Weil er eine Frau so lange mit obszönen Anrufen belästigt hat, bis diese sich zuhause verbarrikadierte, muss ein 70-Jähriger aus Friedrichshafen für zehn Monate ins Gefängnis. „Das sind Nachstellungshandlungen mit sexuellem Hintergrund, Täter Mann, Opfer Frau, das ist widerlich und eklig, das will man sich gar nicht vorstellen und ich bin froh, dass ich mir die Mailboxaufzeichnungen nicht anhören muss“, sagte Richter Max Märkle.

Die Rollläden auch tagsüber geschlossen

Es war am 13. September 2019, als der erste Anruf kam. „Am Anfang war er höflich“, las Märkle aus dem Vernehmungsprotokoll der Frau vor. Mit jedem Anruf wurde es schlimmer. Am Anfang sei nur schweres Atmen zu hören gewesen, dann Stöhnen und Masturbationsgeräusche und manchmal habe der Anrufer ihren Namen gerufen. Die Frau bekam Angst, fing an sich einzuschließen und ließ die Rollläden auch tagsüber geschlossen. Der Anrufer kannte ihre Telefonnummer und ihren Namen, woher, ließ sich nicht feststellen. Sie musste also damit rechnen, dass er auch wusste, wo sie wohnt und fürchtete, dass es nicht bei den Anrufen bleiben könnte, ging kaum noch aus dem Haus. Bis heute fürchtet sie sich so sehr vor dem Mann, dass sie eine Gegenüberstellung vor Gericht um jeden Preis vermeiden wollte, damit er nicht weiß, wie sie aussieht. Die Anrufe kamen täglich, oft mehrmals und mit unterdrückter Nummer. Als sie das Telefon übers Wochenende ausgeschaltet hatte, waren 47 Nachrichten auf der Mailbox.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Angeklagte hat ein ellenlanges Vorstrafenregister

Am 18. Oktober ging die völlig verunsicherte Frau damit zur Polizei. Dem Beamten gelang es, den Anrufer zurückzurufen. Dieser meldete sich mit vollem Namen. Sein Vorstrafenregister: Verkehrsdelikte, Diebstahl, Beleidigung, Erregung öffentlichen Ärgernisses, sexuelle Nötigung mit Freiheitsberaubung, exhibitionistische Handlungen. Zuletzt hatte er einer Frau telefonisch nachgestellt und von dieser sexuelle Handlungen verlangt. Die Bewährungszeit dafür war zum Zeitpunkt der aktuellen Tat noch nicht abgelaufen.

Das könnte Sie auch interessieren

Pauschales Geständnis, aber ohne jede Einsicht

Der Angeklagte legte ein pauschales Geständnis ab: „Es tut mir leid, ich hatte einen Filmriss, ich weiß auch nicht, was da mit mir los war“, sagte er. „Ich möchte mich bei der Dame in aller Form entschuldigen.“ Das Gericht sah das anders: „Das war kein Ausrutscher, kein besoffener Kopf und kein Aussetzer und das Einzige, was ihnen leid tut, das sind sie selbst“, sagte Richter Märkle. Es bestehe nicht der Hauch eines Zweifels, dass die Anrufe alle der sexuellen Befriedigung des Anrufers gedient hätten. Dass die Angeklagte ihrem Peiniger nicht gegenüberstehen musste, weil dieser sich mit der Verlesung des Protokolls einverstanden erklärt hatte, wurde bei der Berechnung der Gesamtstrafe berücksichtigt. „Irgendwann schützt einen das Alter aber auch nicht mehr vor Gefängnis“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Es ist unwahrscheinlich, dass der Mann das Urteil anfechten wird. „Ich hab schon mal unschuldig im Gefängnis gesessen, da kommt es auf zehn Monate mehr oder weniger nicht an“, kommentierte er.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €