Ein 24-jähriger Mann muss sich seit Mittwoch für zwei Überfälle auf ein Schnellrestaurant sowie ein Internetcafé in Tettnang und Friedrichshafen vor dem Landgericht Ravensburg verantworten, die er im vergangenen Jahr verübt haben soll. Die Anklage der Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere räuberische Erpressung vor. Hinzu kommt der Vorwurf einer schweren Körperverletzung. Für die Verhandlung sind mehrere Prozesstage anberaumt.

Gericht und Verfahrensbeteiligte einigen sich auf eine Verständigung

Kurz nach Beginn des ersten Prozesstags stellte der Strafverteidiger den Antrag auf eine Verständigung zwischen dem Gericht und den Verfahrensbeteiligten. Überraschend war das deshalb, weil der Angeklagte über seinen Verteidiger zunächst erklären ließ, dass er keine Angaben zur Sache machen wolle. Grundlegende Voraussetzung für eine solche Verständigung ist ein Geständnis. Im Gegenzug erfährt der Angeklagte vorab die zu erwartende Ober- und Untergrenze der Strafe. Die Staatsanwaltschaft zögerte zwar kurz, wollte sich der Sache jedoch nicht verschließen. In Abhängigkeit davon, ob die Beweisaufnahme minderschwere oder schwere Fälle bestätigen würde, kalkulierte der Oberstaatsanwalt die Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren und neun Monaten sowie fünf Jahren. Nach kurzer Beratung stimmte auch die Strafkammer der Verständigung zu. Der Vorsitzende Richter Stefan Maier betonte nochmals: "Wir brauchen ein lupenreines Geständnis." Weitere Bedingung für die Verständigung sei, dass es bei der Beweisaufnahme nicht weitere belastende Details geben werde.

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Angeklagter will sich bei Opfern entschuldigen

Der Angeklagte räumte daraufhin die ihm vorgeworfenen Straftaten ein. Außerdem sagte er, dass er sich bei allen Opfern persönlich entschuldigen wolle. Durch das Geständnis kann die Beweisaufnahme deutlich abgekürzt werden, auch werden einige Zeugen nicht vor Gericht erscheinen müssen.

Zeugen sagen zu Überfall in Schnellrestaurant aus

Drei Zeugen waren bereits zum ersten Prozesstag geladen und schilderten, dass der Angeklagte vor dem Überfall auf das Schnellrestaurant in Tettnang gegen 3.20 Uhr zunächst vor dem Gebäude wartete. Wenig später soll er in einen Personalraum gegangen und das Smartphone eines Mitarbeiters gefordert haben. Dabei soll er das Opfer gegen den Kopf und Arm geschlagen haben. Nach dem Angriff auf den Mitarbeiter soll der 24-Jährige in einem weiteren Raum auf den Schichtleiter getroffen sein. Der 37-Jährige schilderte vor Gericht: "Er hat mir die Pistole an den Kopf gehalten und Geld verlangt." Auf die Frage des Richters, ob er in dieser Situation Angst verspürt habe, antwortete der Zeuge: "Klar hatte ich Angst, sonst hätte ich ihm das Geld sicher nicht gegeben." Die Waffe entpuppte sich später als echt aussehende Spielzeugpistole. Rund 781 Euro Wechselgeld aus einem Tresor ließ sich der Täter dann in eine Stofftasche packen, bevor er verschwand.

Angeklagter gibt Auskunft über Drogensucht

Als es um das Motiv für die Tat ging, gab der Angeklagte Auskunft über Einzelheiten seiner Drogensucht. Der 24-Jährige erzählte, er habe täglich rund ein Gramm Kokain und mehrere Joints konsumiert. Wie er an die Drogen kam, wollte der 24-Jährige vor Gericht nicht erzählen. "Wenn ich da so überschlage, was das kostet, dann klafft da doch eine sehr große Lücke", sagte Richter Stefan Maier.

Mit weiteren Zeugenaussagen und dem Bericht eines psychologischen Sachverständigen wird der Prozess am Mittwoch, 16. Januar, um 9.45 Uhr fortgesetzt.