Äußerst agil und fidel springt das Sextett F.I.T.A auf die Bühne und wird diesen athletischen Schwung über zweieinhalb Stunden beibehalten. Die Mitglieder der Häfler A-cappella-Band sind beflügelt. Mit Inspiration und vor allem ausgeprägtem Witz lassen sie die Rotachhalle aufleben.

Einen ersten Höhepunkt gibt es bereits am Anfang ihres Auftritts, zusammen mit dem für „Keep on Running“ und „Mercedes Benz“ reaktivierten „Bandgründer“ Christian Bittner. Als einer der am meisten beeindruckenden Künstler zeigt sich früh mit Hendrik Wocher ein anderer. Ungläubig kann man beobachten, wie er in scheinbar aller Seelenruhe, geradezu stoisch, das Bass-Fundament setzt. Und somit selten im Solo zu hören, aber doch unentbehrlich und tonangebend ist. Es klingt, als stünde er tatsächlich mit einem Instrument auf der Bühne. Er ist es auch, der die meisten der gecoverten F.I.T.A-Songs arrangiert.

Im Vordergrund stehen, in teilweise ausgesprochen hoher Stimmlage, überwiegend Elmar Erhart und Mathias Hager. Geradezu in Ekstase sind sie bei einem Part aus dem Musical „König der Löwen“. Im Sinne von „hakuna matata“, auf Suaheli in etwa „es gibt keine Probleme“, steht der weitere Abend. Dieser erfährt vor allem im zweiten Teil eine Steigerung nach der anderen.

Welch breites Repertoire F.I.T.A. anzubieten haben, wird offenkundig, als sie „One Love“ von Bob Marley interpretieren. „Let’s get together and feel all right“ kommt hier bei den tanzenden Zuhörern definitiv an. Mit Inbrunst ist die geradezu überfüllte Rotachhalle auch bei „Chöre“ von Mark Forster dabei. In scheinbarer Endlosigkeit lässt das Publikum diesen Song verklingen.

Schwierigkeiten in gemeinsamer Abstimmung der Darbietung des Sextetts sind dabei überwunden. Tonale Komplikationen gibt es eher in der Mitte des ersten Sets, zum Beispiel beim heiklen „Love of my Life“ von Queen. Bedingt auch durch die für solche Songs nicht prädestinierte und ungewohnte Rotachhalle. Erschwerend beim Einstimmen mag der beständig hohe Unterhaltungspegel im Publikum hinzukommen.

Die Vielseitigkeit der einzelnen Sänger zeigt sich immer wieder. Auch diejenigen, die eher in der Begleitung zu hören sind, wie Achim Hildebrand, bestehen ohne Weiteres, wenn sie in den Vordergrund treten. Ebenso Michael Winstel: In der Tonlage meist etwas über Bass Hendrik Wocher, nimmt man ihn oft nicht direkt wahr. Erst wenn man die Augen schließt und die Mehrstimmigkeit vollkommen auf sich wirken lässt, wird deutlich, wie sich sein Part bereichernd und nicht verzichtbar auf die Gesamtpräsentation auswirkt. Das universelle Talent von Martin Reinhart gelangt unter anderem bei „Tears from the Stars“ von Sting, als er den Lead-Gesang und den Piano-Part übernimmt, zur vollen Entfaltung.

Der Abend hatte tiefgründig mit der Band „Acoustic Affair“ begonnen. Mit dunkler und warmer Stimme sowie Ausdruck gelingt es Caroline Wetzel, die Konzertbesucher aufzutauen. Stets lässt sie Raum zur Entfaltung von Saxofon, Piano und Schlagwerk. Zentriert ist der Auftritt von „Acoustic Affair“ um das Thema Freundschaft und Verbundenheit, mit all den schönen wie mitunter kräftezehrenden Begleiterscheinungen.

Freundschaftlich endet der Abend in der Ailinger Rotachhalle dann auch: Nachdem sich im zweiten Set von F.I.T.A bereits peu à peu weitere Musiker auf die Bühne gesellten, stehen dort zu den letzten beiden Songs 16 Leute. Abgesehen vom fulminanten Gesamtvolumen überbieten sich die Künstler in den Soloeinlagen gegenseitig. Ob an der schier ins Unermessliche gequälten Posaune oder mit den ausgeprägten E-Gitarrenriffs: Jeder scheint unbändige Freude zu haben, alles zu geben. Das komplett stehende Publikum dankt es den Musikern gebührend.