Es ist eine einfache Art, Leben zu retten, und doch wird es immer schwieriger, Menschen zur Blutspende zu bewegen. Im Juni machte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf eine rückläufige Spendenbereitschaft aufmerksam, die bereits zu einer bundesweit kritischen Versorgungslage geführt habe. Auch in der Region ist der Engpass ein Thema: „Zu unserem Leidwesen ist die Resonanz auf unsere Blutspendetermine dürftig“, berichtet Alfred Kneer vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen. Der Referent organisiert gemeinsam mit den Ortsvereinen die Blutspende-Aktionen und ist aus dem Grund an diesem Tag nach Frickingen gekommen.

Alfred Kneer vom Blutspendedienst
Alfred Kneer vom Blutspendedienst | Bild: Altmann, Miriam

Freizeitmöglichkeiten senken Spendenbereitschaft

In der Graf-Burchard-Halle herrscht regsame Geschäftigkeit, jedoch kein Trubel. Das Wetter ist gut, der Veranstaltungskalender wieder voll – und genau das halte laut Kneer einige Menschen davon ab, zum Blutspenden zu gehen: Nach einer langen Phase der pandemiebedingten Einschränkungen beobachte er, dass sich die Prioritäten bei der Freizeitgestaltung verschoben hätten. „Während der Corona-Hochphase waren die Leute im Gegenzug fast froh, rausgehen zu können, auch wenn es ‚nur‘ zum Blutspenden ist“, sagt der Organisator. Die Spendenbereitschaft und -verlässlichkeit sei somit höher gewesen als aktuell. „Jetzt lassen etwa zehn Prozent der Angemeldeten ihren Termin verstreichen“, offenbart Kneer, „die ein oder andere Spenderliege bleibt leider Gottes leer“.

Gute Quote bei der Blutspende-Aktion in Frickingen

Johann Thum, der stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins Salemertal, berichtet ebenfalls von einer erhöhten Spendenbereitschaft zu Beginn der Pandemie. Inzwischen liege sie fast wieder auf dem Ausgangsniveau, schildert er seine Wahrnehmung. In Frickingen sei das Spendenergebnis im Juni leicht über dem Durchschnitt gelegen, übermittelt Thum im Nachhinein: „Wir durften 301 Spender begrüßen. Von 284 Spendern, davon 18 Erstspender, konnte der Blutspendedienst Konserven gewinnen.“ 17 Blutspender hätten aus medizinischen Gründen nicht zugelassen werden können.

Johann Thum vom DRK Salemertal
Johann Thum vom DRK Salemertal | Bild: Altmann, Miriam
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Unterschiedliche Ausschlussgründe

Wie hoch die Ausschlusszahl ist, sei von Mal zu Mal verschieden, sagt Anna-Elisabeth Feldmeier, die leitende Ärztin vor Ort. „Manchmal hat man Glück und es kommen lauter fitte, gesunde Menschen“, gibt sie ein Beispiel. Doch wer unlängst ein Piercing, eine Darmspiegelung oder bestimmte Impfungen bekommen habe, wisse nicht immer um die jeweiligen Rückstellfristen und müsse gegebenenfalls weggeschickt werden. „Das Häufigste ist ein zu hoher Blutdruck“, teilt die Ärztin im Ruhestand ihre Erfahrung. Damit die Betroffenen nach der Spende keine Kreislaufprobleme bekämen, seien sie aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen.

Anna-Elisabeth Feldmeier, leitende Ärztin
Anna-Elisabeth Feldmeier, leitende Ärztin | Bild: Altmann, Miriam

Stillende dürfen unter gewissen Umständen spenden

Eine weitere Gruppe, die prinzipiell zurückgestellt wird, sind die Stillenden. „Da soll der Körper Zeit haben, sich zu erholen“, begründet Anna-Elisabeth Feldmeier. Diese Regel solle gewährleisten, dass Mutter oder Kind nicht in Stress geraten. Wenn das Kind schon älter sei und nur noch gelegentlich gestillt werde, könne man jedoch abwägen. „Das ist eine Grauzone“, macht die Ärztin deutlich. Im ersten Jahr nach der Geburt schließe sie Stillende aus, doch wenn danach beispielsweise nur noch abends gestillt werde, hätte sie keine Bedenken. Die Hauptsache sei, dass die Symbiose zwischen Mutter und Kind nicht gestört werde.

Gelockerte Zulassungskriterien für homosexuelle Männer

In einem Punkt wurden die Zulassungskriterien im vergangenen Jahr gelockert: „Wenn ein homosexueller Mann mit einem anderen seit vier Monaten in einer festen Beziehung ist und beide kein HIV haben, dann dürfen sie Blut spenden“, erklärt Feldmeier. Damit seien sie heterosexuellen Paaren in etwa gleichgestellt. Alfred Kneer betont, dass jede Person im Vorfeld der Spende über einen vertraulichen Selbstausschluss entscheiden könne. Habe man Zweifel, ob das Blut unbedenklich sei, könne man der Verwendung widersprechen.

Unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßnahmen hoffen die Organisatoren auf eine steigende Spendenbereitschaft. „Der Rückgang hat dazu geführt, dass der Vorrat bei einzelnen Blutgruppen zusammengeschrumpft ist“, führt Kneer vor Augen. Teilweise halte der Vorrat lediglich für einen Tag.

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