Der Motor heult auf, dreht auf den kurzen Geraden in den höchsten Drehzahlen, die breiten Reifen quietschen im engen Slalom um die Hütchen. Studenten stehen entlang der Rennstrecke auf dem Messegelände und kommentieren die Leistung des Rennwagens, der einen auf Formel-1-Flitzer macht. Er ist einer von nur fünf Boliden mit Verbrennungsmotor. 24 Studententeams, die am diesjährigen ZF-Race-Camp teilnehmen, haben sich für einen Elektroantrieb entschieden. Neun der Fahrzeuge kurven bereits autonom – also ohne Fahrer – um die Hindernisse.

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Verbrennungsmotoren für Studenten keine Herausforderung mehr

Eine Herausforderung, der sich Studenten wie Christoph Wald gestellt haben. „Bei den Verbrennungsmotoren habe ich keine Herausforderung mehr gesehen, die können wir nicht mehr optimieren“, sagt der Informatik-Student der Hochschule Ravensburg-Weingarten, der seit drei Jahren mit seinem 70-köpfigen Team beim Formula-Student-Konstruktionswettbewerb dabei ist. Dieses Jahr gilt es zum zweiten Mal, den 176 Kilogramm schweren Rennwagen, der autonom fährt, unfallfrei um die Hütchen zu manövrieren.

Christoph Wald, Informatik-Student der Hochschule Ravensburg-Weingarten, schraubt ein Rad auf den autonom fahrenden Rennwagen mit Verbrennungsmotor.
Christoph Wald, Informatik-Student der Hochschule Ravensburg-Weingarten, schraubt ein Rad auf den autonom fahrenden Rennwagen mit Verbrennungsmotor. | Bild: Anette Bengelsdorf

Lidar hilft bei autonomer Steuerung

22 Kilometer muss der Vierzylinder-Motorradmotor mit 600 Kubik und 90 PS durchhalten, sollte so wenig Treibstoff wie möglich verbrauchen und auf der Rennstrecke, wie zum Beispiel beim Formula-Student-Konstruktionswettbewerb im August auf dem Hockenheimring, der schnellste sein. Ein Lidar – ein Radar, das mit Laserstrahlen die Umgebung scannt – ist vorne am Fahrzeug angebracht. Um das Gelände genau zu sondieren, rotiert es im Kreis auf 16 Ebenen, erklärt Christoph Wald. „So können wir die Distanz zu den Hütchen abschätzen“, sagt er. Das Team wolle eine Methode entwickeln, mit der man mit großer Reichweite und hoher Genauigkeit Objekte orten könne. Drei Kameras sollen dabei helfen.

Studenten der RWTH Aachen bauen ihr Elektroauto zusammen.
Studenten der RWTH Aachen bauen ihr Elektroauto zusammen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Der Informatiker ist voll und ganz in seinem Element. Dazu gehört auch, in der Entwicklungsphase in der Werkstatt zu schlafen und sich mit den verschiedenen Positionen von Maschinenbauern, Elektrotechnikern und Betriebswissenschaftlern auseinanderzusetzen, erzählt er.

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Dass die Teamarbeit hier im ZF-Race-Camp durchaus bis Mitternacht dauern kann, weiß Martin Frick, Leiter des Personalmarketings. Er betreut das Projekt seit acht Jahren und sagt, das habe er immer wieder erlebt.

Im Rennstall des Racing Teams der TU Kaiserslauten gibt es noch jede Menge zu tun.
Im Rennstall des Racing Teams der TU Kaiserslauten gibt es noch jede Menge zu tun. | Bild: Anette Bengelsdorf

Global-Formula-Racing-Team aus Ravensburg kooperiert mit Oregon State University aus den USA

Nicht nur interdisziplinär, auch interkulturell sind die Studenten unterwegs. So kooperiert das Global-Formula-Racing-Team der Dualen Hochschule Ravensburg mit der Oregon State University und geht mit zwei Konzepten ins Rennen. Während in den USA die Verbrennungsmotoren im Vordergrund stehen, wollen die Studenten des Campus Friedrichshafen innovativ sein, E-Motoren und autonomes Fahren voranbringen.

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Das Ferrari-rote Fahrzeug, vierter der Weltrangliste im vergangenen Jahr, wurde für den diesjährigen Wettbewerb mit einem neugegründeten Team für den fahrerlosen Betrieb neu aufgebaut. „Wir sind erst in der Simulationsphase, fahren bisher nur virtuell“, sagt Bjarne Johannsen. Doch der Student der Fahrzeugelektronik ist zuversichtlich, dass der Rennwagen in einer Woche auf die Piste kann.

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Wenn plötzlich ein Lauflernauto für Kinder durch die Halle flitzt

„Was Sie hier erleben ist die Zukunft der Mobilität“, sagt Martin Frick zu den Pressevertretern bei einem Rundgang durch die riesige Werkstatt und im nächsten Moment traut man seinen Augen nicht: Beinahe lautlos flitzt ein Lauflernauto für Kinder durch die Halle und der Pilot hat alle Hände voll zu tun, das innovative Gefährt in der Spur zu halten. Jedes Team habe so ein Kinderfahrzeug bekommen, erzählt er. Denn wer hart arbeite, solle auch Spaß haben. „Das Ding ballert“, ruft der junge Mann seinen Teamkollegen zu und strahlt über das ganze Gesicht.

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Unter das Fahrgestell haben die Studenten der Technischen Universität Aachen ein elektrisches Longboard montiert und die Räder ausgetauscht. Jetzt fährt der Zweisitzer 30 Stundenkilometer schnell und lässt die jungen Männer für kurze Zeit zu Kindern werden. „Das Team mit der interessantesten Entwicklung gewinnt einen Zeppelinflug über den Hockenheimring“, erklärt Frick.

Spaß muss sein – Linus Kirchhoff und Sören Rattay von der Uni Aachen (von links) rasen mit ihrem elektrischen Longboard-Lauflernfahrzeug durch die Halle.
Spaß muss sein – Linus Kirchhoff und Sören Rattay von der Uni Aachen (von links) rasen mit ihrem elektrischen Longboard-Lauflernfahrzeug durch die Halle. | Bild: Anette Bengelsdorf

Autonomes Fahren als Technik der Zukunft

Hochkomplex ist das Fahrzeug der Technischen Universität München. Angetrieben von vier Elektromotoren und vier Getrieben schafft der Elektro-Rennwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern. Ein ausladender Heckflügel sorgt für den nötigen Anpressdruck. Lucas Brenner erklärt: Schneller seien die E-Motoren und mit dem autonomen Fahren habe man die zukunftsfähigen Schlüssel in der Hand.

Mathis Kremer sitzt im Cockpit eines E-Racers, den das Team der TU München entwickelt hat.
Mathis Kremer sitzt im Cockpit eines E-Racers, den das Team der TU München entwickelt hat. | Bild: Anette Bengelsdorf

Warum setzt das Bodensee Racing Team aus Konstanz noch auf den Verbrennungsmotor? „Wir steigen nächstes Jahr auf den Elektromotor um“, erklärt Maximilian Kelm. Dieses Jahr bereite man diesen Schritt bereits vor. So stehe die diesjährige Kampagne ganz im Zeichen des Abschieds.

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„Für die Verbrenner gibt es nicht mehr viele Sponsoren“, sagt der Maschinenbau-Student. Die Entscheidung sei daher eher ein Muss und ein Abschied mit gemischten Gefühlen.