Das wird ein Abenteuer: Am 5. Mai geht es los in Richtung Jordanien. Sechs Männer aus Immenstaad, Tettnang und Grünkraut stellen sich der Rallye Europa-Orient und nehmen mit drei uralten, runderneuerten Mercedes Vito die Strecke von rund 7000 Kilometern unter die Räder.

Auf die Idee zur Teilnahme kamen Lars Schöckel und Arthur "Gonzo" Kratzer im vergangenen Jahr beim Start der Rallye in Oberstaufen. "Für uns beide war gleich klar – jetzt oder nie", erzählt Kratzer. Bis dahin hieß der Trip durch Türkei und Wüstensand noch Allgäu-Orient-Rallye. In diesem Jahr machte sie wegen ihres zunehmend internationalen Charakters mit rund 60 Teams den Sprung zur Europa-Orient-Rallye und startet in Straßburg. Nach Dietmar Sporer – sein Beiname ist "Gourmet-Koch" – sowie den Tettnangern Thomas Merath, zuständig für den Internet-Auftritt, und "Schrauber" Gerhard Brugger, gesellte sich Schreiner Andreas Blaich als letzter zum Team mit der Nummer 23. "Mein Entschluss fiel innerhalb von drei Stunden, quasi aus dem Bauch heraus", erzählt Blaich. Angemeldet hat sich der "Sixpack" unter dem Namen Low Budget Team. "Das heißt wir wollen mit so wenig Geld wie möglich so weit wie möglich kommen", sagt Team-Chef Lars Schöckel.

Nach der Anmeldung Anfang Juli 2017 hieß es Ärmel hochkrempeln. Zunächst galt es drei Fahrzeuge, die laut Rallye-Regeln entweder mindestens 20 Jahre alt sind oder den Wert von 1111 Euro nicht überschreiten, zu besorgen. Für die TÜV-Plakette und damit sie die tägliche Strecke zwischen 555 und 666 Kilometern schaffen, hat sich "Schrauber" Brugger – der Beruf des Kfz-Mechanikers mit eigener Werkstatt ist für das Team Gold wert – ins Zeug gelegt. Nun sind die Vitos so gerichtet, dass sie sich dank Innenausbau durch Schreiner Blaich nicht nur zum Fahren, sondern auch zum Schlafen eignen. Fast schade, dass sie nach der Rallye in Jordanien für einen guten Zweck in Einzelteile zerlegt und verkauft werden.

Die erste Probe haben die Fahrzeuge bereits bestanden: Am 3. März ging es zum Empfang in der Türkischen Botschaft nach Brüssel. Lediglich ein Fahrzeug blieb kurzfristig im Schwarzwald auf der Strecke liegen. Aber per Ferndiagnose löste Brugger das Problem mit der Wegfahrsperre. Zusammen mit ihren inzwischen von der Idee überzeugten Frauen und Kindern präsentierte sich das Low Budget Team in Brüssel unter den Augen der Veranstalter und der Konkurrenz mit seinem Song "Que sera, sera – what ever will be". Schließlich gewinnt das Sieger-Team ein echtes Kamel. "Für das nächste Krippenspiel", scherzt Blaich. Spaß beiseite – es bleibt in Jordanien und dient dort einer Familie als Starthilfe in ein besseres Leben. Unterwegs steuern die sechs Männer außerdem eine Sozialstation im bulgarischen Varna an, um gesammelte Rollstühle, Rollatoren und andere Hilfsmittel abzugeben. "Der gute Zweck spielt neben dem Spaß auch eine wichtige Rolle", berichtet Schöckel. Hinzu kommen einige Aufgaben, die es zu lösen gilt. Die erste haben die Männer schon geschafft: 1111 Kronkorken für ein Kunstobjekt in Israel sammeln.

Die Vorbereitungen haben die sechs Männer bereits gut zusammengeschweißt. Bis auf einen sind sie alle "Ü 50". "Also, worauf sollen wir noch warten?", meint Kratzer, schon gespannt, was unterwegs passieren wird. Mit Blick auf die Sicherheit, insbesondere entlang des syrischen Grenzgebiets, vertraut das Team auf die Organisatoren. "Wir glauben, dass wir viel mehr von der Gastfreundschaft und der Freundlichkeit der Leute spüren werden", ist sich Schöckel sicher.

Die Rallye

Die Route und der Terminplan der Europa-Orient-Rallye:

  • 5. Mai: Start der Europa Orient Rallye in Straßburg
  • Bis 9. Mai: Fahrt nach Istanbul auf frei wählbarer Strecke, jedoch ohne Autobahnen und ohne Mautstraßen
  • 19. Mai: Hafen Mersin (Türkei), Verschiffung der Fahrzeuge nach Israel
  • 21. Mai: Flug nach Tel Aviv (Israel)
  • 21. bis 24. Mai: Fahrt von Tel Aviv über Jaffa nach Jerusalem
  • 24. Mai: Einreise nach Jordanien
  • 27. Mai: Siegerehrung am Toten Meer
  • 29. Mai: Heimflug

Informationen im Internet:www.lowbudgetteam.de