Es wurde laut in der restaurierten Leustettener Lohmühle. Rolf Hummel, Vorsitzender des Fördervereins Gerbermuseum, brachte zwischen den Führungen im Rahmen des Mühlentags das Mühlrad in Gang. So bekamen die Besucher einen Eindruck davon, wie laut es früher in der Stube gewesen sein muss, wenn die unzähligen Zahnräder ineinandergriffen und über den Quertrieb und die Transmission die Kraft des Wasserrades auf das Walkfass und die Lederwalze übertrugen.

Das könnte Sie auch interessieren

Gerbereien standen oft am Ortsrand

Konnten die Besucher den Lärm in einer Gerberei für einen kurzen Moment nachempfinden, so blieb ihnen eine andere Sinneswahrnehmung erspart: Denn es muss damals sehr gestunken haben. Bei der Verwandlung der Tierhäute in Leder entwickelten sich beim Gerbprozess unangenehm riechende Gase, wie Rolf Hummel erklärte. „Früher wurden die Gerbereien oft außerhalb der Ortschaften gebaut.“ Aber sie seien auch im Dorf gern gesehen gewesen, waren es doch reiche Betriebe, die über die Steuern auch den Ort am Wohlstand teilhaben ließen.

Günter Metzger mit einer Lederrolle, die er bei Aufräumarbeiten in seiner oberschwäbischen Gerberei gefunden hat. Mithilfe der eingeprägten Nummer datierte der 82-Jährige das Leder in die Zeit seines Großvaters.
Günter Metzger mit einer Lederrolle, die er bei Aufräumarbeiten in seiner oberschwäbischen Gerberei gefunden hat. Mithilfe der eingeprägten Nummer datierte der 82-Jährige das Leder in die Zeit seines Großvaters. | Bild: Mardiros Tavit

„Aber um die Gerbereien waren immer viele Ratten“, gab Hummel zu Bedenken. Der Rattenplage habe man durch eine Verdohlung des Dorfbaches Einhalt geboten. Denn dorthin seien die Abwässer der Gerberei ungefiltert geflossen.

Wie Lohe und Lohkäse entstehen

Neben Hummel führte auch Günter Metzger durch das Museum. Der 82-Jährige ist einer der letzten Gerber der Region. Als er seinen Betrieb schloss, spendete er die Häckselmaschine dem Museum. Mit ihr wurden Eichen- und Fichtenrinden zerkleinert, um die sogenannte Lohe herzustellen, erklärte er.

Günter Metzger (neben dem Walkfass) erzählte aus seinem früheren Alltag als Gerber. Der 82-Jährige ist einer der letzten seiner Zunft im Oberschwäbischen.
Günter Metzger (neben dem Walkfass) erzählte aus seinem früheren Alltag als Gerber. Der 82-Jährige ist einer der letzten seiner Zunft im Oberschwäbischen. | Bild: Mardiros Tavit

Die darin enthaltenen Gerbstoffe dienten als Grundlage für die Lederherstellung. Nach der Nutzung verschimmelte der Abfall und wurde getrocknet, der Lohkäse entstand. Manch einem älteren Besucher kam dabei ein alter Spruch der Mutter in den Sinn. „Was schwätzt wieder für einen Lohkäs“, habe es oft geheißen.

Wie Leder in einer vorindustriellen Zeit hergestellt wurde, war vom Schramberger Künstler Markus Klek zu erfahren. Er hat sich auf die Lederherstellung der Indianer spezialisiert.

Der Künstler Markus Klek hat sich auf Paläotechniken in der Lederherstellung spezialisiert. Seit Jahren ist er am Mühlentag in Leustetten dabei und erklärt die vorindustrielle Gerberei indigener Völker.
Der Künstler Markus Klek hat sich auf Paläotechniken in der Lederherstellung spezialisiert. Seit Jahren ist er am Mühlentag in Leustetten dabei und erklärt die vorindustrielle Gerberei indigener Völker. | Bild: Mardiros Tavit