Frickingen – Sie sind ein echter Teil der Bodenseeregion, der eng mit den Ufergemeinden vernetzt ist und etwas von deren Anzugskraft profitiert. Darin sind sich die Kommunen, die Gastgeber und die Anbieter des Bodensee Linzgaus Tourismus (BLT) zumindest weitgehend einig. Der Verein zog im Rathaus von Frickingen Bilanz und gab einen Ausblick auf die Saison. Vorsitzende ist Heike Steurer aus Owingen-Taisersdorf, Jutta Halder leitet die Tourist-Information mit den Mitarbeiterinnen Veronika Schiele und Susan Wacker in den Räumen des Schlosses Salem.

Das Frauentrio aus der Salemer Tourist-Information: (von rechts) Geschäftsführerin Jutta Halder und die Mitarbeiterinnen Veronika Schiele und Susan Wacker.
Das Frauentrio aus der Salemer Tourist-Information: (von rechts) Geschäftsführerin Jutta Halder und die Mitarbeiterinnen Veronika Schiele und Susan Wacker. | Bild: Hanspeter Walter

Unter den Anwesenden herrschte große Zufriedenheit mit der Arbeit. Dazu gehörten auch die Bürgermeister Manfred Härle (Salem), Henrik Wengert (Owingen), Ralph Gerster (Herdwangen-Schönach) und Gastgeber Jürgen Stukle (Frickingen). Entschuldigt hatte sich Daisendorfs Bürgermeisterin Jaqueline Alberti, die am kommenden Dienstag in der Gemeinderatssitzung über den Verbleib im Verein beraten lassen will. Bei der Mitgliederversammlung war dies allerdings kein großes Thema. Zu überzeugt sind die anderen Kommunen von den Vorteilen des Zusammenschlusses, auch Heiligenbergs Bürgermeister Frank Amann, der ebenfalls bei der Sitzung gefehlt hatte.

Bürgermeister Jürgen Stukle dankte Simone Sauter für das langjährige Engagement als stellvertretende Vorsitzende.
Bürgermeister Jürgen Stukle dankte Simone Sauter für das langjährige Engagement als stellvertretende Vorsitzende. | Bild: Hanspeter Walter

"Für uns ist diese Mitgliedschaft ein großer Vorteil und wir profitieren viel davon", erklärte Ralph Gerster, Bürgermeister der Gemeinde im Oberen Linzgau. "Wir sind Richtung Bodensee orientiert und nicht weiter weg als Heiligenberg. Auch wenn wir eher weniger Betten haben." Deshalb steht Gerster auch voll und ganz hinter der Einrichtung. Seine Kommune steuert mit rund 12 742 Euro von insgesamt rund 126 000 Euro den zweitniedrigsten Gemeindebeitrag bei, der sich nach Einwohner- und Bettenzahl bemisst.

"Dafür könnten wir selbst niemanden beschäftigen", sagt Gerster. Über diese Mitgliedschaft und das BLT-Netzwerk erziele man eine große Multiplikatorwirkung und werde bei Touristik-Veranstaltungen bekannt. Gleiches gilt für die Broschüren unter der Dachmarke, bei denen eben die aktuellen Radfahrtipps erschienen sind. Die Radler hätten neben der Uferrennstrecke die landschaftlichen Reize der Täler und Tobel in der zweiten Reihe entdeckt. Hierher ziehe es längst auch viele Erlebniswanderer. Vom allgemeinen Wachstumstrend am Bodensee profitierten auch die Gastgeber des BLT, die im Vorjahr mit 0,8 Prozent einen überdurchschnittlichen Zuwachs an Übernachtungen verbuchen konnten. Allein auf Salem entfallen davon knapp 60 000.

 

Die EBC bleibt ein kritisches Thema

 

Nahezu Tabu war das Thema "Echt Bodensee Card" (EBC), das in den vergangenen Jahren alle Touristiker über die Maßen beschäftigt hatte. Nur einen Satz verlor Marketingfachfrau Jennifer Frahm darüber, als sie die Entwicklung der Marke "Echt Bodensee" erläuterte und deren Einbettung in die Marketingstrategien der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH. Auch beim Bodensee Linzgau Tourismus sei das Thema EBC jedoch noch nicht abgehakt. Zwar werde die Karte in Frickingen und Heiligenberg 2019 nun eingeführt. Doch auch Owingen machte auf Druck einiger Gastgeber zunächst wieder einen Rückzieher, da der Gemeinderat hier wie auch Befürworter Manfred Härle von der größten BLT-Gemeinde Salem die Basis derzeit noch nicht hinter sich hat.

"Wir brauchen diese Karte dringend", bekräftigte Heike Steurer, Vorsitzende des Vereins. Ihr stellte die Versammlung bei der Wahl mit Mika Sebastiani eine Stellvertreterin zur Seite, die in Herdwangen-Schönach zuhause ist. Sie identifiziere sich mit der Region.

Genussthemen rangierten weit oben in der Region. Neben den vier Aktionszeiträumen "Salemertal genießen" gebe es mit dem Projekt "Meine Leibspeise" seit zwei Jahren etwas Neues, das nach dem Start auf drei Wochen ausgedehnt wurde. Bei einer Tour zu den Lieblingsgerichten der Köche in der Region hätten die Genießer auch noch Gewinnchancen.

 

Tritt Daisendorf aus?

Der "Verbleib im Bodensee Linzgau Tourismus e.V." steht am Dienstag, 24. April, als Punkt 5 mit Beratung und Beschluss auf der Tagesordnung des Gemeinderats in Daisendorf. Ob es zu einem Austritt kommt, steht noch in den Sternen.

Bürgermeisterin Jaqueline Alberti gibt derzeit weder eine Prognose noch eine Empfehlung ab. Sie erklärte, es sei schon während des Wahlkampfs um den Chefsessel im Rathaus mehrfach ein Thema bei den Bürgern gewesen, ob die Mitgliedschaft im Bodensee Linzgau Tourismus (BLT) künftig überhaupt sinnvoll sei oder einen Vorteil bringe. Diese kostet die Gemeinde derzeit 11 264 Euro Zuschuss pro Jahr. Herdwangen liegt mit 12 742 Euro darüber, Salem trägt mit 52 908 Euro den Löwenanteil.

Man habe sich Gedanken über eine Alternative gemacht, die am Dienstag dem Status Quo gegenüber gestellt werden soll. "Frau Halder wird ihr Konzept vorstellen", sagt die Daisendorfer Bürgermeisterin, "und ich werde eine Alternative vorstellen, die wir in der Gemeinde gemeinsam erarbeitet haben." Das heiße allerdings nicht, dass sie sich selbst schon für einen Weg entschieden habe beziehungsweise einen Weg befürworte, betont die Bürgermeisterin. "Ich höre mir auch genau an, was Frau Halder vorstellt." Am Ende müsse das Gremium mit den zehn Gemeinderäten einen Mehrheitsbeschluss darüber fassen, was ihm überzeugender erscheint, macht die Bürgermeisterin deutlich, welchen Weg sie beschreiten möchte. (hpw)