200 Kühe stehen im Stall von Theresia und Markus Ziegler in Frickingen-Leustetten. Jedes der Tiere hat ein langes Leben als Milchvieh vor sich. Erst danach wird es zum Schlachthof geführt. „Wir halten die Tiere länger, das ist nachhaltiger und auch wirtschaftlicher“, sagt Theresia Ziegler. Möglich wird das, weil sich die Landwirte am sogenannten Crowdbutching beteiligen. Dahinter verbirgt sich das Internetportal „Kauf `ne Kuh“.

Alle verwertbaren Teile der Kuh

Kunden können dort bei Zieglers Fleisch einer Kuh bestellen. Sie bekommen es durch einen Kurierdienst in einer Kühlbox geliefert. Doch bis es soweit ist, kann es bis zu vier Wochen dauern. Denn erst, wenn alle verwertbaren Teile der Kuh in dem Internetportal bestellt wurden, wird das durch eine Ohrmarke registrierte Tier von den Landwirten nach Überlingen ins Schlachthaus gebracht. So lange werden die Käufer ständig auf dem Laufenden gehalten, wann sie mit dem Fleisch rechnen können.

„Die Landwirte besinnen sich mit Crowdbutching auf die Zeit, als es noch üblich war, Fleisch vor dem Verzehr zwei Wochen lang abzuhängen“, sagt Markus Ziegler. „Damals wurden ältere Tiere geschlachtet und durch das Abhängen des Fleisches wurde dessen Aroma verbessert und es wurde weicher.“ Bei älteren Tieren sei das Fleisch mehr mit Fett durchwachsen, das wirke als Geschmacksverstärker, erklärt Markus Ziegler.

Artgerechte Tierhaltung

Für das Ehepaar ist eine artgerechte Haltung ihrer Tiere wichtig. „Dazu gehört auch, dass sie einzeln zum Schlachthof gefahren werden und dort vor der Schlachtung noch einen Tag in die Box kommen“, sagt Theresia Ziegler. Auch das wird durch Crowdbutching möglich. Wenn die Tiere nämlich in großer Stückzahl und sofort zur Schlachtbank geführt würden, würden sie eine Menge Stresshormone produzieren, was sich auch auf die Qualität des Fleisches auswirke.

Bild: Schnurr, Michael

„Kälber oder Jungbullen sind bei uns für die Schlachtbank tabu“, sagt Markus Ziegler. Durch „Kauf `ne Kuh“ werde wieder nachhaltiger Fleisch produziert und konsumiert als es durch die Industrialisierung der Fleischproduktion üblich geworden sei. „Wir drehen den Verkaufsprozess um. Nicht die Vermarkter, sondern die Kunden bestimmen, wann ein Tier geschlachtet wird.“ So werde das ganze Tier verwertet und es kämen keine jungen Tiere wie Jungbullen oder Kälber zur Schlachtung, nur weil deren Fleisch sich schneller vermarkten ließe.

Tradition und Moderne

2015 haben Theresia Ziegler und ihr Mann Markus Ziegler den elterlichen Hof in Leustetten übernommen, doch die Umstellung auf nachhaltiges Wirtschaften habe schon viel früher begonnen. Der heute 43-jährige Landwirtschaftsmeister bewirtschaftete damals den Betrieb mit seinem Vater. Dann zogen sich die Eltern auf das Altenteil zurück und bauten neben dem altehrwürdigen Bauernhaus, das über 200 Jahre in Familienbesitz ist, ein Eigenheim. Die Familie Ziegler lebt Tradition und dennoch hat schon vor vielen Jahren der Umbau des Hofes zu einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb begonnen. 1995 haben wir den Stall in einen Boxenlaufstall umgebaut“, sagt Markus Ziegler. „Wir haben die Fütterung automatisiert“, fügt die Ländliche Hauswirtschafterin Theresia Ziegler hinzu. Die Digitalisierung habe in der Landwirtschaft früh eingesetzt und ein nachhaltigeres Wirtschaften ebenso wie eine körperliche Entlastung ermöglicht. Später seien der Melkroboter und der selbstfahrende Futterwagen sowie der Futteranschieber hinzugekommen. Die Digitalisierung biete die Möglichkeit, auch beim Energieverbrauch nachhaltiger zu wirtschaften.