Es ist kurz nach 22 Uhr, da kippt die Stimmung im Graf-Zeppelin-Haus. Und zwar von verhalten-fröhlich, schwäbisch-aufgeräumt im Sitzen mitklatschend, zu "Das sind die Siebziger, Baby! Lass uns feiern!" Die ersten Reihen lösen sich auf, plötzlich stehen Dutzende Zuschauer vor der Bühne, tanzen wild, singen, lachen. Aus den hinteren Reihen laufen immer mehr Zuschauer nach vorn, vor die Bühne. Manche Hüfte schwingt nicht mehr ganz so geschmeidig wie vor gut 40 Jahren. Aber das ist vollkommen nebensächlich.

Die Szenen, die sich gegen Ende von "Thank you for the music – Die ABBA Story" im Häfler Graf-Zeppelin-Haus abspielen, sind rührend. Das Finale mit "Dancing Queen" und eben jenem "Thank you for the music" zeigt, dass in vielen schwäbischen Rentnern mehr Disco steckt, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Das Publikum der Show-Produktion von "Stars in Concert" ist größtenteils jenseits der 60 – natürlich, denn wer heute 65 ist, war 1974 – im Jahr des Durchbruchs von Abba – 21 Jahre alt. Die Musicaldarsteller verkörpern Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny so gut, dass der Abend für viele eine Zeitreise wird. Denn sie saßen damals vor dem Fernseher, als die vier Schweden mit den verrückten Klamotten völlig überraschend den Grand Prix d'Eurovision in Brighton gewannen.

Benny und Agnetha auf der Bühne.
Benny und Agnetha auf der Bühne. | Bild: Julia Blust

Die Kostüme tragen ganz wesentlich dazu bei, dass das hier nicht nur nach Abba klingt – alles live, übrigens – sondern vor allen danach aussieht. Agnethas blaue Häkelkappe, die glänzenden, hautengen Hosen, goldene Schals, Hotpants, Overknee-Stiefel mit Plateau-Absätzen. Neben viel Musik haben die Macher auch die Geschichte der Band in das Musical verpackt, für den roten Faden aus Information sorgt Uwe Hübner als Erzähler. Die Pointen des früheren ZDF-Hitparade-Moderators zünden nicht immer, trotzdem richtet er keinen Schaden an. Das Bühnenbild kringelt, glitzert, funkelt und leuchtet Seventies-gerecht, die Einspieler auf der Leinwand tun ihr übriges. Da sind parallel zum Bühnengeschehen dann immer wieder die echten Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny zu sehen, hier und da mal ein Kinderfoto, ein Zeitungsausschnitt. Das Konzept ist funktional, wenn auch nicht bestechend charmant.

Anni-Frid und Agnetha.
Anni-Frid und Agnetha. | Bild: Julia Blust

Was zündet, ist am Ende aber die Musik. Alles andere ist Beiwerk, das glitzert. Für entrückt lächelnde Zuschauer aber sorgen die Lieder. Und so schön die Kostüme, die Darsteller mit solider musikalischer Leistung und sichtlich Spaß an der Sache anzusehen sind: Man möchte sich gern umdrehen und nur die Menschen hier im Publikum anschauen. Die reine Freude in den Gesichtern, vollkommene Losgelöstheit.