Erneut muss sich seit Donnerstag ein in Friedrichshafen geborener 35-jähriger Mann vor dem Landgericht verantworten. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Angeklagt ist er wegen dreier Fälle, die 2016/2017 für Schlagzeilen sorgten. Zum einen geht es um die schwere räuberische Erpressung mit gefährlicher Körperverletzung eines Unternehmerehepaars in Tettnang am 9. März 2016, bei der über 30 000 Euro erbeutet wurden.

500 Gramm Kokain in die Schweiz verdealt

Zum anderen ist der 35-Jährige wegen zweier Drogendeals von Friedrichshafen in die Schweiz angeklagt, zu einem damals in Niederpipp sitzenden Dealer. Ende Mai 2016 sollen 100 Gramm Kokain, im April 2016 dann 400 Gramm Kokain übergeben worden sein.

Angeklagter gesteht Vorwürfe laut Anklageschrift

Der 35-Jährige gestand die Vorwürfe laut Anklageschrift, äußerte sich im Detail dazu aber nicht, nachdem es auf Vorschlag von Verteidiger Sebastian Glathe ein Verständigungsgespräch gegeben hatte. Die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Stefan Maier stellte eine Strafe von acht Jahren und drei Monaten bis zu neun Jahren und drei Monaten unter Vorbehalt in Aussicht. Staatsanwältin Mona Düffert wollte zuvor mindestens neun Jahre Haft, besser zehn.

Vier Männer sollen Überfall geplant haben

Der seit dem 15. Lebensjahr drogensüchtige Angeklagte war 2016 auf der Flucht, nachdem er die Bewährungsauflagen aus einer anderen Strafe verletzt hatte, insbesondere die, sich einer Drogentherapie zu unterziehen. Im Kern sollen vier Leute, darunter der Angeklagte, in einer Garage und einem Schnellrestaurant in Friedrichshafen im Anfang 2016 den Überfall auf das Unternehmerehepaar ausgeheckt haben. Sie sollen das über 80-jährige Paar ausgeforscht haben.

Täter rechneten mit Beute bis zu 200 000 Euro

Wie ein als Zeuge vernommener und verurteilter Täter aus dem Quartett berichtete, rechneten sie mit einer Beute von 100 000 bis 200 000 Euro. Am Tattag verfolgten laut Anklage der 35-Jährige und ein 50-jähriger ehemaliger Freund seines Vaters das Auto der Opfer von Fischbach nach Tettnang, wo zwei weitere Täter in der Einfahrt warteten.

Verurteilter Beteiliger bestreitet als Zeuge, vom Überfall gewusst zu haben

Der 50-Jährige, der rechtskräftig zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft wegen der Beteiligung an der Tat verurteilt worden ist, bestritt bei seiner Vernehmung, von dem Überfall gewusst zu haben. Unter anderem sagte er aus, er habe den Angeklagten nur retten wollen, beklagte die schlechte Situation seiner Kinder durch seine Haft und behauptete, kein Deutsch zu können. „Sie wollen uns erzählen, dass Sie seit 25 Jahren hier leben, zehn Jahre hier gearbeitet haben und kein Deutsch sprechen?“, reagierte Richter Matthias Geiser gereizt. Stefan Maier machte den Zeugen darauf aufmerksam, dass er noch einmal zu gut zwei Jahren Haft wegen Falschaussage verurteilt werden könnte. Ein weiterer Tatbeteiligter, der damals vor dem Haus des Ehepaars wartete, bestätigte, dass der 50-Jährige voll in die Planung eingebunden gewesen sei. Es soll noch weitere Beteiligte gegeben haben, die damals als Beobachter eingesetzt worden seien.

Unternehmer bei Übefall an der Hand verletzt

Die beiden Täter in der Auffahrt, bewaffnet mit einer Gaspistole und einem Messer, wollten zunächst die Brieftaschen der Opfer. Das verweigerte der Unternehmer, worauf es ein Gerangel gab, bei dem das Opfer eine Schnittverletzung an der Hand erlitt, die heftig blutete. Im Haus übergab seine Frau den Tätern eine Geldtasche mit 30 000 Euro. Der Überfall dauerte rund 25 Minuten. Das Quartett flüchtete in einem Auto, in dem der Angeklagte und der 50-Jährige warteten, wie es in der Anklage heißt.

Beute von 30 000 Euro bis heute verschwunden

Im Auto teilte man das Geld aus den Briefbörsen, etwa 600 Euro. Die 30 000 Euro sind bis heute verschwunden. Der verurteilte Täter, der später im Haus war, vermutete, das Geld habe der vierte Tatbeteiligte mitgenommen.

Relativ undurchsichtig ist immer noch der Kokainhandel. Im Prozess gegen den damaligen Hauptangeklagten aus Friedrichshafen kam der Verdacht auf, der 35-Jährige habe das Kokain in Norddeutschland oder Holland besorgt, bevor es in die Schweiz ging. Der damalige Hauptangeklagte bestätigte bei seiner Befragung die Mittäterschaft des 35-Jährigen aber nicht.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.