Klimaneutrale Flüge auf regionalen Linien? Das klingt im Jahr 2017 noch sehr futuristisch. Doch Konzepte dafür gibt es bereits. Und mit Siemens und Airbus stecken auch zwei große, kapitalstarke Industriekonzerne dahinter. Das europäische Luftfahrtunternehmen und der Münchner Technologiekonzern entwickeln zurzeit gemeinsam hybrid-elektrische Antriebe.

Die Rekord-Leistung gibt der neue Motor bereits bei einer Drehzahl von nur 2.500 Umdrehungen pro Minute ab und kann somit einen Propeller direkt, ganz ohne Getriebe, antreiben. Damit seien seriell-hybride Elektroflugzeuge mit vier oder mehr Sitzen möglich, sagt Dr. Frank Anton, Leiter eAircraft bei der zentralen Siemens-Forschung Corporate Technology. Since the new motor delivers its record-setting performance at rotational speeds of just 2,500 revolutions per minute, it can drive propellers directly, without the use of a transmission. "This innovation will make it possible to build series hybrid-electric aircraft with four or more seats," said Frank Anton, Head of eAircraft at Siemens Corporate Technology, the company's central research unit.
Die Rekord-Leistung gibt der neue Motor bereits bei einer Drehzahl von nur 2.500 Umdrehungen pro Minute ab und kann somit einen Propeller direkt, ganz ohne Getriebe, antreiben. Damit seien seriell-hybride Elektroflugzeuge mit vier oder mehr Sitzen möglich, sagt Dr. Frank Anton, Leiter eAircraft bei der zentralen Siemens-Forschung Corporate Technology. Since the new motor delivers its record-setting performance at rotational speeds of just 2,500 revolutions per minute, it can drive propellers directly, without the use of a transmission. "This innovation will make it possible to build series hybrid-electric aircraft with four or more seats," said Frank Anton, Head of eAircraft at Siemens Corporate Technology, the company's central research unit. | Bild: Jan Greune

Frank Anton, verantwortlicher Siemens-Manager, geht davon aus, dass ab 2030 Flugzeuge mit solchen Antrieben im Regionalverkehr unterwegs sein werden. Im Rahmen eines Branchengesprächs am Mittwoch auf der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen sagte er, dass solche Flugzeuge für 50 bis 100 Passagiere und Distanzen zwischen 500 bis 1000 Kilometern ausgelegt werden könnten. Kerosin, bisher üblicher Flugtreibstoff, werde nur für den Start und die Steigphase benötigt.

"Der Energieverbrauch lässt sich bei einem Flugzeug besser berechnen als bei einem Auto," fügte er hinzu. Ab 2020 würden solche hybrid-elektrischen Antriebe getestet. Vorgesehen sind zunächst Motoren mit einem Leistungsvermögen von 100 Kilowatt. Antriebe mit einem Leistungsvermögen von vier sowie von zehn bis 20 Megawatt sollen folgen, sagte Anton. Keine Antwort gab er auf die Frage dieser Zeitung, wie viel Geld Siemens zurzeit in dieses Projekt investiert.

In den Konzepten von Siemens und Airbus, die es seit einem Jahr gibt, wird nicht ganz auf Kerosin als Treibstoff verzichtet. So wäre das Ziel eines umweltfreundlichen Fluges nur teilweise erreicht. Hier kommt das Bonner Experten-Netzwerk IASA ins Spiel. Der gemeinnützige Verband versteht sich als Plattform für eine wirtschaftlich erfolgreiche und ökologische Luftfahrt. Rolf Dörpinghaus von der IASA erklärte auf der Aero, mit synthetischen Treibstoffen, die dank erneuerbarer Energien gewonnen werden, sei CO2-neutrales Fliegen möglich.

Das Netzwerk nutzt die Luftfahrtmesse am Bodensee, um für das Konzept zu werben, synthetische, am Markt wettbewerbsfähige Treibstoffe aus Ökostrom, Wasser und CO2 zu erzeugen. Wegen des relativ günstigen Ölpreises seien die Marktbedingungen für das Projekt zurzeit schlecht, sagte Dörpinghaus. Doch er ist sich sicher, dass das Konzept zukunftsfähig ist. Zum einen müssten bis zum Jahr 2050 weltweit 95 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden. Zum anderen könnte mit dem IASA-Konzept die Treibstoffversorgung dezentralisiert werden.

Nach Angaben von Dörpinghaus würde eine Anlage in Container-Größe für einen Regionalflughafen genügen. Nach seinen Angaben werden zurzeit alle deutschen Flughäfen von einer einzigen großen Raffinerie in Köln mit Kerosin versorgt.

Siemens hat mit einer Maschine des Typs "Extra 330LE" bereits ein Kleinflugzeug entwickelt, dass nur mit einem Elektromotor angetrieben wird – der Kunstflieger ist auch auf der Aero zu sehen. Den Erstflug absolvierte eine solche Maschine im Juni vergangenen Jahres. Nach Siemens-Angaben liefert der E-Motor fünfmal so viel Energie wie vergleichbare Antriebe. Einmalig wird es am Samstag, 8. April, anlässlich der 25. Aero eine Flugschau geben, in der auch Maschinen mit Elektroantrieb zu sehen sein werden. Die Aero ist nach Angaben der Messe Friedrichshafen GmbH, die größte Messe für Allgemeine Luftfahrt in Europa.

Bisher spielen auf dem Markt mit Geschäftsflugzeugen Elektro- oder Hybrid-Antriebe keine Rolle. Dies sagte Nicolas von Mende, Chef der Atlas Air Service AG. Mit 70 Prozent beziffert er den Anteil seines Unternehmens am Markt mit Geschäftsjets. Im vergangenen Jahr war dieser deutlich eingebrochen. Verkaufte Atlas Air Service im Schnitt jährlich 750 Jets, waren es 2016 nur 650 gewesen. In diesem Jahr sei das Interesse der Käufer noch verhalten, für 2018 erwartet er ein Auftragsplus. Die Brexit-Entscheidung und die Wahl des US-Präsidenten führte er als Gründe für die Kaufzurückhaltung an. "Der Kauf eines Geschäftsjets ist auch eine emotionale Entscheidung", fügte er hinzu.

Aero

Mit 707 Ausstellern aus 39 Ländern erreicht die Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen das bisher beste Ergebnis ihrer Geschichte. Geöffnet ist die Messe bis einschließlich Samstag, 8. April. Um 9 Uhr werden die Messehallen geöffnet, um 18 Uhr geschlossen – am Samstag um 17 Uhr. Eine Tageskarte kostet 20 Euro – online 18 Euro. Für einen Parkplatz sind fünf Euro zu bezahlen. Schüler und Studenten kommen für fünf Euro (an der Tageskasse) rein. Kinder und Jugendliche (bis einschließlich 16) müssen keinen Eintritt zahlen. (dim)