Samstagnacht warteten gut 15 Autos und mindestens 30 Leute mit Kisten, Käfigen und Boxen auf einen Hühner-Transport aus dem Breisgau. Die meisten hatten im SÜDKURIER gelesen, dass 400 Hühner aus einem Legebetrieb gerettet werden sollen und ein neues Zuhause suchen. Alle hatten sich vorab angemeldet und mitgeteilt, wie viele Hühner sie aufnehmen können.

Tierfreunde wollen Hühner aufnehmen

Am Ende kamen 14 Abnehmer für 128 Hühner zusammen. Unter den Wartenden war auch Nic Dilger aus Tettnang. Der 17-Jährige ist mit Federvieh aller Art aufgewachsen und hat sogar eine eigene kleine Hühnerfarm mit 100 Tieren, aber Hühner aus der Tierrettung hatte auch er noch nie. Jetzt hat er einen separaten Stall und ein Gehege für 25 Adoptivhühner vorbereitet, damit die Tiere in Ruhe ankommen können.

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Furchtbare Zustände im Legebetrieb

Als Antje Herrfeld und ihre Tochter Lilly vom Verein „Rettet das Huhn“ mit ihrem weißen Kleintransporter auf dem Parkplatz beim Gartencenter Dehner ankommen, haben sie eine schlechte Nachricht: In der E-Mail vom Amtstierarzt war von 400 bis 600 beschlagnahmten Tieren die Rede gewesen, aber das Rettungsteam konnte nur noch 240 Hühner lebend ausstallen, der Rest war bereits verendet. „Es waren fürchterliche Zustände“, berichtet Antje Herrfeld. Der Bauer, dessen Hühner vom Veterinäramt beschlagnahmt worden waren, hatte seine Eier als „Bauer von nebenan“ auf dem Wochenmarkt feilgeboten, wie die Hühnerretter erfahren haben. 90 der geretteten Tiere kommen nun an den Bodensee.

Lilly Herrfeld ist mit neun Jahren eine der jüngsten Hühnerretterinnen, bei der Übergabe war sie für die Spendenkasse zuständig.
Lilly Herrfeld ist mit neun Jahren eine der jüngsten Hühnerretterinnen, bei der Übergabe war sie für die Spendenkasse zuständig. | Bild: Andrea Fritz

Verein „Rettet das Huhn„ verteilt die Tiere

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die meisten Tiere sind befiedert und bis auf Ballenabszesse relativ gut beieinander. „Die bekommen morgen früh alle ein Fußbad“, sagt Andrea Dilger, die angehende Heilpraktikerin ist, als ihr Sohn die Tiere in Empfang nimmt. Weil Nic sich auskennt, bekommt er zusätzlich das Huhn „Pflegi“ anvertraut, das besonders schwach ist.

Patrizia Kaduo und ihre Schwester Simone nehmen den einzigen Hahn, der stehenden Fußes „Carle“ getauft wird und vier Hühner mit nach Ahausen, wo bereits ein Sandbad, grünes Gras, Regenwürmer und eine weitere Hühnerschar auf die neuen Bewohner warten. Wie diese Schwestern sind die meisten Abholer Selbstversorger. Dass sie damit auf dem richtigen Weg sind, bestätigt sich einmal mehr.

Geschafft. Die Schwestern Simone und Patrizia Kaduo bringen Hahn „Carle“ und vier Hennen in ihr neues Zuhause nach Ahausen, wo sie ein Leben mit Regenwürmern und Gras erwartet.
Geschafft. Die Schwestern Simone und Patrizia Kaduo bringen Hahn „Carle“ und vier Hennen in ihr neues Zuhause nach Ahausen, wo sie ein Leben mit Regenwürmern und Gras erwartet. | Bild: Andrea Fritz

17-Jähriger adoptiert 25 Hühner

Nic Dilger strahlte am Ende. Er hat 25 Hühner bekommen, und wenn diese Eier legen sollten, so überlegt er, will er diese Eier separieren und gegen eine Spende für den Verein „Rettet das Huhn“ weitergeben.

Nic Dilger hat Huhn „Pflegi“ die erste Nacht im Haus behalten, damit er näher dran sei, wenn etwas wäre. Aber dem Huhn geht es gut, es habe in der Nacht das ganze Haus inspiziert, erzählt er.

Pflegehuhn „Pflegi“ ist noch schwach und hat Ballenabszesse, aber es inspizierte gleich nach der Ankunft, bei Nic Dilger in Tettnang, die Terrasse.
Pflegehuhn „Pflegi“ ist noch schwach und hat Ballenabszesse, aber es inspizierte gleich nach der Ankunft, bei Nic Dilger in Tettnang, die Terrasse. | Bild: Nic Dilger

Als er am Morgen nach seinen anderen Pfleglingen schauen wollte, waren von 24 Hennen nur noch fünf im Stall. Die anderen Neuankömmlinge waren ins andere Gehege zu Nics Hühnern geschlüpft und sich gleich am ersten Morgen bestens integriert. „Die legen sogar schon Eier“, erzählte Nic am Sonntagmorgen.

Er freut sich schon auf den Besuch von Antje Herrfeld und Lilly, denn sie wollen sich demnächst selbst ein Bild davon machen, wie es den geretteten Hühnern am Bodensee geht.