Fast 90 Minuten lang beschäftigte sich der Gemeinderat am Montag mit dem Tagesordnungspunkt "Flughafen". Schon am vergangenen Mittwoch hatte sich der Kreistag als Mitgesellschafter des Bodensee-Airports mit dem Thema befasst und überraschend eine finanzielle Zuwendung in Höhe von insgesamt 17,4 Millionen Euro beschlossen, vorausgesetzt, der Häfler Gemeinderat ziehe mit. Doch sowohl Oberbürgermeister Andreas Brand als auch die Mehrheit der Stadträte war nicht bereit, unvorbereitet über weitere Finanzierungshilfen abzustimmen.

"Mit dem Kreistag vereinbart war ein Betrag von 13,6 Millionen Euro – daher schlage ich vor, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt darüber beraten, ob wir mehr finanzielle Hilfe geben wollen", so Brand zu Beginn der Sitzung. Diesem Vorschlag stimmten die Räte zu. Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer des Bodensee-Airports, erläuterte den Stadträten, wozu das Geld benötigt werde. In erster Linie müssten dringende Investitionen getätigt werden, zudem müssten Darlehen in Höhe von 6,9 Millionen Euro bis 2022 getilgt werden.

Wehr erläuterte, dass der Jahresverlust des Airports in den Jahren 2015 und 2016 bei rund 1,5 Millionen Euro lag, für 2017 rechnet er mit 2 Millionen Euro Verlust. "Wenn das erneute Darlehen von 13,6 Millionen Euro von den Gesellschaftern bewilligt wird und schließlich in Eigenkapital umgewandelt wird, könnte der Flughafen seine Eigenkapitalquote von heute 27 Prozent auf 51 Prozent im Jahr 2022 erhöhen", erläuterte Wehr. Zudem sinke die Fremdfinanzierung durch Banken von 17 auf 12 Millionen Euro. "Wir brauchen das Geld dringend", so der Flughafen-Geschäftsführer.

Bevor die Fraktionschefs ihre Erklärungen abgaben, appellierte Oberbürgermeister Andreas Brand daran, dem Flughafen erneut Schützenhilfe zu leisten. "Wir machen es uns zu einfach, wenn wir sagen, dass die großen Investitionen der Vergangenheit ein Fehler waren", erläuterte er. Zu der damaligen Zeit sei entschieden worden, "daran knabbern wir nun", so Brand weiter. Er setze aber darauf, dass sich die wirtschaftliche Situation langfristig verbessere.

CDU-Chef Achim Brotzer machte klar, dass die CDU "ohne Wenn und Aber" zum Flughafen stehe. Daher sei eine "vorbehaltlose Unterstützung und konsequente Entlastung" der einzig richtige Weg. Dass der Kreistag den Friedrichshafener Gemeinderat mit seinem Vorstoß quasi unter Druck gesetzt habe, erwähnte Brotzer. "Aber da sollten wir drüber stehen" so Brotzer. Eberhard Ortlieb (Freie Wähler) sicherte dem Flughafen die finanzielle Unterstützung in Höhe von 13,6 Millionen Euro zu. "Ob wir allerdings bei 17,4 Millionen Euro mitgehen, ist fraglich", so der Fraktionschef. Schließlich müssten die Häfler Räte mit dem Geld "sorgsam umgehen". Dieter Stauber (SPD) sagte ebenfalls die neuerliche Finanzspritze zu. "Wenn sich aber in drei Jahren nichts geändert hat, dann wird es kein 'Weiter so' mit uns geben."

Kritik übte erwartungsgemäß Mathilde Gombert von den Grünen. "Alle Jahre wieder kommt die Botschaft, dass der Flughafen Geld braucht. Nun sollen wir wieder zahlen und das lehnen wir ab." In Richtung Kreistag sagte sie, dass sie sich wundere: "Im Kreishaushalt klafft ein Loch von neun Millionen Euro – der Antrag wurde wohl mit heißer Nadel gestrickt", so Gombert. Die Grünen stimmten gemeinsam mit Christine Heimpel von der SPD gegen die erneute Finanzspritze. Alle anderen Stadträte stimmten dafür. Zudem soll eine Resolution ausgearbeitet werden, um das Land Baden-Württemberg und den Bund dazu zu bewegen, sich finanziell zu beteiligen.

 

Neue Verbindungen nach London-Gatwick

Die skandinavische Airline "Norwegian" übernimmt ab Dezember die Flüge der insolventen "Monarch Airlines" nach London.

Ab Samstag, 23. Dezember, gibt es weitere Flüge von Friedrichshafen nach London-Gatwick. Wie der Bodensee-Airport mitteilt, übernimmt die skandinavische Low Cost Airline "Norwegian" diese Verbindung. Als Anfang Oktober Monarch Airlines, eine der traditionsreichsten britischen Touristikairlines, überraschend Insolvenz anmeldete, war davon auch die Strecke London-Friedrichshafen betroffen. Nun ist es dem Bodensee-Airport gelungen, gemeinsam mit führenden britischen Ski-Reiseveranstaltern in Ersatzangebot zu etablieren.

Die Fluglinie "Norwegian" wird im Zeitraum zwischen Samstag, 23. Dezember 2017 und Montag, 16. April 2018 die Strecke London-Gatwick – Friedrichshafen mit einem wöchentlichen Flug bedienen. Zum Einsatz kommen laut Informationen des Flughafens Maschinen vom Typ Boeing 737-800 mit 189 Sitzen.

Damit wird das Angebot nach London vervollständigt. Schon jetzt bieten die Fluggesellschaften British Airways und Easyjet jeweils zwei Flüge pro Woche nach und von London-Gatwick an. In erster Linie nutzen britische Skitouristen diese Verbindung, doch sie sind für Geschäfts- oder Privatreisen nach London vom Bodensee aus interessant. Ersatz für die fehlenden innerdeutschen Linien nach Düsseldorf, Hamburg und Berlin ist derzeit noch nicht in Sicht.

Kerstin Mommsen