Die Zahl ist beachtlich: Über 200 Beschäftigte kümmern sich in Friedrichshafen um die Betreuung der Kinder an 13 Schulen – vor und nach der Schulzeit. „Wir sind ganz gut aufgestellt“, sagt Steffen Rooschüz, der dem „Betreuungsverein BE FN an Schulen in Friedrichshafen“ (BEFN) vorsteht. Ein Job, den der Rektor der Merianschule vor einem Jahr ehrenamtlich übernommen hat.

Verein in Baden-Württemberg ein ziemlich einmaliges Konstrukt

Bis dahin wurde der Verein von Josef Brugger geführt, der ihn 2005 an der Pestalozzischule gegründet hatte, um an „seiner“ Schule stimmige Ganztagsangebote zu entwickeln. Dieser Trägerverein übernahm in den Folgejahren organisatorisch auch die Betreuung an fast allen anderen städtischen Schulen – ein in Baden-Württemberg ziemlich einmaliges Konstrukt. „Da ist Friedrichshafen absoluter Vorreiter. Hier wurde zehn Jahre lang hervorragende Arbeit gemacht“, sagt Steffen Rooschüz.

Alle Schulleiter gehören qua Amt zum Verein

Als Josef Brugger 2017 in Rente ging, wurde das Modell Betreuungsverein auf eine breitere Basis gestellt. Heute gehören alle Schulleiter qua Amt zum Verein, ebenso wie der Fachdezernent im Rathaus, Andreas Köster. Die Geschäftsstelle leitet Susanne Eggetsberger, die als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung für den Job freigestellt ist und drei Mitarbeiter hat.

Stadt finanziert Angebot mit 1,6 Millionen Euro pro Jahr

Finanziert wird das Ganze nach wie vor von der Stadt aus Mitteln der Zeppelin-Stiftung. Rund 1,6 Millionen Euro jährlich sind derzeit dafür veranschlagt. Für die Eltern sei dieses Angebot nach wie vor sehr preisgünstig, sagt Rooschüz: Wer das Komplettpaket für sein Kind nutzt, Betreuung morgens, mittags und nachmittags bucht, zahlt rund 70 Euro im Monat. „Das ist einsame Spitze im Land.“

13 Konzepte an 13 Schulen sollen vereinheitlicht werden

Also eigentlich alles beim Alten? „Es soll kein Zufallsprinzip mehr sein, wie was an welcher Schule läuft. Die Qualität der Betreuung muss vergleichbar sein“, fasst der Vereinschef das neue Ziel zusammen. Im Prinzip habe man derzeit an 13 Schulen 13 verschiedene Konzepte für die außerschulische Betreuung. Sein Wunsch wäre, dass Unterricht und Betreuung an jeder Schule Hand in Hand gehen, nicht nur aufeinander abgestimmt sind, sondern miteinander den Schultag gestalten.

„Pädagogik aus einer Hand“, erklärt der Rektor ein Konzept, das für die Eltern übersichtlicher sei. Andererseits will es der Betreuungsverein schaffen, dass für alle Schulen in der Stadt dieselben Bedingungen gelten. Ein Beispiel: Wenn es an einer Schule eine Tanz-AG mit einer professionellen Hip-Hop-Trainerin gibt, sollte das an einer anderen Schule, wenn es gewünscht wird, ebenso möglich sein. „Auch das ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt der BEFN-Leiter.

Ergebnisse einer Bestandserhebung werden im Gemeinderat vorgestellt

In diese Richtung habe man binnen eines Jahres schon viel bewegt. Rooschüz spricht von einer Bestandserhebung in jeder Schule, die gerade gemacht wurde und noch in diesem Jahr dem Gemeinderat vorgestellt werden soll. Eine solche Erhebung soll es künftig immer im Frühjahr und Herbst geben, um beim Angebot rechtzeitig nachsteuern zu können.

"Überwiegend gute und sehr gute Noten"

Parallel wurden Eltern, Betreuungspersonal und auch die Schüler befragt, wie zufrieden sie mit Angebot und Betreuung sind. „Wir bekamen überwiegend gute und sehr gute Noten“, sagt der BEFN-Leiter. Was kein Grund sei, sich darauf auszuruhen. Fakt sei, dass die Eltern ein verbindliches und verlässliches Angebot für die Betreuung ihrer Kinder vor und nach der Schule hätten, was in der Schullandschaft drum herum noch längst kein Standard sei.

Verein hat keine Personalsorgen

Am nötigen Personal sollte es nicht scheitern. „Wir haben erstaunlicherweise keine Personalsorgen“, sagt Susanne Eggetsberger, die das Alltagsgeschäft des Betreuungsvereins managt und sich über den Zulauf freut. Ob Angestellte, Jugendbegleiter, Honorarkräfte, FSJler oder Auszubildende im Erzieherberuf: Über 200 Menschen arbeiten für den Verein, die meisten in Teilzeit. Rund 80 Prozent der früher beim Betreuungsverein angestellten Kräfte wurden übernommen. „Da war vieles nicht geregelt“, sagt die Geschäftsstellenleiterin. Heute schlage sich die Qualifizierung eines Mitarbeiters auch in der Bezahlung nieder. Wer sich weiterbilden will, werde voll unterstützt. In diesem Jahr werden zwei Mitarbeiter die Erzieherausbildung in der Abendschule abschließen, im nächsten Jahr drei.

Verein will sich bei Ferienbetreuung einbringen

Um das vorhandene Personal in den 13 Ferienwochen pro Jahr nicht heimschicken zu müssen, kann sich das Leitungsteam des Betreuungsvereins vorstellen, auch bei der Ferienbetreuung mitzumischen. In den letzten zwei Ferienwochen im Sommer wurde in Kluftern und an der Schreieneschschule erstmals ein solches Angebot des BEFN eingerichtet. „Eigentlich sind wir dafür nicht zuständig. Aber der Bedarf ist groß und das Personal ist da“, sagt Steffen Rooschüz. Dafür brauche es aber den Auftrag und zusätzliches Geld von der Stadt und vor allem frühzeitig einen Plan, in welcher Schule man in den Ferien ein Angebot organisieren könne. Denn dieser Zeitraum werde oft für Reparaturen oder andere Arbeiten am und im Gebäude genutzt.