Frickingen – Wer das Frickinger Lagerhäusle besucht, dessen Blick bleibt sofort an den besonders gestalteten Wandtafeln hängen. Neben kunstvoll aufgeschriebenen Speisen tummeln sich grazile Störche, ein pastellig leuchtender Eifelturm lädt zum französischen Wochenangebot und gemalte Filmszenen zum Kino im Altheimer Kulturrestaurant. Die Kunstwerke sind durchweg in zarten Kreidetönen gehalten. Schon manch ein Gast hat sich nach der Urheberin erkundigt.

Hauptsache kreativ: Shiu-Yie Daniela Furze malt farbig und schwarz-weiß. Die Deutsche mit chinesischen Wurzeln zieht aus ihrer Kunst Energie und Lebensfreude.
Hauptsache kreativ: Shiu-Yie Daniela Furze malt farbig und schwarz-weiß. Die Deutsche mit chinesischen Wurzeln zieht aus ihrer Kunst Energie und Lebensfreude. | Bild: Martina Wolters

Es ist Shiu-Yie Daniela Furze, eine Deutsche mit chinesischen Wurzeln, die hinter den Kreidemalereien steckt. Sie malt mit den verschiedensten Arten von Farbe und auf teilweise ungewöhnlichen Untergründen. Ihr bisheriger Lebensweg zeichnet darüber hinaus die spannende Geschichte einer engagierten Frau.

Von Kanada nach Überlingen, dann in die Welt hinaus und zurück

Aufgewachsen ist Shiu-Yie in den USA und in Kanada. Mit sieben Jahren kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach elfjährigem Besuch der Überlinger Waldorfschule erlernte sie das Hotelfach im Heiligenberger Silence- und Berghotel Baader. Ihr weiterer Berufsweg führte sie unter anderem nach Jakarta, New York, Frankfurt und zurück an den Bodensee.

Als Hotelfachfrau in der Welt unterwegs

Sie errichtete in West-Java mit ihrem damaligen Lebenspartner ein Cottage-Hotel aus traditionellen Bambushäusern und designte und baute die Möbel selbst. In Jakarta war sie ein Jahr lang zuständig für sieben internationale Restaurants innerhalb eines Sterne-Hotels.

Fortbildung in Arbeits- und Berufsförderung für Menschen mit Behinderung

Zurück in Deutschland und am Bodensee, bildete sie sich in den Bereichen Gesundheitstourismus und in der Arbeits- und Berufsförderung für Menschen mit Behinderung weiter. Ihr Weg führte sie zu den Camphill-Schulgemeinschaften nach Bruckfelden und der dazugehörigen integrativen Kulturstätte in Frickingen, wo sie seit 2010 Service-Leitung, Anleiterin und Mentorin für die dort beschäftigten Menschen mit Behinderung ist.

Beim Beschriften der Wandtafeln zurück zu kreativen Wurzeln

Auch das Kinoprogramm oder andere Veranstaltungen kündigen Shiu-Yies gezeichnete Tafelbilder an.
Auch das Kinoprogramm oder andere Veranstaltungen kündigen Shiu-Yies gezeichnete Tafelbilder an. | Bild: privat

Auch wenn Shiu-Yie von klein auf gern zum Zeichenstift gegriffen hat, ließ ihre Arbeit ihr dafür wenig Raum. Erst als sie im Lagerhäusle Speisefolgen an die Wandtafel schrieb, fand die mittlerweile zweifache Mutter zu ihren kreativen Wurzeln zurück. Statt nur zu schreiben, probierte sie verschiedene Schriften aus und ergänzte sie nach und nach durch zarte Kreidezeichnungen. Später weitete sie ihre Zeichnungen auf die Veranstaltungs- und Kinotafeln auch anderer Restaurantbetriebe aus.

Nicht nur kunstvolle Schriften, auch kreidezarte Bebilderung zeichnen die von ihr gestalteten Speisetafeln im Lagerhäusle aus.
Nicht nur kunstvolle Schriften, auch kreidezarte Bebilderung zeichnen die von ihr gestalteten Speisetafeln im Lagerhäusle aus. | Bild: privat

Türen, Balkone oder Autos hat sie schon mit Form und Farben versehen und Buchentwürfe illustriert. Aus Holz und Ton lässt sie Skulpturen entstehen. "Ich liebe es, kreativ zu sein", sagt sie. Egal ob Porträts, 3D-Bilder, Lettering (kunstvolles Schreiben) oder das Entwerfen von Möbeln: Shiu-Yie freut sich am Kreativsein und zieht daraus "Energie, Kraft und Lebenslust", wie sie betont.

Ihr Zuhause dient ihr als Atelier. Zwar arbeitet sie immer noch im Hotel- und Gaststättenbereich, hat aber im vergangenen Jahr zusätzlich das Kleingewerbe "kreidefein" gegründet. Dort möchte sie für ihre Kunden künstlerisch aktiv werden. Bei Material und Farben richtet sie sich nach den Kundenwünschen. In ihrer Flexibilität liege eine ihrer Stärken, findet die Autodidaktin.

Die Zeichnerin sagt von sich selbst, ihre Reisen hätten ihre Kunst geprägt.
Die Zeichnerin sagt von sich selbst, ihre Reisen hätten ihre Kunst geprägt. | Bild: privat

Damit sind ihre Kreativvorhaben aber noch lange nicht erschöpft. Ihr schwebt noch Vieles vor. Zum Beispiel kann sie sich eine Werkstatt vorstellen für Jedermann, in der Handwerkliches und Kunst entstehen kann und wo sich Menschen in ihrer Freizeit begegnen können. Shiu-Yie findet, dass die Eindrücke, die sie im Osten und Westen der Erde gesammelt hat, ihre Kunst beeinflusst haben.

Die gezeichneten Vorankündigungen ziehen die Blicke der Besucher auf sich.
Die gezeichneten Vorankündigungen ziehen die Blicke der Besucher auf sich. | Bild: privat

Sie wolle künstlerisch noch viel mehr erreichen und sei startklar für größere Projekte und neue Herausforderungen. Die weit Gereiste hat beispielsweise vor, ihre kulinarischen Reiseerfahrungen in Kochkursen weiterzugeben. Und sie könnten sich vorstellen, sich in Richtung Grafik und Design weiterzubilden. Ideen hat sie jedenfalls viele. Die Tafeln im Lagerhäusle bemalt sie momentan noch weiter.