Zwei große Wünsche hatte die kleine Lida Panteleev aus Varna in Bulgarien: Sie wollten gern ein Klavier und einen Hund. Der erste Wunsch brachte sie auf den Weg zu einer gefeierten Pianistin. Der zweite Wunsch biss sie dreimal und endete in einer regelrechten Hunde-Phobie. Das erzählt die Künstlerin, die seit 2008 in Frickingen lebt. Sie spricht schnell und lacht, fügt aber noch hinzu: „Ich war so im Schock mit Hunden, dass ich auch schon einmal umfiel, als mir wieder einer knurrend auf der Straße gegenüberstand.“

Die Vierjährige wollte unbedingt Klavier spielen

Mit vier Jahren erklärte die kleine Lida ihren Eltern ernst: „Mein Leben ist sinnlos, wenn ich kein Klavier spielen darf.“ Ihre Familie sei durch die Bank unmusikalisch, der Vater Anwalt, der Großvater Landwirt. Die Eltern hätten nicht schlecht gestaunt über diesen Wunsch. „Bulgarien steckte im Kommunismus fest, ein Klavier zu kaufen war sehr schwierig. Ich glaube, meine Eltern hielten mich glatt für verrückt.“ Lida Panteleev, heute selbst Mutter zweier Kinder, muss erneut lachen.

Ihr erstes Klavier steht seit 36 Jahren im Haus ihrer Eltern

Seit 36 Jahren steht ihr erstes Klavier, ein Gustav Fiedler aus Leipzig, im Hause der Eltern in Varna. Heute organisiert die umtriebige Künstlerin mit ihrem Mann Martin Panteleev auch die Owinger Musiktage, die im März zum dritten Mal als Klassik-Festival stattfanden.

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Als Jugendliche übte sie bis zu zehn Stunden Klavier täglich

Auf die Frage, wie sie das alles unter einen Hut bringt, sagt Lida Panteleev nur ein Wort: Disziplin. Dann folgt die Erklärung: „Mit vier Jahren begann ich Klavier zu spielen, mit sechs wurde ich in die Kunstschule in Varna aufgenommen. Ich durfte keinen Sport machen wegen des Verletzungsrisikos, ich übte in der vierten Klasse vier bis sechs Stunden und später bis zu zehn Stunden täglich Klavier. Meine Mutter salbte mir den schmerzenden Rücken. Ich bin manchmal heimlich geschwommen und konnte besser Klavier spielen als reden.“

„Ein Talent muss dennoch üben, üben, üben“

Ja, es sei eine gnadenlose Schule gewesen, aber sie sei im Nachhinein sehr dankbar für diese Zeit. Die Schule habe ihr viel im Leben geholfen, ihre Disziplin sei auf einem hohen Level, sagt Lida Panteleev. „Ich hatte Talent, aber ein Talent muss dennoch üben, üben, üben.“

Karriere als Pianistin für Frauen immer noch sehr schwierig

Die meisten Schüler in der Musikschule seien Mädchen gewesen. „Es gibt auch heute in der Musikwelt viele Klavierlehrerinnen und Pianistinnen, aber nur sehr wenige weibliche Dirigentinnen und fast gar keine Komponistinnen. Das ist auch eine Sache der Tradition. Mädchen dürfen oft nicht Nein sagen zum Mäzen oder Manager, sonst ist die Karriere gleich beendet. Ich habe mich anders entschieden.“ Für Frauen sei eine Karriere als Pianistin auf den großen Bühnen der Welt immer noch sehr schwierig, aber es habe sich auch etwas verändert.

Mit 26 Jahren entschied sie sich für die Familie und gegen die Karriere

Lida Panteleevs große Karriere endete mit 26 Jahren, als sich die Pianistin entschied, eine Familie, einen Mann und Kinder haben zu wollen. „Beides zusammen geht nicht. Wie sollte ich denn um die ganze Welt reisen mit meinen Kindern im Gepäck?“ Es reiche schon, dass ihr Mann bei seinen Konzert-Tourneen die Familie oft Monate nicht sehe. In dieser Zeit entwickle sie die Musicals und schreibe die Bücher, erklärt Lida Panteleev. Bereut habe sie die Entscheidung für eine Familie noch nie, sagt Lida Panteleev. An der Weltspitze sei es sehr einsam, für Frauen und für Männer.

Auch die 40-Jährige empfindet noch unbändige Freude auf der Bühne

Die 40-jährige Pianistin sagt: „Auf der Bühne empfinde ich aber immer noch eine unbändige Freude und habe auch noch jedes Mal Lampenfieber. Das bin ich, das ist meine wahre Natur.“ Es sei überwältigend, die Menschenmenge im Saal quasi in ihren Händen zu halten. Den Kindern in der Frickinger Grundschule die Freude an Musicals zu vermitteln, sei zwar nicht die ganz große Bühne, sei ihr aber genauso wichtig.

Vor fünf Jahren warb Lehrerin Nairy Hummel sie für die Musicals an

Als die Grundschullehrerin Nairy Hummel vor fünf Jahren nachfragte, ob sie nicht ein Musical für die Zweitklässler entwickeln wolle, da habe sie spontan Ja gesagt. Es sei schon ganz und gar ungewöhnlich, mit kleineren Kindern ein Musical zu proben, erklärt die Choreografin. „Pure Lebensfreude und Spielfreude erlebe ich da und bin jedes Mal wieder hingerissen. Ich liebe Kinder, auch die, die zu mir in den Unterricht kommen.“ Seit 2005 unterrichtet die Klavierlehrerin an der Schule Schloss Salem, hat privat rund 20 Klavierschüler und ist seit vier Jahren als Pianistin auch an der Überlinger Waldorfschule tätig.

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Als Teenie hörte die Pianistin gern Metallica

Lida Panteleev hörte als Teenager gern Rockmusik von Metallica, einer amerikanischen Metalband. Die Mitglieder der Rockband seien Profi-Musiker, fast alle hätten einen Abschluss der Eliteuniversität Berkeley in San Francisco. „Die können schon was.“

Zweifache Mutter und ihr Mann sind zu „Bodenseemenschen“ geworden

Die 40-Jährige engagiert sich in Frickingen vielfach sozial. „In unserer Welt zählt meist Zeit und Geld. Es ist einfach schön, wenn man etwas für andere machen kann, das ist auch schon meine Motivation, so einfach ist das.“ Nach und nach seien sie und ihr Mann zu „Bodenseemenschen“ geworden, und das, nachdem sie zuvor meist in Großstädten gelebt hätten. „Wir haben uns hier richtig in die Gegend verliebt und sind sehr glücklich in Frickingen. Das ist eine sehr lebendige Gemeinde“, sagt die Mutter einer 14-jährigen Tochter und eines elfjährigen Sohns.

Lida Panteleev und ihr Mann Martin möchten mit den Owinger Musiktagen Klassik-Kenner inspirieren, in die Linzgaugemeinde zu kommen. Ein zweites großes Anliegen des Paares ist es, ein breiteres Publikum für klassische Konzerte zu begeistern.

Musiktage sollen breiteres Publikum für klassische Musik begeistern

„Ohne die Klassik gäbe es überhaupt keine Instrumente, hier liegen die Wurzeln der Weltmusik, der Rockmusik, eigentlich jeder Musik. Klänge kommen und gehen. Obwohl die Noten gleich sind, ist jeder Interpret ein Individualist.“ Schließlich wirbt Lida Panteleev für die Klassik, die Musik, der sie sich verschrieben hat: „Haben Sie keine Scheu vor der Klassik. Sie müssen sie nicht verstehen, es ist Musik und daher ein Erlebnis für die Sinne.“

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