Die Frickinger Feuerwehr hat kräftig die Werbetrommel gerührt im letzten halben Jahr. Doch bislang ohne große Wirkung. Nach Aussage von Kommandant Josef Kessler bewegt sich die Mitgliederzahl mit gerade einmal einer Einsatzkraft mehr als im Feuerwehrbedarfsplan festgeschrieben "an der Schmerzgrenze". Dabei weiß jeder, wie wichtig eine funktionierende Wehr für eine Gemeinde ist. Wenn es brennt oder bei Not- und Unfällen sind die ehrenamtlichen Retter zur Stelle. Was für viele Frickinger selbstverständlich ist, ist allein den derzeit 50 aktiven Feuerwehrleuten zu verdanken.

Die Freiwillige Feuerwehr Frickingen plagen Nachwuchssorgen. Mit großem Aufwand betreibt sie eine Werbekampagne für den Feuerwehrdienst. Links der stellvertretende Kommandant Hubert Kienzle und Kommandant Josef Kessler.
Die Freiwillige Feuerwehr Frickingen plagen Nachwuchssorgen. Mit großem Aufwand betreibt sie eine Werbekampagne für den Feuerwehrdienst. Links der stellvertretende Kommandant Hubert Kienzle und Kommandant Josef Kessler. | Bild: Peter Schober

Tagsüber gehen bald die Einsatzkräfte aus

Wiederholt hat Kommandant Josef Kessler auf die Personalsituation hingewiesen. Zusammen mit seinen Kameraden und gemeindlicher Unterstützung hat er kräftig die Werbetrommel gerührt. Herausgekommen ist bislang nicht viel. Zwar sind zwei Quereinsteiger hinzugekommen und zwei Jugendfeuerwehrleute, die in den aktiven Dienst wechseln konnten, doch dafür hat es drei altersbedingte Abgänge gegeben. "Wahrscheinlich muss wohl die Mannschaftsstärke noch schrumpfen, damit der Leidensdruck höher wird und bei der Bevölkerung ankommt", meint Kessler mit Blick auf die Tagesverfügbarkeit. Denn die könne dann kaum noch gewährleistet werden.

Beschwerde als einzige Rückmeldung auf Brief

Allein 400 Bürger hat die Gemeinde im vergangenen Jahr angeschrieben und für eine Mitgliedschaft in der örtlichen Feuerwehr geworben. Die einzige Rückmeldung war eine Beschwerde. Auch das neue Konzept, das die Zuschauer bei der Jahreshaupt-Probe im Juni aktiv ins Übungsgeschehen einbindet, zeigt nach Auskunft von Frickingens Feuerwehrchef nicht den gewünschten Erfolg. Einzig die Feuerwehrwurst-Aktion zu Gunsten der Jugendwehr beim Supermarkt vor Ort habe zumindest das Interesse bei drei Personen geweckt. Aber auch da "muss noch ein paar Mal nachgehakt werden", sagt Kessler. Ferner sieht er mit Sorge, dass der eine oder andere Jungfeuerwehrmann angesichts fehlenden Wohnraums oder wegen zu hoher Mietpreise die Kommune wechselt.

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Nachdenken über Hausbesuche

Langsam gehen dem Feuerwehrkommandanten die Ideen aus, trotzdem will er sich nicht entmutigen lassen. "Wenn wir gar nichts machen, haben wir verloren", sagt Kessler. "Wir müssen weiter kämpfen!" Als nächstes würde er deshalb gerne zusammen mit Gemeindevertretern gezielt für den Feuerwehrdienst geeignete Personen an der Haustür ansprechen. Doch dafür brauche es erst das Einverständnis seitens der Gemeinde.

Eine besondere Bedeutung misst Kessler den Retterin in Führungspositionen zu. "Wir Führungskräfte haben immer mehr Aufgaben zu bewältigen", weiß Kessler aus eigener Führungstätigkeit über 17 Jahre hinweg. Als Beispiele nennt er das Verfassen von Statistiken oder aufwendigen Jahresberichten. "Da bleibt manchmal wenig Zeit für das Wesentliche." Hinzu kämen Übungen, Fortbildungen und Einsätze. Die wachsende Aufgabenvielfalt mache es nicht leicht, Personen für das Führungsamt zu finden. Er selbst möchte in drei Jahren von seinem Amt zurücktreten und sucht bereits nach einem Nachfolger.

Zahl der Einsätze kreisweit gestiegen

Die Suche nach Männern und Frauen für aktiven Feuerwehr -oder Führungsdienst geht also in Frickingen wie auch im gesamten Kreis weiter. Nicht zuletzt wegen der gestiegenen Einsätze. Kreisbrandmeister Henning Nöh hatte im Frühjahr bei der Kreisversammlung über einen 40-prozentigen Anstieg berichtet.