Jugendrichter Martin Hussels-Eichhorn hatte vergangene Woche am Amtsgericht Tettnang noch Milde bei einem 22-jährigen Häfler walten lassen. Er hatte den Mann, allerdings nach Erwachsenenstrafrecht, unter anderem wegen zweifachen Handeltreibens mit Marihuana im Jahr 2016 zu sechs Monaten und zwei Wochen Haft verurteilt. Dagegen hatte prompt die Staatsanwaltschaft Ravensburg Berufung eingelegt. Die Berufung nahm Oberstaatsanwalt Matthias Inselsberger am Donnerstagmittag in einer weiteren Verhandlung gegen den 22-Jährigen vor dem Schöffengericht zurück – aber nur, damit dieses Urteil in eine neue Verurteilung einfließen kann. Drei Jahre Haft ohne Bewährung bekam der 22-Jährige wegen elffachen Handeltreibens mit Marihuana und/oder Kokain sowie eines gemeinschaftlichen Handeltreibens sowie Besitz von Betäubungsmitteln vom Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Max Märkle.

Zwölf Taten spielten sich im Februar und März 2107 vor allem im Umfeld der Canisiuskirche in Friedrichshafen ab. Dem 22-Jährigen auf die Spur kam die Kripo durch Ermittlungen gegen zwei Brüder aus Bad Waldsee, die sie weiter zu größeren Dealern führten, berichtete ein Ermittler. Bei der Telefonüberwachung stießen die Beamten auf Kontakte bei einem der mutmaßlichen Dealer zu dem Häfler. Der mutmaßliche Dealer wurde Ende vergangenen Jahres nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Matthias Inselsberger am Landgericht Ravensburg zu sieben Jahren Haft verurteilt, hat allerdings Revision eingelegt. Im dortigen Prozess hatte er den 22-Jährigen belastet, weshalb er am Donnerstag als Zeuge geladen war. "Ich habe ihn (den Angeklagten) das erste Mal hier im Flur gesehen", behauptete der gefesselt vorgeführte Zeuge. Und: "Ich kenne ihn nicht."

Nach dem vom Schöffengericht angesetzten Wertersatz hat der 22-Jährige durch den Weiterverkauf von Marihuana und Kokain, das er nach den Ermittlungen der Polizei von dem Dealer bezogen hat, rund 15 000 Euro erlangt. Die muss er zusätzlich zur Haftstrafe zahlen. Mengenmäßig ging es bei den zwölf Drogengeschäften um je nach Fall 50 bis 500 Gramm Marihuana sowie ein bis 25 Gramm Kokain. Dabei geht das Gericht davon aus, dass er von dem Marihuana jeweils rund zehn Prozent selbst konsumierte sowie jeweils ein Gramm des erworbenen Kokains. Für Oberstaatsanwalt Inselsberger und das Schöffengericht war das knapp zweimonatige Treiben gewerbsmäßig.

Inselsberger forderte in seinem Plädoyer drei Jahre und drei Monate Haft. Verteidiger Sebastian Glathe dagegen wollte zwei Jahre Haft auf Bewährung. Er wies auf den positiv geänderten Lebensstil seines Mandanten hin, der ihm schon im Prozess vergangene Woche bescheinigt wurde und den auch das Schöffengericht sah. Letzterem stieß allerdings negativ auf, dass der Angeklagte immer noch Drogen zu Hause hatte, nachdem es bereits eine Hausdurchsuchung im Oktober 2016 bei ihm gab, er von der Kripo befragt worden war und wusste, dass ein Verfahren gegen in läuft. Von einem sofortigen Haftbefehl sahen Staatsanwaltschaft und Gericht ab, da sie keine Fluchtgefahr sehen.