Die Eurobike war 1991 eine Kampfansage. 268 Aussteller hatte die Messe Friedrichshafen unter ihrem damaligen Geschäftsführer Rolf Mohne um sich geschart, um die erste reine Fahrradmesse in Deutschland an den Start zu bringen. Bis dahin gab es nur die IFMA in Köln, eine Zweiradmesse, bei der das Motorrad im Vordergrund stand. „Die starken süddeutschen Radfirmen waren unzufrieden mit diesem Messeplatz“, erinnert sich Wolfgang Köhle, der seit der zweiten Eurobike Pressesprecher der Messe Friedrichshafen ist. Im Archiv liegt noch ein Werbeplakat von damals, das den potenziellen Ausstellern elf Gründe nannte, warum die Eurobike genau der richtige Messeplatz für sie sei. „Zweitens: Sie sind mit der Eurobike direkt an der Nahtstelle von EG und EFTA...“ Das war noch vor der EU!

Vom 4. bis 8. September 1991 wurden bei der ersten Eurobike, die als reine Mountainbike-Messe und „Internationale Fachausstellung für den Fahrrad- und Zubehörmarkt“ ihre Premiere feierte, letztlich 44 000 Besucher gezählt, darunter 14 505 Fachbesucher an den ersten drei Messetagen. Zwei Tage hatte damals der Endverbraucher Zutritt – genau so, wie es nun 25 Jahre später mit den ersten Festival Days wieder der Fall sein wird. „Branche spricht von erstklassiger Veranstaltung“ war der erste Schlussbericht der Eurobike überschrieben, womit bereits die Neuauflage 1992 angekündigt wurde. Die fand aber nicht statt, weil die IFMA alle zwei Jahre veranstaltet wurde und die Häfler Messemacher es mit der Konkurrenz wohl nicht übertreiben wollten. Die Kölner allerdings legten es genau darauf an und zogen mit der aufs Rad spezialisierten „Intercycel“ im Rahmen der IFMA nach.

Langfristig ohne Erfolg: Die letzte IFMA, nun ebenfalls eine reine Radmesse, fand 2008 statt. Blieb der Zweirad-Branchenverband ZIV anfangs noch der Messe Köln treu, so arbeitet die Messe Friedrichshafen seit den 1990er Jahren eng mit ihm zusammen.

„Die Eurobike war vom Start weg eine Erfolgsgeschichte und wuchs von Jahr zu Jahr“, sagt Köhle. Dabei war es für die Mannschaft um Projektleiter Rolf Mohne am Anfang fast unvorstellbar, dass „nur“ mit dem Rad eine komplette Messe zu machen ist. Aber das Konzept – viel Bewegung und Aktion auf dem Testgelände und im Rahmenprogramm – zieht bis heute. Ganz abgesehen davon, dass das Fahrrad mittlerweile einen Stellenwert in der Gesellschaft hat, den vor 25 Jahren wohl niemand für möglich gehalten hätte.

Für Jochen Tiffe hatte noch die zweite Eurobike „so was wie Campingplatz-Atmosphäre“. Tiffe war Radprofi, fuhr 1993 bei der Friedensfahrt in der deutschen Nationalmannschaft mit. 1992 gab er für seinen Sponsor bei der Eurobike Autogramme. „Unser Pavillon war drei Mal drei Meter groß und stand direkt neben dem von Stefan Schmolke. Der Konstanzer hat in den Neunzigern den weltweit ersten Rennlenker aus Karbon gebaut“, erinnert sich Tiffe. Heute sieht sich der Radioreporter von Sport-FM als „Messebotschafter der Eurobike in Berlin“. Was sich rundherum verändert hat, registriert er nicht immer wohlwollend. „1992 kostete die Pension in Bad Waldsee 15 D-Mark pro Nacht und Nase. Heute zahlen wir dort 155 Euro“, erklärt er. Es ist der Preis des Erfolgs, wenn während der Eurobike tausende Besucher, Aussteller und Journalisten eine Bleibe brauchen.

Seit 2002 dreht sich das Messe-Rad noch schneller. Bei der Neuen Messe gab es fast doppelt so viel Ausstellungsfläche wie auf dem alten Gelände. „Die Eurobike steht nach 25 Jahren ganz oben“, ist Messechef Klaus Wellmann stolz.

Die Eurobike in Zahlen

  • 1991 akkreditierten sich 268 Aussteller, die eine Fläche von 35 000 Quadratmeter gebucht hatten, und 200 Journalisten bei der ersten Eurobike in Friedrichshafen. Es kamen 14 505 Fachbesucher an drei Messetagen und rund 30 000 Endverbraucher an den beiden Publikumstagen.
  • 25 Jahre später ist das Messegelände (zwölf Hallen, Zeppelin-Hangar und Freigelände) mit 100 000 Quadratmeter komplett belegt. 1350 Aussteller haben gebucht, davon 966 aus 47 Ländern. Bei der Messe 2015 waren 1758 Journalisten akkreditiert, rund die Hälfte aus dem Ausland. Von 45 900 Fachbesuchern waren 26 530 nicht aus Deutschland. Damit hat sich die Ausstellungsfläche binnen 25 Jahren verdreifacht. Die Zahl der Aussteller hat sich verfünffacht, die der Journalisten ist fast um das Achtfache größer.