Es ist still hier. Man hört Vogelzwitschern, ab und an ein entferntes Auto, ein Fahrrad, das vorbeifährt oder leise Unterhaltungen. Das Naturatelier mit Blick über das Salemertal und auf die Alpen ist ein Rückzugsort der besonderen Art. Wenn hier nicht gerade eine Veranstaltung stattfindet – von denen es in diesem Jahr aufgrund der Coronamaßnahmen besonders wenige geben wird – lädt der Ort zum stillen Verweilen ein. Man kann die Natur genießen oder ganz in Ruhe die Kunstwerke erkunden, die hier mal klein in einem Baumschatten oder groß in der Sonne glänzend steht.

Bild: Lena Reiner

Ehemalige Müllhalde seit zehn Jahren Naturatelier

Vor mehr als zehn Jahren haben Schüler der Camphill-Schulgemeinschaften gemeinsam mit externen Künstlern und Handwerkern das Gelände, eine ehemalige Müllhalde, zum Naturatelier umgestaltet. Seitdem ist das Naturatelier ein Ort, der mal als Park, mal als Veranstaltungsort und mal als Freiluftwerkstatt dient. Hier schaffen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Kunstwerke – unter anderem in der Bildhauerwoche, die 2020 zum fünften Mal stattfindet.

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Vorherige Anmeldung nur bei Feiern nötig

Wer hier spazieren oder Freunde treffen möchte, ist herzlich willkommen. Nur bei Feiern jeglicher Art bittet Felix Bockemühl, der Leiter des Naturateliers, um eine vorherige Anmeldung und Anmietung. „Generell ist hier immer geöffnet, wie andere öffentliche Parks auch“, erläutert er. Falls das große Eingangstor geschlossen sei, könne man den Ort durch die rote, kleinere Tür betreten.

Felix Bockemühl leitet das Naturatelier.
Felix Bockemühl leitet das Naturatelier. | Bild: Lena Reiner

Während der Zeit der strikten Coronamaßnahmen war auch das Naturatelier für öffentlichen Zugang geschlossen. Bockemühl blickt gut gelaunt auf die Zeit zurück: „Das Wetter war genial. Es war so ein bisschen wie Ferienlager.“ Die Schüler der Camphill-Schulen seien wohngruppenweise zusammengeblieben und hätten sich so im Naturatelier aufhalten können: „Spielen, die Natur beobachten; es war gerade Kaulquappenzeit.“ Im Vergleich mit der Atmosphäre anderswo zur selben Zeit sei es im Naturatelier immer ruhig und entspannt zugegangen. Er lächelt in die Sonne und meint: „Es war fast so, als seien die, die sonst nicht als normal gelten, auf einmal die Normalen gewesen.“

Bild: Lena Reiner

Aktuell ist das Naturatelier wieder für alle Besucher geöffnet. Es ist ein Vormittag, wie er hier häufig läuft. Schülerin Kati schlendert durchs Grüne und geht dann zurück in den Bus, ein zentrales Element des Platzes. Drinnen am Tisch kann sie in Ruhe zeichnen, vor ihr erstreckt sich das Salemertal. „Kunst ist toll, um seine Gefühle auszudrücken“, erklärt sie und zeichnet dabei die Umrisse eines Pferdes aufs Papier, ohne einmal abzusetzen.

Kati malt und zeichnet am liebsten Tiere: Im Bus auf dem Gelände des Naturateliers liegt schon eine ganze Sammlung ihrer farbenfrohen Werke. Gerade zeichnet sie die Umrisse eines Pferdes.
Kati malt und zeichnet am liebsten Tiere: Im Bus auf dem Gelände des Naturateliers liegt schon eine ganze Sammlung ihrer farbenfrohen Werke. Gerade zeichnet sie die Umrisse eines Pferdes. | Bild: Lena Reiner

Ein weiterer Schüler, Linus, sitzt draußen an einem Tisch und arbeitet konzentriert an einer Buntglasscheibe. Diese soll bald den neuen Unterstand zieren, der während der Schließungszeit auf dem Gelände entstanden ist.

Linus lötet ein Buntglasfenster für den neuen Unterstand auf dem Gelände.
Linus lötet ein Buntglasfenster für den neuen Unterstand auf dem Gelände. | Bild: Lena Reiner

„Eigentlich sollte das ein Brennholzlager werden“, erklärt Bockemühl das geschwungene Holzgebilde. Die Trägerstruktur im Inneren gab den Schwung und die Form vor. Entstanden ist sie aus Bäumen vom Gelände selbst. Doch dann sei das Bauwerk zu schön geworden, um es einfach nur als Lagerraum zu nutzen. Das Buntglasfenster solle ihm noch den letzten Schliff verleihen.

Bild: Lena Reiner

Neuer Panoramaweg startet direkt am Teich

Nicht nur der Unterstand ist neu auf dem Gelände. Besucher dürfen sich außerdem bald über einen Zusatzweg freuen: einen kleinen Panoramaweg, der durch die Bäume und mit Aussicht am abschüssigen Teil des Geländes auf der Seite des Salemertals entlangführt. Der Zugang zu dem neuen Weg liegt direkt am Teich. Die Hackschnitzel, die den Weg auch bei schlechtem Wetter gut begehbar machen, führen schon ein gutes Stück zwischen den Bäumen hindurch, wo bereits ein bisschen Kunst auf Neugierige wartet. Die kleine Skulptur steht schon länger. „Früher war hier ein kleiner Steg“, schildert Bockemühl. Der sei marode gewesen und nun solle der kleine Rundweg ein neues Element des Naturateliers werden.

Hinterm Seerosenteich führt ein kleiner Weg zwischen die Bäume. Er soll noch als Rundweg erweitert werden.
Hinterm Seerosenteich führt ein kleiner Weg zwischen die Bäume. Er soll noch als Rundweg erweitert werden. | Bild: Lena Reiner

Überhaupt gehört Veränderung zum Naturatelier dazu. Bei den alle zwei Jahre stattfindenden Bildhauerwochen bleiben Werke zurück; manche sind vergänglich, andere zieren anschließend jahrelang das Gelände. Eines der ältesten Werke hängt und steht aktuell mittig auf dem Platz: zwei Skulpturen und ein allsehendes Auge. Die Werke sind elf Jahre alt und wurden zwischenzeitlich aufwendig restauriert.

Bild: Lena Reiner

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