Kochen kann ja so unterhaltsam sein, wenn man die Arbeit einem Profi überlassen und plaudern kann. Das hat sich am Mittwoch auf der IBO-Messe in Halle A 5 in der XXXL-Kocharena gezeigt: Vital Heynen, Trainer der Häfler VfB-Volleyballprofis, hat ein belgisches Rezept mitgebracht: Chicorée-Schinkenröllchen mit Bechamelsoße, überbacken mit Käse. Für Heynen ist die Rollenverteilung klar. Er als Trainer sagt, was gemacht wird. Chefkoch Artur Frick-Renz ("Zum Hirsch", Neukirch-Goppertsweiler) führt aus. Moderator Nik Herb kündigt vollmundig an, dass Heynens Auftritt eine sportliche Weltpremiere sei. Heynen bestätigt etwas verschmitzt: "Das ist das erste Mal, dass ich in einer Küche bin. Und das erste Mal, dass ich – wie heißt das – ja, eine Schürze anhabe." Er brauche jetzt Hilfe, ganz viel Hilfe, ergänzt der Belgier mit erwartungsvollem Blick auf Frick-Renz.

Heynen – seit rund fünf Monaten in Friedrichshafen – fühlt sich hier am See wohl. Und ja, die endende Saison sei für die Volleyballer sehr gut gelaufen. Schön wäre es, noch den Meistertitel mitzunehmen.

Heynen plaudert frei von der Leber weg. So erfährt das Publikum, dass er bis elf Jahren Fußball gespielt hat. Als ihn der Trainer vom Mittelfeld – wohl wegen Heynens schon damals eigenen Ansichten – in die Abwehr stecken will, kehrt er dem Fußball den Rücken zu. Und fängt mit Volleyball an. "Niemand hat mich weggeschickt, also bin ich dabeigeblieben." Während des Studiums wird ihm der erste Trainerposten angeboten, Heynen nimmt an. Inzwischen hat er rund zwölf Trainerjahre absolviert und brennt noch immer für Volleyball.

"Ich schaue pro Woche zehn bis 15 Spiele an", berichtet der Vater dreier Töchter. Spaß am Sport und der Zusammenhalt in der Mannschaft sind Heynen gleichermaßen wichtig. Er sei nicht immer der spaßige Typ, sondern könne auch "böse werden", wenn die Leistung nicht stimmt.

Und der Chicorée? Der ist inzwischen gut blanchiert – "kocht wie Wäsche", berichtet Frick-Renz scherzhaft. Aber Heynen wolle das ja so. Das Blanchieren nimmt dem Chicorée das Bittere. In einer Pfanne wird Zucker karamelisiert, die Zichorien dazu. Leicht anbraten, für die Farbe und Röstaromen. In Schinken einrollen, in eine Auflaufform gegeben, mit frisch zubereiteter Bechamelsoße übergießen und mit Emmentaler im Ofen überbacken. Als Beilage gibt's Kartoffelpüree.

Heynen unterhält mit Anekdoten aus dem Alltag. Vor Kurzem ist er privat eingeladen. Es gibt Wurstsalat. Als Hauptgang – was Heynen nicht klar ist. "Ich habe gefragt, was es als Nächstes gibt", berichtet er von seinem Fauxpas. Nächste Woche sei er wieder eingeladen und werde erstmals Kässpätzle essen. Ruckzuck ist eine Stunde vorüber, rund 40 Portionen werden verteilt und begierig abgeholt. Heynen hat's Spaß gemacht. Er kann sich durchaus vorstellen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein. Vielleicht sogar mit echten belgischen Pommes und Soßen aus seiner Heimat. Dann müsse das Publikum nicht eine Stunde aufs Essen warten.

Rotraut und Jürgen Binder bringen am Nachmittag ein Rezept aus Friedrichshafens weißrussischer Partnerstadt Polozk mit: Piroschky. Den Teig für die noch mit Champignons oder Kraut zu füllenden Teigtaschen hat Rotraut Binder, Ex-Vorsitzende des Vereins Freundeskreis Polozk, daheim vorbereitet, die Zubereitung würde sonst zu lange dauern. Je nach Gusto seien auch andere Füllungen möglich. "Zwar bin ich schon in der Öffentlichkeit aufgetreten, aber ich habe noch nie öffentlich gekocht", sagt Rotraut Binder. Auch ihr Mann ist so manchem Häfler bekannt – als Büttenredner beim Bürgerball sowie als Autor von Gedichten, für die er sich durch die Kommunalpolitik oder durch Alltagsbeobachtungen inspirieren lässt.

Binders schwärmen für Polozk. Mindestens 50 Mal waren sie in der Partnerstadt, in der sich – durch die vielfältige Unterstützung aus Friedrichshafen – in 25 Jahren viel verbessert habe, es aber noch viel zu verbessern gebe. Jürgen Binder trägt einige seiner Gedichte vor: Beispielsweise über das Piroschky-Rezept oder über Radler, die während des Winters alle Verkehrsregeln vergessen haben. Auch er wartet mit einer Anekdote auf: Eines Sonntags sind die Eier alle. Aber es soll zum Braten auch Spätzle geben. Und weil der Appetit schon groß, ohne großen modischen Aufwand schnell nach Berg, um dort an einem Automaten Eier zu holen. Binder trifft mehr Bekannte, als ihm ohne Sonntagshäs lieb sein kann. Sein Fazit: "Das nächste Mal, wird's anders laufen – werde im Smoking Eier kaufen."

Rotraut und Jürgen Binder berichten davon, wie wohl sie sich jedes Mal fühlen, sobald sie in Polozk sind. Die Menschen dort seien sehr gastfreundlich, "ungeheuer gefühlvoll und liebenswert". Und kein Empfang, bei dem die Tische nicht so reichhaltig mit Speis und Trank eingedeckt sind, als gelte es ein riesiges Bankett auszurichten. Und oh ja, die russische Küche sei deutlich gehaltvoller und deftiger als die heimische.

Chefkoch Frick-Renz ist vom Rezept angetan: " Den Teig findet ich wahnsinnig super. Die Piroschky schmecken toll." Er persönlich würde etwas mehr "Bums" in die Füllungen geben – sprich mehr Kräuter und Gewürze. Aber ist ja wie so vieles beim Kochen Geschmackssache. Und ein Autoren-Auftritt Jürgen Binders im Hirsch in Goppertsweiler ist für Frick-Renz durchaus überlegenswert – dann natürlich mit russischen Speisen.


Weitere Kochshows

Während der Frühjahrsmesse IBO gibt es noch folgende Kochshows in der XXXL-Kocharena in Halle A 5:

  • Promikochen mit FDP-Politikern am heutigen Donnerstag um 14 Uhr. Der Bundestagskandidat Benjamin Strasser sowie der Landtagsabgeordnete Klaus Hoher werden erwartet.
  • Der Olympiateilnehmer im Taekwondo, AbdoulrazakIssoufouAlfaga, zeigt am Freitag, 24. März, ab 11 Uhr, was er auf der Pfanne hat.
  • Der Oberbürgermeister der Stadt Weingarten, Markus Ewald, sowie Fürstin Elisabeth zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee sind ab 15 Uhr zu sehen.
  • Die  Bodensee-Apfelkönigin Sabrina Heiß aus dem benachbarten Markdorf wird am Samstag, 25. März, um 11 Uhr zu Gast sein.
  • Gräfin Diana Bernadotte von der Blumeninsel Mainau und Ehemann Stefan Dedek sind ab 15 Uhr in Aktion.
  • Närrisches Kochen mit dem Zunftmeister der Narrenzunft Seegockel, Oliver Venus, und dem Präsident des Vereins zur Pflege des Volkstums, Karl Haller, gibt es um 16 Uhr.
  • Richard Ringer, Deutscher Meister im 5000-Meter-Lauf sowie Olympiateilnehmer, wird am Sonntag, 26. März, um 14 Uhr in der Kocharena erwartet.
  • Judith Hildebrandt, Schauspielerin ("Sturm der Liebe", "Hinter Gittern – Der Frauenknast"), Sängerin sowie Moderatorin, ist um 15 Uhr in Aktion.