Gottfried Landolt, Lorenz Müller und Johann Müller sind die Gründerväter der Klufterner Feuerwehr. „Man geht davon aus, dass es vor der Gründung 1871 einige Großbrände gegeben hat“, sagt Damian Krämer. Bei der ersten Generalversammlung zählte die Feuerwehr 47 Mann bei rund 500 Einwohnern in Kluftern. „Fast jeder Mann im dienstfähigen Alter war dabei.“ Zum Vergleich: Heute zählt der Mannschaftsstand der Einsatzabteilung Kluftern 37 Feuerwehrleute, darunter fünf Frauen.

Die drei Gründungsväter der Feuerwehr Kluftern beim Fest zum 50-jährigen Bestehen (von links): Lorenz Müller, Gottfried Landolt und Johann Müller.
Die drei Gründungsväter der Feuerwehr Kluftern beim Fest zum 50-jährigen Bestehen (von links): Lorenz Müller, Gottfried Landolt und Johann Müller. | Bild: Feuerwehr

Bereits in den Anfangsjahren musste die Wehr zu mehreren Gebäudebränden ausrücken. Vom Gründungsjahr bis 1914 sind 24 Gebäudebrände registriert. Einer der schwersten Einsätze der Feuerwehr in Kluftern dürfte das Eisenbahnunglück am 22. Dezember 1939 in Lipbach gewesen sein, bei dem 106 Menschen den Tod fanden, berichtet Krämer. Als einen der ersten Meilensteine bezeichnet Damian Krämer die erste Motorspritze im Jahr 1941. Mit ihr sei die Klufterner Wehr insbesondere 1944 nach schweren Bombenangriffen in die Nachbargemeinden Friedrichshafen, Immenstaad und Markdorf-Steibensteg ausgerückt.

Diese Aufnahme entstand beim Brandeinsatz in der Henry-Dunant-Straße im Jahr 2007.
Diese Aufnahme entstand beim Brandeinsatz in der Henry-Dunant-Straße im Jahr 2007. | Bild: Irmgard Späth

Seit 1973 eine Abteilung der Feuerwehr Friedrichshafen

„Ein Meilenstein ist es für uns bis heute, wenn wir ein neues Fahrzeug bekommen“, sagt Damian Krämer. Dies gelte auch für das erste Löschgruppenfahrzeug LF8 im Jahr 1972, das erste Fahrzeug mit einem Wassertank. Im Zuge der Gemeindereform konnte die Feuerwehr 1973 von ihrem bisherigen Standort im Rathaus in die neue Halle in der Brunnisachhalle umziehen, außerdem wurde die Freiwillige Feuerwehr Kluftern in die Feuerwehr Friedrichshafen integriert und ist bis heute als eine von sieben Abteilungen ein Teil des Brandschutzkonzepts der Stadt. 2010 folgte der Umzug ins neue, moderne Feuerwehrhaus.

Gruppenbild der Abteilung Kluftern vor dem neuen Feuerwehrhaus im Jahr 2011.
Gruppenbild der Abteilung Kluftern vor dem neuen Feuerwehrhaus im Jahr 2011. | Bild: Norbert Braun

Die Aufgabe der über 100-jährigen Eigenständigkeit sei für viele Kameraden ein schmerzhafter Prozess gewesen, weiß Damian Krämer.

„Es spielte dabei jedoch nicht nur eine Rolle, dass wir von nun an neben einer mächtigen Feuerwehr Friedrichshafen eine Abteilung neben anderen sind, sondern vor allem, dass man nun ins Württembergische gehörte.“
Damian Krämer, stellvertretender Abteilungskommandant Kluftern

Sei man doch bisher auf den badischen Landesteil ausgerichtet gewesen und habe es zumindest im Feuerwehrrock vermieden, die Grenze zu Württemberg zu überschreiten. „Dank des diplomatischen Geschicks des damaligen Stadtbrandmeisters Egon Kratzer konnten die gegenseitigen Vorurteile jedoch bald abgebaut werden“, sagt Damian Krämer. Durch gemeinsame Ausbildung und Dienst in den vergangenen 49 Jahren hätten sich die Kameraden aller Abteilungen kennen und schätzen gelernt.

Damian Krämer ist stellvertretender Abteilungskommandant.
Damian Krämer ist stellvertretender Abteilungskommandant. | Bild: Feuerwehr

150 Jahre Feuerwehr in Kluftern

Vorbereitung auf den Ernstfall: Alarmübungen sind für die Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr immer eine willkommene Herausforderung.
Vorbereitung auf den Ernstfall: Alarmübungen sind für die Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr immer eine willkommene Herausforderung. | Bild: Feuerwehr

Jugendfeuerwehr feiert ihren 35. Geburtstag

Nicht nur die Feuerwehr in Kluftern hat dieses Jahr Geburtstag, auch die Jugendfeuerwehr – eine von sechs Abteilungen der Jugendfeuerwehr in Friedrichshafen – feiert ihr 35-jähriges Bestehen. „Die Einsatzabteilung lebt ganz stark von der Jugendfeuerwehr“, sagt Damian Krämer, der 1989 selbst als Zwölfjähriger hier begonnen hat. Nur noch vier Kameraden wären nicht über die Jugendwehr zu den Aktiven gekommen.

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„Die Jugendarbeit ist die wichtigste Stütze, ohne sie würde die Feuerwehr nicht mehr so wie erforderlich funktionieren“, weiß auch Katharina Nitsch, die 2004 über den Freundeskreis zur Jugendfeuerwehr fand und seit 2013 das Amt der Jugendfeuerwehrwartin inne hat. Dank der Jugendarbeit habe man in Kluftern aktuell eine relativ gute Situation. „Wir sind schlagkräftig und es funktioniert“, sind sich Nitsch und Krämer einig. Toll sei die Unterstützung durch das hauptamtliche Personal in Friedrichshafen und die gute Zusammenarbeit.

Katharina Nitsch ist Jugendfeuerwehrwartin der Abteilung Kluftern.
Katharina Nitsch ist Jugendfeuerwehrwartin der Abteilung Kluftern. | Bild: Kilian Mueller

Gemeinschaft und Kameradschaft verbindet die Wehr

Aktuell sind 15 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren in der Klufterner Jugendfeuerwehr, darunter vier Mädchen. 1998 wurde das erste Mädchen aufgenommen. Nadine König kam als Zehnjährige im Jahr 2001 dazu. „Ich war mit Begeisterung dabei und bin heute in Oberteuringen immer noch aktiv“, berichtet die 30-Jährige. In all den Jahren habe sie nie das Gefühl gehabt, als Frau benachteiligt zu sein.

Feuerwehr macht Spaß: Aktuell sind in der Jugendfeuerwehr in Kluftern 15 Jungen und Mädchen aktiv.
Feuerwehr macht Spaß: Aktuell sind in der Jugendfeuerwehr in Kluftern 15 Jungen und Mädchen aktiv. | Bild: Kilian Mueller

Ins Schwärmen geraten Damian Krämer und Katharina Nitsch, wenn es um Gemeinschaft und Kameradschaft in der Feuerwehr geht. „Unser Auftrag schweißt zusammen und schafft eine einzigartige Verbindung“, so Krämer. Nitsch spricht von absolut sinnvoll investierter Zeit.

„Es sind Freundschaften entstanden und wenn etwas ist, dann weiß ich, dass ich mich auf die Kameraden verlassen kann.“
Katharina Nitsch, Feuerwehrfrau

Von der Jugend ab zehn Jahren bis zur Altersabteilung mit Männern 90 plus begegne man sich bei der Feuerwehr auf Augenhöhe.