Als wolle er dem Friedensprozess eine Chance geben, hält sich der Regen am Ostermontag während des Internationalen Bodensee-Friedenswegs in Friedrichshafen dezent im Hintergrund. Selbst der Wind hat ein Einsehen und macht den Trägern großer Transparente ihre Arbeit nicht zu schwer. "Frieden wird einem nicht geschenkt", sagt Lilo Rademacher, eine der Organisatorinnen der Spurgruppe, "für Frieden muss man ab und zu etwas auf sich nehmen".

Wie Heiko Thamm. Pünktlich zum Auftakt der Veranstaltung, nachdem die Fähre aus Romanshorn die Teilnehmer aus der Schweiz abgeliefert hatte, trifft er von seinem Friedenslauf um den Bodensee ein. 100 Kilometer ist er von Münsterlingen nach Friedrichshafen durch die Nacht gelaufen, um, wie schon die Jahre zuvor, auf einen der größten Rüstungsstandorte Europas aufmerksam zu machen. Jubelnd wird er von der Menge begrüßt. "Frieden muss ohne Waffen geschaffen werden", fordert Organisator Frieder Fahrbach deshalb in seiner Begrüßungsrede und zeigt die Realität dazu auf: Der Rüstungsetat in Deutschland solle 2017 auf 37 Milliarden Euro erhöht werden, Deutschland beteilige sich nicht an Verhandlungen über ein Atomwaffenverbot und zeige Verständnis für den Einsatz der "Mutter aller Bomben" durch Donald Trump.

Unter dem Motto "von der Kriegslogik zu einer Friedenskultur" fordert deshalb Referentin Anne Rieger vom Bundesausschuss Friedensratschlag, die Rüstungsproduktion ohne Verlust von Arbeitsplätzen in zivile Produktion umzuwandeln. Und, Konflikte sollten zukünftig auf ziviler Ebene durch Verhandlungen, selbst mit "unappetitlichen" Gegnern, gelöst werden, wie Claudia Heydt von der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen fordert. Nicht zuletzt gelte es, Solidarität mit bedrohten Völkern zu zeigen. So hält der Syrer Marwan Alalloush, der 2015 nach Deutschland kam, vor der ersten Station des Friedenswegs durch die Stadt eine berührende Rede, quittiert von mitreißendem Applaus. Vor den Flüchtlingsunterkünften in der Löwentaler Straße, aus deren Fenstern Männer, Frauen und Kinder den Teilnehmern zuwinken, sagt er: "Einen schlechten Krieg kann ein schlechter Mann alleine anfangen, aber um Frieden zu machen, müssen sehr viele Menschen mit ganzem Herzen zusammenarbeiten."

Wie zur Bekräftigung läuten die Kirchenglocken um 12 Uhr. Beinahe 800 Menschen sind zu dieser Zeit dem Aufruf zum Friedensweg gefolgt, so viele, wie sich Frieder Fahrenbach gewünscht hat. Wolfgang Wurm hält einen Friedensmarsch zurzeit für extrem notwendig, deshalb sei er aus Ravensburg gekommen. Zum Rhythmus der Djembé-Trommler laufen manche tanzend zur nächsten Station am Fridolin-Endraß-Platz. An der Uferpromenade bei der Konzertmuschel fordert schließlich Claudia Friedl, Nationalrätin aus St. Gallen, mehr Solidarität mit der Osttürkei, in der Repression und Zerstörung herrsche. Durch das Verfassungsreferendum sei eingetreten, wovor wir uns gefürchtet hätten. "Die Türkei droht zur Diktatur zu werden", sagt sie.

Roland Didra vom Bund der Antifaschisten in Konstanz baut seinen Informationsstand auf dem Adenauerplatz auf. "Im Prinzip geht es um dasselbe wie früher, sagte er: "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus. Da sind wir gerade in Europa leider wieder sehr nahe dran."

Die Veranstaltung

  • Der Internationale Bodensee-Friedensweg wird von einer Spurgruppe aus den drei Anrainerstaaten organisiert. Als Veranstalter zeichnen unter anderem der Internationale Versöhnungsbund, der schweizerische Friedensrat, Pax Christi und etwa 80 einladende Organisationen mit kirchlichem, sozialem, gewerkschaftlichem und friedenspolitischem Hintergrund.
  • Der erste Ostermarsch in der Bodenseeregion wurde von Friedensbewegten 1984 in Lindau organisiert. Bis 2004 fanden weitere 13 Bodensee-Ostermärsche statt. Seit 2009 wird er von der Spurgruppe koordiniert.