Über schroffe Felsen kreisen Adler, Bäche rieseln von Gletschern ins Tal und ein paar Guanakos suchen nach Futter. Doch die herbe Schönheit des Parque Andino Juncal ist bedroht. In seinem Boden vermuten Geologen Kupfer In Chile hat der Staat Anspruch und Zugriffsrechte auf alle Bodenschätze. Der Parque Andino Juncal ist im Privatbesitz von Umweltschützern, doch erste Unternehmen haben mit den Erkundungen begonnen – das gibt Ärger. Der chilenische Künstler Ignacio Acosta hat Konflikte um den Bergbau jeder Art zu seinem großen Thema gemacht. Sein Video „Pedimentos mineros“ webt Schönheit und Bedrohung ineinander, in Recherchen hat er die Geologie des Gebiets, die Rechtslage und die erteilten Erkundungskonzessionen dokumentiert.

Acosta bereits im vergangenen Jahr bei Ausstellung vertreten

Ignacio Acosta ist der diesjährige „Artist in Residence„ der ZF-Kunststiftung. Er war in vergangenen Jahr in der Ausstellung „Game of Drones“ im Zeppelin-Museum vertreten mit dem Video „Drones and Drums“. Es erzählt in so poetischen wie bedrückenden Bildern vom Kampf der Samen in Nordschweden gegen eine geplante Eisenmiene. Seine Arbeiten gehen den Spannungen zwischen dem Hunger nach Rohstoffen und den Anliegen von Anwohnern und Naturschützern nach. „Ich arbeite mit Mitteln der Kunst, für mich gehören Recherche, Analyse und Dokumentation dazu. Ich möchte visuelle Narrative mit tiefer Bedeutung entwickeln“, sagt er.

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Ignacio Acosta ist in Chile geboren und lebt als Künstler und Forscher in London. In seiner Dissertation „The Copper Geographies“ an der Universität Brighton entwickelte er archivarische, visuelle, räumliche und kritische Forschungsstrategien. Für seine Zeit in Friedrichshafen plant er, sich mit dem Kohleabbau in Deutschland auseinanderzusetzen. „Mir ist es bei meinen Projekten wichtig, dass sie einen Bezug haben zu dem Ort, an dem ich arbeite“, sagt er. Er wird zum Hambacher Forst im nordrhein-westfälischen Braunkohleabbaugebiet reisen und auch die historischen Zeugen für Bergbau in der Bodenseeregion aufsuchen. „Ich werde von dem ausgehen, was ich vorfinde. Videos, Texte – ich denke auch an Zeichnungen.“

Gesellschaftspolitisches Engagement war ein Auswahlargument

Für Regina Michel, Geschäftsführerin der ZF-Kunststiftung, war sein gesellschaftspolitisches Engagement ein Auswahlargument der Jury. „Er verbindet in seiner Arbeit viele Aspekte, von der Feldforschung und dem Kontakt zu Aktivisten über die wissenschaftliche Recherche bis zu einzigartigem bildgewaltigem Ausdruck in seinen Fotos und Videos“, sagt sie. Im Herbst wird die Stiftung die in Friedrichshafen entstehenden Werke ausstellen. Am Kunstfreitag öffnet Ignacio Acosta sein Atelier im Turm des Zeppelin-Museums.

Acht Gastgeber beim diesjährigen Kunstfreitag

Er ist damit einer von acht Gastgebern beim diesjährigen Kunstfreitag. Die Auftaktveranstaltung bringt in einer Audio-Installation renommierte Fotografen miteinander ins Gespräch. Desiree Oster, Jana Faßbender und Noah Vinzens gewähren Einblick in ihre fotografische Leidenschaft. Der Kiesel zeigt mit „Das Salz der Erde“ einen Dokumentarfilm über den brasilianisch-französischen Fotografen Sebastião Salgado. In der Artothek können Besucher bis 22 Uhr Neuerwerbungen von Fotografen aus der Region anschauen und ab Samstag dann ausleihen.

Fotografien des französischen Soziologen Pierre Bourdieu zeigt eine Ausstellung in der Zeppelin Universität.
Fotografien des französischen Soziologen Pierre Bourdieu zeigt eine Ausstellung in der Zeppelin Universität. | Bild: Pierre Bourdieu

Dem Chronisten von Kolonisation und Konsum Andrew Gilbert widmet der Kunstverein eine Ausstellung. Werke des Querdenkers Burkhart Beyerle gibt es in der Galerie Bernd Lutze, dem Thema Frausein nähern sich Vivien Clausen und Lena Reiner in ihrer Ausstellung im Kulturhaus Caserne. Dass Pierre Bourdieu nicht nur soziologisch forschte, sondern auch beim Fotografieren genau hinsah, zeigt die Zeppelin Universität. Auch das Zeppelin-Museum öffnet seine aktuellen Ausstellungen. Jazz vom Feinsten kommt vom Clara Vetter Trio und für die After Show Party sorgt Mobilegirl.

Programm Kunstfreitag

6. März von 19 bis 0 Uhr

  • Kiesel im Medienhaus:

Eröffnung mit Stimmen der Fotografie, um 18 Uhr

Dokumentarfilm „Das Salz der Erde“

  • Artothek im Medienhaus

Fotografie der Region zum Ausleihen

Führungen 19.30, 20.30, 21.30 Uhr

  • Kunstverein Friedrichshafen

Andrew Gilbert: The Rise and Fall of Emperor Andrew`s Coffee Plantation

Führungen 19, 20, 21 Uhr

  • ZF Kunststiftung

Ignacio Acosta stellt sich im Turmatelier als Artist in Residence vor.

  • Zeppelin Museum

Wege in die Abstraktion. Martha Hoepffner und Willi Baumeister

Führungen 20.30, 22.30 Uhr

Vernetzung der Welt. Pionierfahrten und Luftverkehr über den Atlantik

Führungen 19.30, 21.30 Uhr

  • Jazz Port im Zeppelin Museum

Clara Vetter Trio feat. Max Treutner

Konzerte 21, 22 Uhr

  • Galerie Bernd Lutze

Burkhart Beyerle: Auf Abruf im Neunzigsten

  • Kulturhaus Caserne

Vivian Clausen, Lena Reiner: Frau. Mensch: Mama?

Malerei, Text, Fotografie

Eröffnung 20.30 Uhr

  • Zeppelin Universität

Der verstehende Blick: Fotografien von Pierre Bourdieu

Einführung 21.15 Uhr

Mobilegirl: After Show Party

ab 22 Uhr

  • Busshuttle bis 23 Uhr

Der Eintritt ist frei.

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