Wegen zwei Fällen von sexueller Nötigung hat das Amtsgericht Tettnang einen 33-Jährigen zu einem Jahr Haft auf Bewährung und der Zahlung von 5000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Dabei hielt der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts Wolfgang Bigalke dem Angeklagten sein Geständnis zugute, mit dem er der Geschädigten die Vernehmung und weitere Verhandlungen ersparte. Außerdem hatte er sich im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs bei der jungen Frau entschuldigt und dem Schmerzensgeld zugestimmt. "Das muss man beiden Beteiligten zugute halten," sagte Bigalke. Zu Beginn des Prozesses hatte es anders ausgesehen: der Beschuldigte stritt die Taten ab.

Es ging um zwei Tage im Juli 2014. Der Angeklagte, Betreiber einer Reinigungsfirma aus dem Großraum Stuttgart, war mit seinem Wohnwagen wegen eines Engagements beim Seehasenfest nach Friedrichshafen gefahren. Er beschäftigte eine damals 21-Jährige auf 400 Euro-Basis, die ihn begleitete und auch im Wohnwagen übernachtete. Die beiden hatten einige Jahre vorher eine kurze sexuelle Beziehung gehabt. Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, sich am Morgen des 16. Juli auf die junge Frau geworfen und sie mit seinem Körpergewicht fixiert zu haben. Er habe ihr T-Shirt und BH hochgeschoben und ihre Brüste massiert. Dabei hielt er ihr den Mund zu. In der Nacht zum 17. Juli vergriff er sich erneut an ihr, obwohl sie sich in beiden Fällen wehrte. Die junge Frau musste sich danach wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung einer Psychotherapie unterziehen.

"Ich habe geraucht, sie ist duschen gegangen, ich habe mit dem Veranstalter telefoniert und dann auch geduscht," schilderte der Angeklagte den Morgen. Dann seien sie an die Arbeit gegangen. Abends sei sie ins Bett gegangen, während er noch ein paar Zigaretten geraucht haben. "Ich war hinten, sie war vorn", sagte er. "Wie kommt es dann, dass die Geschädigte um 0.53 Uhr eine SMS bekommt von Ihnen: 'Sorry, wollte das auch nicht, hoffe, du bist mir nicht böse?'" fragte Bigalke. Es habe Streit gegeben, worüber, wisse er nicht mehr, antwortete der Angeklagte jetzt. Er habe sie wohl beleidigt. Warum er nicht mit seiner Mitarbeiterin geredet hätte und warum sie am nächsten Morgen verschwunden sei, fragte Bigalke. "Keine Ahnung." Auf die Frage seines Rechtsanwalts Martin Ellinger: "Also stimmt es nicht, was in der Anklage steht?" antwortete der Angeklagte: "Nein". Schließlich behauptete er, er habe von einer anderen Aushilfe erfahren, dass ihm die Geschädigte "eine reindrücken" wollte. "Warum sollte sie das tun?", fragte der Richter. Sie habe vor kurzem erst bei ihm angefangen, das Geld gebraucht und er habe ihr sogar Fahrstunden vorgestreckt. "Keine Ahnung, vielleicht aus Neid."

"Was wir bisher von Ihnen gehört haben, ist sehr schwer nachvollziehbar", sagte Bigalke. "Wir sehen auch keine Gründe für eine Falschaussage der Geschädigten." Er zeigte auf, dass bei einem Geständnis und einem Täter-Opfer-Ausgleich eine mildere Strafe zu erwarten sei. Nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger erklärte der Angeklagte: "Es hat sich genau so zugetragen, wie es in der Anklage steht." In einer Verhandlungspause entschuldigte er sich und verständigte sich mit der Geschädigten, die auch als Nebenklägerin auftrat. Für die Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte seine körperliche Überlegenheit und das Abhängigkeitsverhältnis seiner Mitarbeiterin ausgenutzt. Das Gericht folgte mit dem Strafmaß dem Antrag der Verteidigung. Es setzte die Höhe der monatlichen Ratenzahlung für das Schmerzensgeld auf 250 Euro fest. Bigalke kündigte an, er werde selbst darauf achten, dass das Geld bei der Nebenklägerin ankomme.