Stunden können unerträglich lange dauern. Diese Erfahrung hat Familie Kaufmann aus Bayern vor wenigen Tagen in Friedrichshafen gemacht. Ihr Tagesausflug an den See sollte am vergangenen Donnerstag eigentlich eine kurzweilige Angelegenheit werden. Während eines Besuchs im Zeppelin Museum war die vierjährige Tochter Laura jedoch plötzlich spurlos verschwunden.

"Fürchterliche Angst, dass mit ihr etwas passiert sein könnte"

"Plötzlich wurde der unbeschwerte Ferienausflugstag für uns zum Albtraum", beschreibt die Familie in einer E-Mail. "Wir suchten im gesamten Museum und in der Umgebung nach ihr und fanden sie nirgendwo. Wir bekamen fürchterliche Angst, dass mit ihr etwas passiert sein könnte."

Angst und Befürchtungen, die auch die Mitarbeiterinnen des Zeppelin Museums bewegte, als diese die Polizei informierten und sich ebenfalls auf die Suche nach Laura machten. Keine Schranktür im Museum sei dabei geschlossen geblieben, erzählen sie, kein Winkel unbeachtet. Rasch wurde der Suchradius ausgeweitet. Während auch die Innenstadt durchkämmt wurde, gab es nicht nur im Museum Durchsagen, sondern auch in einem benachbarten Bekleidungsgeschäft.

Da war Laura bereits am anderen Ende der Uferpromenade

Mira Weber, die seit rund zwei Wochen in Friedrichshafen lebt, ist derweil mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zum Zeppelin Museum. Die junge Frau aus Freiburg will an der Zeppelin-Universität (ZU) ihren Master machen. Der Museumsbesuch gehört in jener Woche zu dem Programm, mit dem die ZU die Neuankömmlinge begrüßt. In der Nähe der Olgastraße fällt Weber ein kleines Mädchen am Straßenrand auf.

Die Studentin spricht das Kind an, kann der Kleinen jedoch nicht viel mehr entlocken, als dass sie zu ihrer Mama will und Laura heißt. Auf Webers Vermutung, dass das Mädchen vom Spielplatz an der Uferpromenade aus gekommen sein könnte, reagiert Laura aber zustimmend, sodass sich beide auf den Weg zum Lammgarten machen. Vom Spielplatz aus informiert Mira Weber schließlich die Polizei.

Ein Team, das sich nicht nur für Aufsicht und Kasse verantwortlich fühlt

"Das Schlimme waren die Gedanken, die uns durch den Kopf gingen", berichtet Annette Pomesny, Oberaufsicht im Zeppelin Museum, von der Suche. Sie schildert auch, wie Lauras achtjähriger Bruder außer sich vor Sorge war. Viele der Frauen, die sich am Dienstagmorgen darauf in einem Nebenraum des Museums versammelt haben, sind selbst Mütter. Erzählungen von Momenten, in denen sie auf der Suche nach einem ihrer eigenen Kinder waren, werden ausgetauscht. Von Momenten, aus denen Eltern-Albträume gemacht sind.

Museumsdirektorin Claudia Emmert hat ihre Mitarbeiterinnen an diesem Dienstagmorgen zusammengeholt und auch Mira Weber sowie Clemens Horn, studentischer Senator der ZU, eingeladen. Sie will darauf aufmerksam machen und würdigen, was in dem Museum, in im vergangenen Jahr um die 250 000 Besucher ein- und ausgingen, geleistet wird – von medizinischen Notfällen bis zu verschwundenen Kindern. Nach jenem Donnerstag, an dem es nahezu zeitgleich einen medizinischen Notfall im Kollegenkreis gab und ein Kind verschwand, will sie Claudia Emmert Danke sagen: "Es ist toll, wie alle hier reagiert haben", fasst sie zusammen. "Ich bin stolz darauf, so ein tolles Team zu haben."

Am Dienstag bedankten sich Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museums, und Clemens Horn, studentischer Senator der Zeppelin Universität, bei den Mitarbeiterinnen des Museums und Studentin Mira Weber. Im Bild von links: Mira Weber, Annette Pomesny (Oberaufsicht, Zeppelin Museum), Elisabeth Schmidt (Aufsicht), Elfriede Ludwig (Aufsicht), Ingrid Müller (Kasse), Ursula Eibler (Kasse), Clemens Horn, Charlotte Ickler (Volontärin Diskurs & Öffentlichkeit) und Claudia Emmert.
Am Dienstag bedankten sich Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museums, und Clemens Horn, studentischer Senator der Zeppelin Universität, bei den Mitarbeiterinnen des Museums und Studentin Mira Weber. Im Bild von links: Mira Weber, Annette Pomesny (Oberaufsicht, Zeppelin Museum), Elisabeth Schmidt (Aufsicht), Elfriede Ludwig (Aufsicht), Ingrid Müller (Kasse), Ursula Eibler (Kasse), Clemens Horn, Charlotte Ickler (Volontärin Diskurs & Öffentlichkeit) und Claudia Emmert. | Bild: Christina Bömelburg

Mit Worten des Dankes, unter anderem an die "engagierten und einfühlsamen Mitarbeiter des Museums" endet auch die E-Mail von Familie Kaufmann, welche die für sie vielleicht längsten Stunden noch einmal Revue passieren ließ. "Vermutlich hat Laura im Treppenhaus des Museums ihre Mutter kurz aus den Augen verloren und angenommen, dass diese bereits hinaus gegangen ist, so dass sie auch das Museum verließ", wird darin vermutet. Nach rund eineinhalb Stunden sei die erlösende Nachricht eingetroffen: Laura wurde gefunden. Vom Spielplatz aus wurde die Vierjährige in einem Streifenwagen zurück zum Zeppelin Museum gebracht.

So tief der Schock bei allen Beteiligten saß, so viel Eindruck scheint auch jenes glückliche Ende bei der Vierjährigen hinterlassen zu haben. "Laura hat nach dieser Erfahrung auf der Heimfahrt geäußert, einmal Polizistin werden zu wollen", schreibt ihr Vater. "Dann könne sie Kindern helfen, wie ihr gestern die Polizei geholfen hat."