Der Frickinger Herbstmarkt mit seinen gewohnt tausenden Besuchern sollte 2020 der Einstand für ihre Limo sein. Wegen Corona wurde er abgesagt, wie viele andere Veranstaltungen, auf die die beiden Jungunternehmer Evelyne Eschbach und Viktor Keller gehofft hatten. Schon im ersten Jahr war das EWI-Team trotzdem erfolgreich unterwegs und verkaufte bereits 15.000 Flaschen von seinem Bio-Getränk, das wegen des geringen Zuckergehalts nicht als Limonade vertrieben werden darf.

Weinmischgetränk mit Familie und Freunden entwickelt

Sogar ein zweites, alkoholhaltiges Weinmischgetränk haben sie mittlerweile kreiert. Sie nennen es Seewi, weil dabei 40 Prozent Bio-Secco aus markgräflich badischen Müller-Thurgau-Reben mit 60 Prozent EWI-Limonade zusammentreffen. Wie bei ihrer ersten Getränkekreation haben sie zusammen mit Verwandten und Freunden verschiedene Mischungsverhältnisse ausprobiert.

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“Da waren die Proben lustig“, erinnert sich Viktor Keller lachend. Es sei spannend gewesen, zu sehen, wie individuell unterschiedlich das geschmackliche Empfinden sei, ergänzt seine Partnerin Evelyne Eschbach. Geeinigt haben sie sich am Ende auf ein Weinmischgetränk mit einem Alkoholgehalt von 4,4 Prozent. „Der Alkohol sollte unbedingt schmeckbar sein, damit das Ganze nicht in Richtung Alcopops geht“, so Eschbach. Dass die Flüssigkeit nicht ganz klar und der verwendete Direktsaft aus Bio-Zitronen im Bodensatz sichtbar ist, ist ebenfalls gewollt. Es sei eben ein Naturprodukt.

Evelyne Eschbach und Viktor Keller, deren Handarbeit in EWI-Limonade steckt, freuen sich über ihre neue Getränkekreation Seewi, ein ...
Evelyne Eschbach und Viktor Keller, deren Handarbeit in EWI-Limonade steckt, freuen sich über ihre neue Getränkekreation Seewi, ein Bio-Secco plus EWI-Limonade. | Bild: Martina Wolters

Schließlich bauen sie auch den für ihre beiden Getränkesorten verwendeten Bioland-Salbei selber an. Die ersten Stecklinge haben sie bereits gezogen. Allerdings haben von 170 Triebabschnitten nur 25 überlebt. Daher haben sie dieses Mal schon im Frühjahr mit dem Ziehen von Jungpflänzchen begonnen. „Wir lernen ständig etwas dazu“, meint Keller. Beispielsweise hätten sie die Arbeitswege und das Gießen mittlerweile optimiert. Die geernteten Salbeiblätter und Blättchen würden jetzt unmittelbar beim Erntefeld gewaschen anstatt sie zuerst in Körbe zu packen und in einen Küchenraum zu transportieren. Anstelle der zuerst verwendeten Gießkanne, werde nun per Schlauch gegossen.

Trotzdem erachtet das junge Unternehmerpaar direkten Pflanzenkontakt für unerlässlich. Nur so könnten beispielsweise eventuell auftretende Pflanzenkrankheiten frühzeitig entdeckt werden. Danach gefragt, wie sie neben ihren Vollzeitjobs das EWI-Pensum von Pflanzen, Gießen, Jäten und Ernten wuppen, gibt es eine klare Antwort: „Ohne Familie hätten wir wahrscheinlich schon Schluss gemacht“, sind sich die Logistikerin und der Bautechniker einig. Es sei ein richtiges Familienprojekt, sagen sie. Beim Ernten helfen demnach alle mit. Den neuen Flyer habe die Keller-Schwester entworfen, der Vater die Holzaufsteller und Mutter und Oma helfen beim Unkraut zupfen. Nicht zu vergessen die Nichte, die beim Wässern einspringt.

Erfolg des Start-ups hängt von Rücklauf des Leerguts ab

Davon leben könnten sie noch lange nicht. “Wir sehen es momentan noch als teures Hobby“, sagt Eschbach. Irgendwann sollte sich das Geschäft tragen. Das hänge allerdings ganz wesentlich vom Rücklauf des Leerguts ab, wie die Firmeninhaber erklären. „Das ist eine Riesenherausforderung, das Leergutthema“, sagen sie. Maximal 40 Prozent der verkauften Flaschen kämen zurück. Sie hätten aber mit mindestens 60-prozentigem Rücklauf gerechnet. „Wir müssen um jede leere Flasche kämpfen“, unterstreicht Eschbach. Hinzu komme der geringe Pfandwert von 8 Cent und die Schwierigkeit, neue Glasflaschen zu bekommen. Da das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile in vielen Köpfen angekommen sei, stellten viele Betriebe auf Glasflaschen um. Entsprechend rar sei das Glasgut.

Dass längst nicht alle Pfandflaschen den Weg zu ihnen zurück finden, damit hat Jungunternehmer Viktor Keller im Vorfeld nicht gerechnet.
Dass längst nicht alle Pfandflaschen den Weg zu ihnen zurück finden, damit hat Jungunternehmer Viktor Keller im Vorfeld nicht gerechnet. | Bild: Martina Wolters

Hinzu kämen Lieferengpässe aus Corona-Krisenzeiten sowie durch den Ukraine-Krieg. Damit sie künftig mehr gebrauchte Flaschen zurückbekommen, haben sie alle, die sie beliefern, auf das Leergutproblem aufmerksam gemacht. Ansonsten hofft das EWI-Paar, dass die Pandemie dazu beitrage, dass Menschen mehr Wert legten auf Regionalität und qualitativ hochwertiger Inhalt mehr wertgeschätzt werde. Und die Erzeuger setzen auch auf hoffentlich wieder mögliche Veranstaltungen mit Bewirtungen wie zum Beispiel den Frickinger Herbstmarkt im September.

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