Wie in den anderen Familientreffs im Bodenseekreis sind die verschiedenen Gruppenangebote wie Eltern-Kind-Turnen, Singen oder Familiencafé derzeit auch in Frickingen ausgesetzt. „Die Beratungsmöglichkeit bleibt aber trotz des Lockdowns bestehen“, unterstreicht Leiterin Hannah Monkos. Sie wie auch die acht freien Mitarbeiterinnen stünden weiter für unterstützende Einzelgespräche zur Verfügung. Das läuft dann telefonisch ab, per Mail, als Videokonferenz oder auch in Form eines „Beratungsspaziergangs“.

Alle Mitarbeiterinnen sind persönlich ansprechbar

In der ersten Lockdown-Phase hatte es gemeindeübergreifende Telefonsprechstunden in gebündelter Form gegeben. Diesmal sind Monkos und ihre Kolleginnen anderer Treff-Einrichtungen des Jugendamtes durchgängig persönlich ansprechbar. „Es ist uns wichtig, den Kontakt zu den Familien vor Ort zu halten und zu signalisieren: Wir sind für euch da“, sagt die Leiterin des Frickinger Familientreffs. Gerade in den Pandemiezeiten stehe die soziale Fürsorge an erster Stelle.

Im Sommer gab es für die Angebote riesige Wartelisten

Die erste Phase der Beschränkungen bis zum Sommer sei von den meisten Familien noch „mit viel Pioniergeist“ gemeistert worden. Die Frickinger Kinder hätten eifrig Regenbögen als Hoffnungsträger gemalt und in die Fenster gehängt. Menschen hätten gemeinsam auf Balkonen musiziert. Die Leute seien noch ziemlich gut aufgestellt gewesen. Mit der Zeit hätten sich Schwierigkeiten „mit dem Bewerkstelligen von Schule und Arbeit von zuhause aus herauskristallisiert“. Am Beratungstelefon seien neben finanziellen Schwierigkeiten auch öfter Erziehungsfragen oder Fragen nach Hilfen zum Strukturieren von Familienalltag aufgetaucht. Die wieder geöffneten sommerlichen Präsenzangebote seien dann „intensivst“ wahrgenommen worden, sagt Monkos. Etwa für die Eltern-Kind-Gruppe (für Kinder ab einem Jahr) oder die Krabbelgruppe, die wegen der Nachfrage mehrfach angeboten werden mussten. „Wir hatten riesenlange Wartelisten“, erzählt Monkos. Noch mehr als üblich seien Angebote wie Babytreff oder Kleinkindgruppe in die Natur verlagert worden.

Noch mehr Gruppenangebote als üblich wurden in 2020 nach draußen verlegt.
Noch mehr Gruppenangebote als üblich wurden in 2020 nach draußen verlegt. | Bild: Martina Wolters

„Gemeindewichteln“ war ein großer Erfolg

Positiv aufgefallen ist der Sonderpädagogin, dass die Besucher nach der ersten Lockdownzeit „so einen großen Bedarf nach Begegnung“ hatten. Der Kontakt von Mensch zu Mensch habe deutlich mehr im Fokus gestanden als beispielsweise tolle Bastelangebote. Ebenso freut sich die Pädagogin über die große Resonanz beim Gemeindewichteln, das sie in der – ja wegen Corona veranstaltungsfreien – Adventszeit organisierte. Der Aufruf von Familientreffseite, Verbundenheit unter den Frickinger Einwohnern auszudrücken, sei wunderbar gelungen. Jede Menge selbst gemachter Geschenke seien mit einem goldenen Stern gekennzeichnet, heimlich und leise vor Nachbartüren abgelegt worden. „Es ist sehr viel Schönes untereinander entstanden“, sagt Monkos.

Die Wichtelaktion des Familientreffs bei der Frickinger für Frickinger aktiv waren, kam prima an.
Die Wichtelaktion des Familientreffs bei der Frickinger für Frickinger aktiv waren, kam prima an. | Bild: Martina Wolters

Jung und Alt hätten sich mit Basteleien aus der Adventswerkstatt beschenkt. Keiner wisse beispielsweise, woher der mit Goldstern verzierte Sack Nüsse herkam oder das handgemachte Rätselbuch oder der Engel aus Papier. Monkos bezeichnet das Beschenken im Geheimen als „Urgeste des Schenkens“. Es sei nicht um den Schenkenden gegangen, sondern nur darum, den anderen zu erfreuen. Frickinger hätten auf diese Weise Frickingern signalisiert, dass sie trotz Kontaktverbot zueinander stehen.

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Für kommenden Frühling stehen die Mütter im Mittelpunkt

Für die Frühlingszeit nach dem aktuellen Lockdown hat die Familientreffleiterin neue Angebotsideen. Wenn Corona-bedingt möglich, möchte sie interessierten Eltern in einem „Kess-erziehen-Kurs“ praktische Anregungen für den Erziehungsalltag an die Hand geben. Die während der Pandemie teils sehr geforderten Mütter sollen in einem „Stärkeprojekt“ neue Kraftquellen entdecken. „Jetzt bin ich mal dran“, ist das Projekt benannt.

„Klare Regeln“ für Kinder seien gerade im Lockdown wichtig, sagt Hannah Monkos. Etwa, wann und wie lange die Kinder den Fernseher oder Computer nutzen dürfen. Bei der Selbstkontrolle kann eine Sanduhr helfen.
„Klare Regeln“ für Kinder seien gerade im Lockdown wichtig, sagt Hannah Monkos. Etwa, wann und wie lange die Kinder den Fernseher oder Computer nutzen dürfen. Bei der Selbstkontrolle kann eine Sanduhr helfen. | Bild: Martina Wolters

Tipps von Hannah Monkos: Wie bringt man während
des Lockdowns mehr Struktur in die Familie?

Rituale wie gemeinsame Mahlzeiten, das Vorlesen einer Geschichte oder ein kleiner Spaziergang zusammen helfen laut Sonderpädagogin Hannah Monkos, die derzeit fehlenden Strukturen von außen auszugleichen. Sie rät dazu, sich bei der Ritualauswahl nicht zu überfordern. Nur solche Dinge aussuchen, die leicht umsetzbar seien. Es solle nicht noch mehr Stress auf die durch Homeschooling und Homeoffice geforderten Familien zukommen. Monkos schlägt ferner vor, den Tag nicht in Schlafanzug sondern in Tagkleidung zu beginnen, um beispielsweise Lernen und Arbeit daheim klar von Freizeit abzusetzen.

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Jedem bestimmte Aufgaben zuteilen

Die Leiterin des Familienreffs meint, es sei auch schön, wenn jeder in der Familie bestimmte Aufgaben inne habe, wie zum Beispiel Tisch decken oder Spülmaschine ausräumen. Zum einen sei das gut, um die Mütter zu entlasten. Zum anderen gebe es den Kindern Sicherheit und das Gefühl, gebraucht zu werden. Bei älteren Kindern schlägt sie vor, am Sonntagabend einen Familienrat einzuberufen und die Haushalts-und Wochenaufgaben gemeinsam aufzuteilen.

Klare Regeln für PC und Fernseher

Und dann sei es wichtig, klare Regeln festzulegen: Wann und wie lange dürfen die Kinder den Fernseher oder Computer nutzen? Zur Selbstkontrolle könnten Sand-oder Eieruhren hilfreich sein. Ganz wichtig sei es, Langeweile zuzulassen. Oft entstehe durch Langeweile Neues und Kreatives. Besonders bedeutsam findet Monkos es, Kindern Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Es müsse gerade in der aktuellen Situation nicht alles erklärt werden, sondern nur das, wonach der Nachwuchs fragt. Und das „mit viel Ruhe und Zuversicht beantworten“.