Frickingen – Der Frickinger Autor Winfried Weigelt hat sein drittes Buch mit Erinnerungen verfasst. Mit viel Leidenschaft schreibt er seit einigen Jahren an seinen Erinnerungen und produziert Jahr für Jahr einen neuen Band. Unter dem Titel „Ich war noch nicht dran“ hatte er im ersten Band seine Erfahrungen, die er bei Krankenhausaufenthalt sammeln musste, geschildert. Dann legte er im Jahr darauf mit „Die unfreiwilligen Erlebnisse eines Handlungsreisenden“ sein zweites Buch vor, in dem er sich an seine berufliche Zeit als Exportleiter erinnert, in welcher er fast den ganzen Erdball bereiste. Mit seinem nunmehr dritten Buch „Mein langes Leben“ stellt Weigelt nicht sich in den Mittelpunkt des Handelns, sondern er beschäftigt sich mit dem bewegten und spannenden Leben seiner Mutter.

Enkelin Sabine hatte diese schon lange gedrängt, doch mal ihr eigenes Leben zu erzählen. Die Leidenschaft ihres Sohnes fürs Aufschreiben von Erinnerungen motivierte Annelies Weigelt dann derart, dass sie in ihre Kiste der Vergangenheit griff und ihr Leben ausbreitete. Was sie dabei ihrem Sohn in die Feder diktiert hat, kommt einer spannenden Reise durch fast 100 Jahre deutscher Zeitgeschichte gleich. Dem Autor oblag jetzt die schwierige Aufgabe, das schier unerschöpfliche Material auszuwählen und aufzugliedern. Zum besseren Verständnis der Vorgänge schob er von Fall zu Fall erhellende Erläuterungen dazwischen.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte bei der Kindheit in den „Goldenen Zwanzigern“ und leitet über in die Zeit des Dritten Reichs mit dem von den Nationalsozialisten durch den Einmarsch nach Polen ausgelösten Zweiten Weltkrieg, der letztlich zum Verlust der Heimat führte. Zum Greifen nahe schildert der Autor die lange Odyssee, welche die Weigelts mir ihren beiden Söhnen zu bestehen hatten. Hunger, Krankheit und die Angst vor Vertreibung blieb ihnen nicht erspart. Zwölf lange Jahre waren sie Fremde in ihrer Heimat, bis ihnen die polnische Regierung im Jahre 1957 nach etlichen erfolglosen Anträgen schließlich die Ausreise gestattete. Mit ihren wenigen Habseligkeiten führte sie der Weg über das Durchgangslager Friedland, den Schwarzwald und an den Hochrhein, bis sie im Jahre 1958 schließlich in Frickingen ankamen.

Als nunmehr 36-Jährige baute sie in einem katholischen Dorf eine neue Existenz auf. Aber erst durch den Kontakt ihres Mannes Gerhard mit der Musikkapelle wurde der Bann gebrochen und die Weigelts wurden Frickinger. Annelies Weigelt konnte fortan die friedliche Phase ihres langen Lebens in vollen Zügen genießen. Ihr Fazit am Ende des Buchs: „Es war schön, aufregend, traurig, lustig, nachdenklich, manchmal mühsam, alles in Erinnerung zu rufen, aber es hat sich gelohnt!“ Die bald 95-Jährige hinterlässt mit ihren Lebenserinnerungen nicht nur ihrer Familie, sondern allen, die sich mit der jüngsten deutschen Geschichte beschäftigen möchten, eine lebendige und anschauliche Beschreibung, die zum Nachdenken anregt.

Der Termin, an dem Winfried Weigelt den neuen Band der Öffentlichkeit präsentieren wird, steht noch nicht fest, wird aber im SÜDKURIER rechtzeitig bekannt gegeben.

Zur Person

Winfried Weigelt, Jahrgang 1948, war in seinem beruflichen Leben Exportleiter beim Küchenhersteller Alno in Pfullendorf. Nach seinem vorgezogenen Ruhestand vor zwölf Jahren frönt Winfried Weigelt weiter seiner größten Leidenschaft, der Musik, und leitet eine Polka-Band. Seit zehn Jahren führt er die Bürgerselbsthilfe „Miteinander“ und beschäftigt sich nebenbei mit Familienforschung. Winfried Weigelt ist verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkel. Das Buch „Mein langes Leben“ mit insgesamt 440 Seiten ist für 19,90 Euro im Buchhandel zu beziehen.

Informationen im Internet: www.winfriedweigelt.de