Das Schreiben der Verwaltung stößt auf Unverständnis in Allmannsweiler: "Darin ist die Rede, dass die Bewohner schnellstmöglich umziehen müssten, weil sonst der ganze Bebauungsplan infrage gestellt werde. Bei Zuwiderhandlung wird sogar mit polizeilichen Maßnahmen gedroht", empört sich Udo Piram vom Bürgerforum. "Das widerspricht komplett dem, was im Laufe des Workshop-Verfahrens mit Stadt und Städtischer Wohnungsbaugesellschaft besprochen und ausgemacht wurde."

Die städtebauliche Entwicklung rund um die Eintrachtstraße ist seit Jahren in der Diskussion. Das Plangebiet beinhaltet die bestehenden Gebäude Eintrachtstraße 17, 18, 19 und 22, das Bürgerhaus Brennnessel, den Bolzplatz sowie die Wiese zwischen SC-Gelände und Messestraße. Die Gebäude gehören der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG), werden aber von der Stadt vergeben. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren zwölf zwei- und dreigeschossige, teilweise mit zusätzlichen Attika-Geschoss ausgestattete Neubauten realisiert werden. Bisher war davon gesprochen worden, dass die Bewohner aus anderen Wohnblöcken erst dann umziehen, wenn die neuen Gebäude bezugsfertig sind. Im Anschluss sollten dann die leer gewordenen Häuser abgerissen werden. So war es jedenfalls der Plan. Mit einem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan durch den Gemeinderat wird noch in diesem Jahr gerechnet.

Der Vorstand des Allmannsweiler Bürgerforums, Georg Behrendt und Udo Piram, verlangt von der Verwaltung Aufklärung und eine bessere Kommunikation.
Der Vorstand des Allmannsweiler Bürgerforums, Georg Behrendt und Udo Piram, verlangt von der Verwaltung Aufklärung und eine bessere Kommunikation. | Bild: Wilfried Geiselhart

Derzeit ist also noch nichts in nichts in trockenen Tüchern. Umso größer ist bei vielen Anwohnern das Unverständnis über die jetzige "Hauruck-Aktion". Man sei "irritiert", zumal es keinen gültigen Bebauungsplan gebe, sagt Georg Behrendt. Der Ärger des Bürgerforums richtet sich vor allem gegen das städtische Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt (BSU) und dessen Leiter Hans-Jörg Schraitle. Es bestehe "Klärungsbedarf", man sei auch von der SWG in keiner Weise über die jetzt eingeleiteten Schritte informiert worden. Auch Alexandra Eberhard, Leiterin der städtischen Stabstelle Bürgerschaftliches Engagement, konnte im Verlauf des Abends zur Aufklärung der Kommunikationslücken nichts beitragen.

Konkret wurde ein Bewohner der Eintrachtstraße: Von einer "bodenlosen Frechheit" sprach Ernst Telesklav. "Wir ziehen bestimmt nicht aus. Wir wollen in unserer bisherigen Wohnung bleiben, bis die neuen Wohnungen beziehbar sind. Auch die anderen Leute haben sich auf diese Zusage verlassen", sagt er. Es gehe nicht um "Nummern, die verschoben werden, sondern um Menschen", betont Udo Piram. Trotz des Ärgers stimmt Georg Behrendt vom Bürgerforum auch versöhnliche Töne an. "Das Workshop-Verfahren war erfolgreich. Man muss einfach wieder miteinander reden", sagt er. Von Hans-Jörg Schraitle habe er telefonisch ein Gesprächsangebot bekommen.

Die betroffenen Gebäude in der Eintrachstraße gehören der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Für deren Belegung ist jedoch die Stadt zuständig.
Die betroffenen Gebäude in der Eintrachstraße gehören der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Für deren Belegung ist jedoch die Stadt zuständig. | Bild: Ambrosius, Andreas

Auch wenn die weiteren Tagesordnungspunkte angesichts dieser Brisanz fast untergingen, so gibt es auch andere Probleme: "Die Geräuschbelästigung für Anwohner ist zu Messezeiten unerträglich", sagt Karl-Heinz Reinschmiedt aus der Löwentalsiedlung. Er sei seit 2002 mit der Stadt diesbezüglich im Gespräch. "Aber offenbar ist niemand in der Lage, ein Geräusch-Messgerät aufzubauen", empört er sich.

Eintrachtstraße als Thema im Gemeinderat

  • Auch bei der Sitzung des Gemeinderates wurden die Probleme in Eintrachtstraße angesprochen. Unter dem Punkt "Verschiedenes" fragte Regine Ankermann von den Grünen, ob die Verwaltung offiziell zu ihrem Vorgehen noch eine Stellungnahme abgeben wolle. Erster Bürgermeister Stefan Köhler, der wegen Abwesenheit des Oberbürgermeisters die Sitzung leitete, verneinte dies. "Die Haltung der Stadt ist bereits im Artikel des SÜDKURIER dargelegt worden, eine weitere Stellungnahme dazu ist nicht nötig", so Köhler. Im Übrigen sei wegen der "baulichen Zustände" der betroffenen Gebäude ein schnelles Handeln notwendig gewesen. "Daher haben wir die Kommunikation in diesem Fall zurückgestellt", erklärte Köhler, wobei er einräumte, dass dies "bedauerlich" sei. Doch die Verwaltung habe sich dazu entschieden, erst zu tätig zu werden und danach das Allmannsweiler Bürgerforum zu informieren.
  • Monika Blank, Pressesprtecherin der Stadt, hatte am Freitag, 6. Oktober, auf eine Anfrage des SÜDKURIER geantwortet. Die Redaktion hatte nachgefragt, warum die Bewohner kurzfristig umquartiert werden und wohin sie umgesiedelt werden sollten. Die Antwort von Monika Blank im Wortlaut: "In der Eintrachtstraße sind überwiegend obdachlose Familien untergebracht, die von Seiten der Stadt dort untergebracht wurden. Es ist geplant, das Gebäude Eintrachtstraße 18 abzureißen. Im September stellte der Leiter des BSU, Hans-Jörg Schraitle, den Mitgliedern des Kultur- und Sozialausschusses den aktuellen Stand zum Thema Obdachlosenunterbringung sowie die künftige Konzeption zur überwiegend dezentralen Unterbringung obdachloser Familien vor. In dieser Sitzung wurde es als sehr positiv bewertet, dass künftig Familien aus den Unterkünften dezentral in Wohnungen umziehen sollen, mit dem Ziel mittelfristig ein Mietverhältnis anzustreben. Dies wurde von der Stadt nun in der Eintrachtstraße 18 erstmalig auf den Weg gebracht."

Kerstin Mommsen