Die Rechnung geht auf. Der Stuttgarter Alt-OB Wolfgang Schuster (CDU) kommt eigens nach Friedrichshafen, um im Streit um die Zeppelin-Stiftung zu vermitteln. Das Medieninteresse ist groß, der Platz gut gewählt. Das „Haus am Bodensee“ gehört der Stiftung.

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Vom Geldsegen einer der größten Industriestiftungen für die Stadt hatte er schon als Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd – ein Standort von ZF – vor rund 30 Jahren Kenntnis. „Wir haben den Oberbürgermeister von Friedrichshafen immer beneidet um die Möglichkeiten der Stiftung“, gab er am Freitagvormittag unumwunden zu.

Stadtoberen erst einmal die Leviten gelesen

Heute liest er den Stadtoberen erst einmal die Leviten. Die Stadt habe 1957 per Satzungsänderung mit dem Stifterwillen gebrochen. Statt die Gelder ausschließlich für mildtätige Zwecke – auch über die Häfler Stadtgrenzen hinaus – auszugeben, würden seither mit den Dividenden der Stiftungsbetriebe unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit kommunale Aufgaben finanziert. Das sei „weder moralisch noch rechtlich in Ordnung“, sagte Schuster, der sogar das Wort Untreue in den Mund nahm.

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In die Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Land, der Stifterfamilie und der Stadt wolle er sich nicht einmischen. Und auch die „privaten Vermögensinteressen“ von Albrecht von Brandenstein-Zeppelin interessierten ihn nicht. Und doch ließ sich Wolfgang Schuster vom Urenkel des Stiftungsgründers engagieren, um abseits der Gerichte zu vermitteln. Schuster sieht sich als Brückenbauer in diesem Konflikt.

Cluster für Luft- und Raumfahrt schaffen

Statt jahrelang Anwälte zu beschäftigen, könne der Gemeinderat morgen den Stiftungszweck so ändern, dass er wieder dem Willen des Luftschiffpioniers von einst entspreche. Sein Konzept: Mit den Geldern der Stiftung könne in Friedrichshafen ein Cluster für Luft- und Raumfahrt entstehen – eine „historische Chance“ auch für den Stiftungskonzern ZF, der sich in der schwierigen Transformation vom Autozulieferer zum Mobilitätskonzern neu erfinden muss.

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Die Stiftungsgelder könnten schrittweise für die neuen Aufgaben umgeschichtet werden, um radikale Einschnitte für die Stadt zu vermeiden. „Die Zukunft der Zeppelin-Stiftung ist keine Privatsache der Stifterfamilie, sondern eine öffentliche Angelegenheit“, erklärte Wolfgang Schuster gestern.

OB Brand sieht keinen Gesprächsbedarf

Im Rathaus sieht man das offenbar anders. Seine Versuche, mit OB Andreas Brand darüber zu sprechen, wurden abgelehnt, sagt er. Auf seine Briefe habe Brand „lapidar“ geantwortet, dass es für Gespräche keine Grundlage gebe. Ob die Gemeinderäte, die Schuster nun angeschrieben hat, auf seine Ideen eingehen, bleibt abzuwarten.