ Ziel sei es gewesen, die Anwohner möglichst „mitzunehmen“ und Verständnis und Akzeptanz für die zwei Open-Air-Konzerte im Jahr zu schaffen. „Das ist leider nicht gelungen.“ Das finanzielle Risiko einer gerichtlichen Auseinandersetzung wollten Blank zufolge weder Veranstalter, noch Stadt eingehen. Daher sei gemeinschaftlich entschieden worden, die Konzerte ins GZH zu verlegen.

Konzept ist damit erst mal Geschichte

Mit den Konzerten von Michael Patrick Kelly und Nena hatten die Verantwortlichen im Herbst angekündigt: Musik-Ende ist erneut um 22 Uhr, die Tiefgarage Konzertbesuchern vorbehalten und das angrenzende Wohngebiet wird per Absperrung vor Parksuchverkehr bewahrt. Verbessert werden sollten Auf- und Abbauzeiten. Anders als 2018 sollte zudem kein Konzert sonntags stattfinden. Das war offenbar zu wenig. Für den Moment sind die Open-Air-Konzerte am GZH jedenfalls Geschichte. „Ob in Zukunft ein anderes Konzept an dieser Stelle verwirklicht werden könnte, müsste dann entschieden werden“, so Monika Blank.

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Keine Planungssicherheit wegen drohender Klage

„Wir bedauern die Verlegung sehr, aber uns blieb letzten Endes keine andere Wahl“, sagt Marc Oßwald, Geschäftsführer von Vaddi Concerts. Mit einer drohenden Klage sei keine Planungssicherheit mehr gegeben. Auch Matthias Klingler, Leiter des GZH, ist enttäuscht. „Es ist sehr schade, dass wir nicht alle Teile der Bevölkerung von dem Konzept der Open-Air-Konzerte überzeugen konnten.“ Veranstalter und GZH hätten sich große Mühen gegeben, die Beeinträchtigungen auf ein Minimum zu reduzieren. „Aus meiner Sicht waren die Konzerte draußen eine kulturelle Bereicherung für Friedrichshafen. Flair und Infrastruktur haben gepasst.“

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Verlegung ist mit den Künstlern abgesprochen

Alles andere verständnisvoll fallen die ersten Reaktionen auf die Konzertverlegungen aus. Unmut äußern Nutzer auf der Facebook-Seite der Häfler SÜDKURIER-Redaktion etwa darüber, dass Karten nicht zurückgegeben werden können. „Ich schätze, dass hier nun wenige der Mehrheit den Spaß verderben“, ist in einem anderen Kommentar zu lesen.

Und was sagen die Künstler dazu, dass die als Open-Air-Veranstaltungen zugesagten Konzerte drinnen steigen? „Alle Beteiligten sind selbstverständlich informiert und die Verlegung ist mit den Künstlern abgesprochen“, teil Jan Obri von Vaddi Concerts mit. Open-Air sei immer etwas Besonderes – für Veranstalter und Künstler. Daher spiele der Veranstaltungsort eine wichtige Rolle. „Das GZH-Freigelände ist eine wunderbare Location“, schreibt er. Das sei aber auch das GZH selbst, „daher freuen sich die Künstler nun, dort für ihr Publikum spielen zu dürfen“.

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