Vor dem Landgericht Ravensburg ist am Montag der Prozess gegen zwei 29 und 47 Jahre alten Männer fortgesetzt worden. Ihnen wird vorgeworfen, an den Weihnachtsfeiertagen 2018 an einem erpresserischen Menschenraub beteiligt gewesen zu sein. Die Haupttäter und Initiatoren der Tat wurden bereits Ende Juli zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Rache für Verkauf gefälschter Luxusuhren

Sie hatten unter dem Vorwand, am Kauf einer Luxus-Uhr interessiert zu sein, einen in Friedrichshafen lebenden Mann zunächst nach Frankfurt gelockt, um sich die Kaufsumme aus einem vorangegangenen Geschäft zurückzuholen. Die Uhren hatten sich nämlich als Replika erwiesen und lagen im Wert deutlich unter dem Kaufpreis von 13 900 Euro.

Angeklagter räumt Rolle als Lockvogel ein

Am ersten Prozesstag hatte der 29-Jährige aus Köln bereits die Beteiligung eingeräumt. Klar wurde, dass er als Lockvogel für den Kauf der besagten Luxus-Armbanduhr auftreten sollte. „Ein paar Hundert Euro“ waren ihm für die Dienste versprochen worden. Bei der Bedrohung auf dem Parkplatz eines Frankfurter Hotels sowie der anschließenden Entführung des Opfers in zwei Wohnungen in Köln spielte der 29-jährige Familienvater offensichtlich aber keine aktive Rolle mehr.

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Opfer akzeptiert Entschuldigung und Täter-Opfer-Ausgleich

Neben einer Entschuldigung, die das als Zeuge geladene Opfer annahm, wurde auch ein Täter-Opfer-Ausgleich in Form einer vierstelligen Summe akzeptiert.

Zweiter Angeklagter tiefer verstrickt

Auch der zweite Angeklagte hatte von der Möglichkeit der möglicherweise strafmildernden Maßnahme Gebrauch gemacht. Er ist allerdings tiefer verstrickt. So beschrieb der 47-jährige, dass er ein Fleischermesser nur deshalb in der Hand hielt, weil er zuvor ein paar Scheiben Rauchfleisch und Obst geschnitten hatte. „Es ist für mich schwer nachvollziehbar, dass sie da in eine Sache reingerutscht sind, wo man ganz schnell im Bereich einer mehrjährigen Haftstrafe liegt“, sagte der Vorsitzende Richter Franz Bernhard.

Opfer: „Er war wohl der einsame Wolf, der mich einschüchtern sollte“

Das Opfer erklärte, dass der Angeklagte und auch das Messer wohl nur dazu dienten, die Bedrohungslage in der Wohnung zu verstärken. „Er war wohl der einsame Wolf, der mich einschüchtern wollte“, schilderte das Opfer, das beim Verkauf der gefälschten Markenuhren nur ein kleines Licht einer mafiös arbeitenden Gruppe gewesen sein will.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.