Auf dem traditionellen Nachtflohmarkt der Narrenzunft Seegockel trifft man immer die unterschiedlichsten Typen. Einige brauchen Platz auf ihrem Dachboden oder im Keller und wollen sich deshalb von nicht mehr Benötigtem möglichst gewinnbringend trennend. Andere sind auf der Suche nach ultimativen Schnäppchen oder Raritäten.

Bereits um 18 Uhr, also 90 Minuten vor dem offiziellen Verkaufsstart, ist jede Menge los an der Uferstraße. Marion Baumgart und ihr Team von Mitarbeitern einer Bank haben nicht nur schicke T-Shirts an, sie haben sich auch zur Aufgabe gemacht, möglichst viel Trödel loszuwerden – für einen sozialen Zweck. Und wie bereitet man sich auf die kühlen Nachtstunden vor? Marion Baumgart zeigt auf ihre warmen Fellstiefel. "Und zur Bankfiliale sind es ja auch nur ein paar Meter. Da wird man bestimmt auch eine heiße Tasse Tee bekommen", ist sie sich sicher. Jedes Jahr ist die Häflerin Irene Gerspacher als Verkäuferin mit von der Partie. "Ich verkaufe alles – Spielzeug, Bücher, Klamotten, Geschirr", sagt sie gut gelaunt. "Ich genieße aber auch die Atmosphäre. Man kommt schnell mit netten Leuten ins Gespräch." Die ganze Nacht durchmachen? "Wohl eher bis 12 oder 1 Uhr. Dann wird eine Plane über den Stand gepackt. Und morgen früh geht's weiter", meint sie vorausschauend.

Auf der Suche nach geeignetem Spielzeug für ihr einjähriges Enkelkind ist Viola Klein aus Salem. "Es ist sinnvoll, etwas Günstiges zu kaufen", sagt sie und macht sich erst einmal auf die Suche nach Bauklötzen. Handeln ist natürlich fast immer erlaubt oder sogar gewünscht. "Bei mir auf jeden Fall", versichert Wolfgang Steffen. Er hat unter anderem Briefmarken sowie Postkarten aus der Zeppelin-Zeit feilzubieten, auch ein "Friedrichshafener Geschenk Kochbuch" aus dem Jahr 1942, das möglichst für 20 Euro über die Theke gehen soll. Er kommt aus Backnang und verbindet jedes Jahr seinen Urlaub mit dem Besuch von Friedrichshafen und der Teilnahme am Nachtflohmarkt. Warum? "Bloß Erholung ist mir einfach zu langweilig", sagt er lachend.

Derweil sind auch Anja Pfanner und Bernd Huckle als Verantwortliche vonseiten der Häfler Narrenzunft zufrieden. Sie haben alles im Griff, wie sie sagen, und loben auch das 200-köpfige Team der Freiwilligen. Mit den rund 140 Voranmeldungen für Verkaufsstände ist man sehr zufrieden und hofft, möglichst viel Erlös einzufahren, den man für die Busfahrten zu den Fasnetsumzügen gut brauchen kann.

Zurück zum turbulenten Geschehen. Roswitha Münich und ihr Mann Fritz wollen ihre Ware besonders schön präsentieren. "Eigentlich kaufe ich lieber ein, als dass ich verkaufe", meint sie verschmitzt. "Aber irgendwann geht eben der Platz zuhause aus." Und so heißt es sich zu trennen von überzähligem Geschirr, von Porzellan und Gläsern. Wird schon. Die Nacht ist ja noch lang. Und am heutigen Samstag geht's den ganzen Tag weiter.