„Heben Sie mit den Zeppelin-Geschichten ab! Auch im Lesen kann die Freiheit grenzenlos sein!” Sichtlich begeistert begrüßt Verleger Hubert Klöpfer die „im Kiesel versammelte Zeppelingemeinde” zur „literarischen Luftschiffsoiree”. Am 20. Februar 2017 – in Erinnerung an Ferdinand Graf von Zeppelins 100. Todestag am 8. März 2017 – erschien im Verlag Klöpfer & Meyer Tübingen die Anthologie „Spazierfahrt in der Luft – Literarische Zeppelinaden”, herausgegeben von Franz Hoben. Normalerweise ist er es, der im Kiesel und Autoren begrüßt und vorstellt. Diesmal ist es anders. Liebevoll erzählt Klöpfer dem Publikum von der Entstehung des Buches wie von der Zeugung und Geburt eines Kindes. Nun habe es, „416,5 Gramm schwer, innerlich und äußerlich gesund” die Bücherwelt erblickt. „Möge es sich beharrlich lange im Bücherbeet halten!”, wünscht Klöpfer. Seine vor Geist und Witz sprühende Ansprache verleiht der Buchpremiere etwas Einzigartiges. Tatsächlich ist die „Spazierfahrt in der Luft” eine faszinierende, deutschland- und europaweit einzigartige, literatur- und kulturgeschichtliche Sammlung von Geschichten und Gedichten über den "Big Zeppelin".

Den Herausgeber Franz Hoben beschreibt Klöpfer als „Literaturmensch durch und durch” und als „den literarischen Zeppelinkenner im Land schlechthin”. Hoben prägt als stellvertretender Leiter des Kulturbüros Friedrichshafen seit vielen Jahren aktiv das kulturelle Leben seiner Stadt. Er ist Geschäftsführer der Literaturstiftung Oberschwaben und Mitherausgeber der fünfbändigen Maria Beig-Gesamtausgabe. 1956 in Ailingen geboren, studierte er Literaturwissenschaften, Mediävistik und Sprachwissenschaften. Die Literatur lässt Hoben auch in seiner Freizeit nicht los. Wäre es anders, gäbe es diese Anthologie nicht. Bürgermeister Andreas Köster unterstreicht Hobens privates Engagement und leidenschaftliche Recherchearbeit. Zudem sei die Buchpremiere ein „schöner Abschluss der Gedenkwoche”.

Während der Lesung führt Hoben in die einzelnen Texte ein, die der Schauspieler Christian Harting professionell liest. Bereits 2013 spielte Harting in einer anlässlich des 175. Zeppelin-Jubiläums gedrehten Filmsequenz den Vater der Zeppelinkinder. Internationale Beachtung erlangte er in der Rolle des SS-Offiziers Busch in „Son of Saul”, der 2016 den Oskar für den besten ausländischen Film und 2015 den großen Preis der Jury in Cannes erhielt.

Die Zeppelin-Lesung im Kiesel beginnt mit Webb Millers Reportage „Zwei siebenundzwanzigstündige Tage”. Am 6. Mai 1936 startete der LZ 129 zum ersten Linienflug über den Nordatlantik nach New York. Für den Unitedpress-Journalisten war es die erste Erfahrung mit einem Luftschiff, die er in seiner Reportage detailliert schilderte. Es ist „der einzige Text mit so vielen technischen Details”, sagt Hoben anschließend. Miller beschreibt die Stimmung und die Tage an Bord, den Zeppelin selbst und das „merkwürdige Gefühl der Verwirrung”, das er angesichts der kurzen Reisedauer bei der Ankunft in Amerika empfand.

„Ganz England soll brennen”, zitiert Hoben Graf Zeppelin. Wie viele Erfindungen wurde auch der Zeppelin nicht nur zum Guten eingesetzt. Harting liest Texte von D. H. Lawrence, Marlene Dietrich und Rolf Hochhuth, allesamt Zeugnisse der Schrecknisse des Krieges. Ganz anders Hermann Hesses „Spazierfahrt in der Luft” mit dem Luftschiff Schwaben im Jahr 1911. Detailliert schildert er die „tausend Freuden” der Fahrt, das „wohlige Dahinschweben”, die erschrockenen Reaktionen der Tiere und die viel zu frühe Rückkehr nach zwei Stunden.

„Riesenhaft ist gar kein Ausdruck. Es nimmt kein Ende”: Markant beschreibt Walter Kempowski in „Schöne Aussicht” die Ausmaße des damaligen Zeppelins und die Aufregung der Bevölkerung, als dieser über Rostock fährt. Leadbellys Blues „The Hindenburg Desaster” beschließt den Abend. Insgesamt 49 Texte hat Hoben in die Anthologie aufgenommen. Grund genug, der Empfehlung des heiligen Benedikt für die hohe Fastenzeit zu folgen: „In der Fastenzeit lese jeder und jede mindestens ein gutes Buch!”