27 Titel in 19 Jahren beim VfB Friedrichshafen: "Dieses Kapitel ist dein Meisterstück geworden." Christian Moculescu, Sohn des erfolgreichsten Volleyballtrainers in Deutschland und Europa, fasste in der nüchternen Quote von 1,24 Titeln pro Jahr beim VfB zusammen, was Stelian Moculescu am Bodensee erreicht hat. Aus einem Klub, der vor seinem "Amtsantritt" 1997 der ewige Zweite war, formte er den heutigen Rekordmeister, auch wenn seine letzte Saison "nur" mit der Vizemeisterschaft endete.

Es waren vor allem diese emotionalen Momente, als Familie, Freunde und langjährige Weggefährten über Stelu plauderten und seine Karriere Revue passieren ließen, die diese Abschiedsgala im VIP-Bereich der ZF-Arena zu einem denkwürdigen Abend machten. Mit rund 150 geladenen Gästen feierte der 66-Jährige am Dienstag bis spät in die Nacht das "Ende einer glanzvollen Ära", wie Josef Dietenberger von Großsponsor ZF sagte. So wie VfB-Kapitän Simon Tischer, der 2004 nach eigener Einschätzung als nicht besonders guter Spieler erstmals einen Vertrag beim VfB unterschrieb. Viele junge Volleyballer habe Stelu zu Top-Spielern geformt, die international Karriere gemacht haben. "Was sagt man einem Trainer, dem man alles zu verdanken hat? Ein Danke ist nicht genug", sagte Simon Tischer sichtlich bewegt, unterstrichen von stehenden Ovationen der Festgäste.

"Gewinnen oder nix" war das Motto jenes Mannes, der als Spieler und in 40 Trainerjahren insgesamt 51 Titel geholt hat und ein schlechter Verlierer war. Heribert Hierholzer von Sponsor Zeppelin GmbH verglich die "ausgeprägten menschlichen Eigenschaften" Stelian Moculescus, der als König des deutschen Volleyballs abtritt, lieber mit der Caterpillar-Königin, einem stolzen Bulldozer: bei der Arbeit hochexplosiv, emotionsbetont im Einsatz, kaum aufzuhalten, wenn sie volle Fahrt aufgenommen hat. "Sie schlägt in ihrem Wirken alle Rekorde und ist über Jahrzehnte Garant für Erfolg", so Hierholzer zum "kraftvollen Arbeitstier" Moculescu, der in der Lage war, Berge zu versetzen. Die Zeppeliner verneigten sich mit Respekt für eine beeindruckende Lebensleistung.

Diesen Wünschen schloss sich auch VfB-Präsident Wunibald Wösle an, der den Trainer vor 19 Jahren mit an den Bodensee geholt hatte – nach vereinsinternen Diskussionen, ob man mit diesem Charakterkopf und seinen Forderungen nach Professionalisierung mithalten kann. "Ich bin stolz darauf, dass sich die Befürworter durchgesetzt haben." Unter seiner sportlichen Führung sei der VfB zu dem geworden, was er heute ist: ein anerkannter Ausbildungsverein für Europas beste Spieler. Oberbürgermeister Andreas Brand verglich den VfB gar mit dem FC Bayern. "Was der FCB für München ist, ist der VfB für Friedrichshafen", ein Aushängeschild eben. Brand dankte für ein streitbares Miteinander in der Sache mit einem Mann, der die klare Ansage einer diplomatischen Ansprache vorzog, aber bei dem man immer wusste, woran man war.

Nach vielen Anekdoten aus seiner Karriere gab Stelian Moculescu selbst zum Besten, er habe an seinem ersten Rententag schon zuhause in der Küche Essen geschnippelt. Ganz so stelle er sich seinen Ruhestand dann doch nicht vor, bekannte er feixend. Mancher Weggefährte will ohnehin nicht glauben, dass das Kapitel Volleyball für ihn wirklich beendet ist.

Große Karriere

Volleyballtrainer Stelian Moculescu hatte im März überraschend angekündigt, seine erfolgreiche Karriere nach Abschluss der Saison zu beenden. "Ich habe immer auf mein Bauchgefühl gehört", begründete der Coach da seine Entscheidung. Erst im Januar hatte er sein 40-jähriges Trainerjubiläum gefeiert.

Sein größter sportlicher Erfolg war der Champions-League-Titel 2007. Mit dem VfB holte er zudem je 13 deutsche Meistertitel und Pokalsiege. Der am vergangenen Freitag 66 Jahre alt gewordene Wahl-Langenargener ist seit 1997 am Bodensee und will auch im Ruhestand hier bleiben. (kck)