Tief traurig und immer noch fassungslos über seinen plötzlichen, tragischen Tod nahmen am Freitagvormittag über 250 Menschen in der Kirche St. Petrus Canisius Abschied von Josef Wund. Der Architekt und Unternehmer aus Friedrichshafen wurde drei Tage nach seinem 79. Geburtstag bei einem Flugzeugabsturz nahe Waldburg aus seinem noch immer arbeitsreichen Leben gerissen. Einen Tag nach der Beisetzung im engsten Familienkreis waren Freunde und Wegbegleiter, Geschäftspartner, Mitarbeiter sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft aus dem gesamten süddeutschen Raum zur Trauerfeier gekommen.

"Wir verneigen uns mit Schmerz, Respekt und Dankbarkeit vor Josef Wund", sagte Christoph Palm, ehemaliger Oberbürgermeister von Fellbach, in seinem Nachruf. Palm ist seit März Geschäftsführer der Josef-Wund-Stiftung, die der "Bäderkönig" mit dem Ziel gegründet hat, auf diesem Weg seine Unternehmensnachfolge zu regeln und die Allgemeinheit an seinem wirtschaftlichen Erfolg teilhaben zu lassen. "Alles, was er wusste und besaß, war hart erarbeitet. Geschenkt wurde ihm nichts", so Palm. Vom Maurer über den Architekten bis zum Firmenlenker brachte es der einst mittellose, dafür umso ideenreichere Häfler, dessen Unternehmertum mit 27 Jahren mit dem Bauauftrag für die neue Messe Friedrichshafen begann. Heute hat die Unternehmensgruppe Wund rund 1500 Mitarbeiter. Begründet in seiner Biografie, soll die Josef Wund Stiftung vor allem Talenten helfen, die mit Leistungswillen aus ihrem Leben für sich und andere das Beste machen wollen. So, wie er es sich zur Lebensmaxime gemacht hatte.

Christoph Palm zeichnete das Bild eines Mannes, der mit großem Durchsetzungsvermögen seine Pläne verfolgte. "Wenn andere die Flinte ins Korn warfen, war das für ihn häufig der Startschuss." Er habe Großartiges geleistet, sein Sohn Jörg oft an der Seite. Der passionierte Bergsteiger habe dabei weder sich noch andere geschont. Konsequenz und Geradlinigkeit hätte man ihm als Härte auslegen können, doch "er war zu niemandem härter als zu sich selbst." Dabei war nie persönlicher Ruhm oder Ehr' Antrieb für Josef Wund, der die Menschen an seiner Seite mochte, doch das Blitzlicht der Öffentlichkeit scheute.

Mit seiner visionären Tatkraft habe Josef Wund die Bäderkultur und -geschichte in Deutschland maßgeblich geprägt, beleuchtete Uwe Barth den "Bäderkönig". Die Therme Erding, dessen Prokurist er ist, war Josef Wunds erstes, großes Thermeprojekt. Heute gehören fünf Bäder zur Thermenfamilie hierzulande, die fünf Millionen Gäste jährlich zählen. Er habe nie auf das Geschaffene zurückgeschaut, sondern immer in die Zukunft. Erst vor einem halben Jahr gab die Unternehmensgruppe bekannt, dass die Badewelt Sinsheim um das Vierfache wachsen und in Bad Vilbel eine neue Therme entstehen soll – mit einem Investitionsvolumen von 700 Millionen Euro für beide Projekte.

Josef Wund habe es gehalten wie der Chefingenieur der Golden Gate Bridge. Befragt, warum er mit diesem Jahrhundertprojekt erfolgreich war, sagte Joseph Strauss einst: weil ich keine kleinen Pläne mache. "Dieser Satz hätte von Josef Wund stammen können", so Christoph Palm.

Josef Wund Stiftung

Mit dem Tod von Josef Wund gehen seine Bäder und ihre Betriebsgesellschaften in die „Josef Wund Stiftung gemeinnützige GmbH“ über, die in Stuttgart ihren Sitz hat und deren Geschäftsführer Christoph Palm ist. Dazu gehören die Thermen in Erding, Bad Wörishofen, Titisee, Sinsheim und Euskirchen. So hat es der Unternehmer zu Lebzeiten und in Abstimmung mit seiner Familie verfügt. Erklärter Stifterwille ist, dass alle Bäder langfristig erhalten bleiben. Aus den Gewinnen der Gesellschaften, die der Stiftung zufließen, sollen vor allem Projekte und Talente in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Kreativität gefördert werden – und dies vorzugsweise dort, wo Josef Wund selbst wirkte, also am Bodensee, in Schwarzwald, aber auch in München oder Köln. (kck)