Friedrichshafen – Kreisverkehr oder Ampelschaltung vor der Ludwig-Dürr-Schule? Um diese Frage wird es am Montag unter anderem in der Sitzung des Gemeinderats gehen, wenn das Gremium über die Priorisierung von Kreisverkehrsplätzen im Stadtgebiet diskutiert. In einem Antrag von CDU und SPD beauftragen die beiden Gemeinderatsfraktionen die Verwaltung damit, umgehend Planungsmaßnahmen für den Bau eines Kreisverkehrsplatzes an der Waggershauser Straße/Colsmanstraße/Jettenhauser Straße aufzunehmen, sodass der Bau noch im Jahr 2018 ausgeführt werden kann. Als sofortige und kostengünstige Sofortmaßnahme wäre auch ein Provisorium denkbar. Gleichzeitig solle die Verwaltung darlegen, wie auch mit einem Kreisverkehr eine sichere Querung der Ludwig-Dürr-Schüler möglich ist und welche Vorkehrungen zu treffen sind.

Die Motivation für den Antrag war nach Angaben des CDU-Vorsitzenden Achim Brotzer, dass im Doppelhaushalt 2016/2017 Mittel für Kreisverkehrsplätze eingeplant waren. Das Geld ist da, allerdings ist das Thema nie auf die Tagesordnung gekommen. Viele Bürger, Pendler und Autofahrer würden sich über die langen Staus an der Kreuzung in Jettenhausen beschweren. "Wir wollen selbstverständlich, dass der Weg für die Schüler sicher ist." Allerdings sei nie dargelegt worden, inwieweit die Sicherheit bei einem Kreisverkehr im Vergleich zur Ampel mit der sogenannten Alles-Grün-Regelung zu kurz komme. Laut Antrag halten CDU und SPD den Kreisverkehrsplatz für dringend erforderlich, um Gefahren für alle beteiligten Verkehrsteilnehmer auszuschließen beziehungsweise zu minimieren und einen halbwegs akzeptablen Verkehrsfluss zu gewährleisten.

Auch Dieter Stauber, SPD, betont, man habe bei der Verabschiedung des Doppelhaushalts Wert darauf gelegt, dass Kreisverkehre gebaut werden, um den Verkehrsfluss zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen. Zudem wollte der Gemeinderat priorisieren, welche Maßnahmen besonders dringend sind. Nun sei das Doppelhaushaltsjahr beinahe zu Ende und es sei nichts unternommen worden, daher nun der Antrag. "Die Priorisierung in der Kreisverkehrsplanung ist für uns nicht nachvollziehbar und wir haben an dem Prozess nicht teilnehmen können", so Stauber weiter. Laut Sitzungsvorlage steht der Kreisverkehrsplatz Ludwig-Dürr-Schule an achter Stelle und hat die Priorität drei, die eine Umsetzung der Maßnahme in mehr als vier Jahren vorsieht. Mit einem Sternchen ist dazu angeführt: "Soll auf Grund aktueller politischer Forderungen sowie früher getätigter Hinweise und Zusagen priorisiert (Priorität 1) behandelt werden."
 

Bild: Cornelia Müller

Stauber will am Montag diskutieren, warum Kreisverkehrsplätze aus Sicht der Stadt an fast allen Stellen für mehr Sicherheit sorgen sollen, ein solcher aber ausgerechnet an der Ludwig-Dürr-Schule ein Sicherheitsrisiko darstellen soll. "Das konnte mir bislang keiner erklären." Die derzeitige Ampelschaltung sorge für lange Wartezeiten und Rückstaus. Das berge auch ein Risiko für die Kinder. "Es führt dazu, dass viele Autofahrer auf Seitenstraßen ausweichen und für die Kinder, die dort zwischen parkenden Autos die Straße überqueren müssen, ist das sehr gefährlich.

" Das Argument der Stadt, dass man nach der Eröffnung der B 31-neu eine Leistungsfähigkeitsberechnung vornehmen soll, ist für Stauber nicht nachvollziehbar. Für die SPD sei zunächst auch ein Provisorium denkbar. "Wir wollen das Projekt nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben", erläutert er. "Wir wollen einen vernünftigen Verkehrsfluss gewährleisten, ohne dabei Menschenleben zu gefährden." Darüber müsse man am Montag diskutieren.

"Für die Schüler gibt es keine sicherere Lösung als die Ampel", sagt hingegen Robert Ackermann, Konrektor der Ludwig-Dürr-Schule. Bei der momentanen Verkehrslage habe man große Sicherheitsbedenken gegen einen Kreisverkehr. "Das ändert sich womöglich, wenn die B 31-neu eröffnet und das Verkehrsaufkommen reduziert wird. "Der Verkehr ist zu Stoßzeiten natürlich enorm. Wir wollen uns mit unserer Haltung nicht gegen die Autofahrer wenden. Viele aus dem Kollegium kommen auch mit dem Auto und sind von den Staus betroffen. Aber die Sicherheit der Schüler hat für uns oberste Priorität."

Nach dem Unfall eines Kindes an der Kreuzung habe man massiv interveniert. "Ich bin damals selbst oft an der Kreuzung gestanden und habe versucht, für die Sicherheit der Kinder zu sorgen. Seit der neuen Ampelregelung gab es keinen Unfall mehr." Er gehe zudem davon aus, dass zu Stoßzeiten auch ein Kreisverkehr überlastet sei. "Wenn alles in die Stadt rein will und gleichzeitig unsere Kinder hier über die Straße wollen, dann kommt auch ein Kreisverkehr wegen Überlastung zum Erliegen", so Ackermanns Prognose.

Die Stadt hat in der Sitzungsvorlage als Beschlussantrag formuliert, die Prioritätenliste der geplanten Kreisverkehrsplätze zustimmend zur Kenntnis zu nehmen. Dem Antrag von CDU und SPD solle nur teilweise entsprochen werden. Ein provisorischer Kreisverkehr soll abgelehnt werden, nach Eröffnung der B 31-neu soll eine Leistungsfähigkeitsberechnung eines Kreisverkehrplatzes erfolgen. Auf Anfrage teilt die Stadt zudem mit: "Aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde ist unter den derzeit vorherrschenden Verkehrsbedingungen mit hohem Verkehrsaufkommen, hohem Anteil Schwerlastverkehr sowie starker Frequentierung durch Fußgänger und Radfahrer die Ampelschaltung mit einer Alles-Grün-Schaltung für Fußgänger und Radverkehr die sicherste Lösung." Nach Inbetriebnahme der B 31-neu werde sich die Verkehrssituation anders darstellen, sodass auch ein Kreisverkehr als sichere Lösung anzusehen und vertretbar sei.

Auf die Frage, warum Kreisverkehre an vielen Stellen für mehr Sicherheit sorgen sollen, aber gerade an der Ludwig-Dürr-Schule die Ampelschaltung bevorzugt und für sicherer befunden wird, antwortet die Stadtverwaltung: "Die derzeitige Situation an der Ludwig-Dürr-Schule stellt einen Sonderfall dar und ist mit anderen Örtlichkeiten im Stadtgebiet nicht vergleichbar." Tatsache sei, dass seit der Einführung der geänderten Ampelschaltung im Frühjahr 2015 lediglich zwei Unfälle mit zwei Leichtverletzten zu verzeichnen seien, die zudem in keinem Zusammenhang mit der Ampelschaltung stehen würden.