Einen nicht alltäglichen Anblick hat Uwe Nietzschmann zum Abschied als Bezirksschornsteinfeger geboten: Umringt von befreundeten Kollegen begab er sich nach 40 Berufsjahren ein letztes Mal in schwindelerregende Höhen, um den Kamin des Wertstoffhofgebäudes zu reinigen. Feierlich übergab er seinen Berufszylinder im Anschluss an seinen Nachfolger und langjährigen Gesellen Marc Gruber.

In klassisch schwarzem Gewand und mit Zylinder verabschiedeten Kollegen und Freunde Uwe Nietzschmann (Mitte).
In klassisch schwarzem Gewand und mit Zylinder verabschiedeten Kollegen und Freunde Uwe Nietzschmann (Mitte). | Bild: Martina Wolters

Abfegen als alter Brauch

Unter den gespannten Blicken von Bürgermeister Jürgen Stukle, Bürgermeisterstellvertreter Walter Städele und Gottfried Grundler vom Wirtschaftsrat erklomm der wendige 67-Jährige das Gebäudedach und setzte sein Kehrgerät an. "Mit diesem alten Brauch des Abfegens wurde in früheren Zeiten das gemeinsame Ruhestandsessen finanziert", erklärte Werner Ottler, Innungsobermeister von Freiburg und langjähriger Weggefährte von Uwe Nietzschmann.

Uwe Nietzschmann hat sich mit traditionellem Abfegen von seiner hoheitlichen Aufgabe als Bezirksschornsteinfegermeister verabschiedet.
Uwe Nietzschmann hat sich mit traditionellem Abfegen von seiner hoheitlichen Aufgabe als Bezirksschornsteinfegermeister verabschiedet. | Bild: Martina Wolters

Sportlichkeit ist als Kaminfeger wichtig

Flink kletterte der 67-Jährige nach getaner Arbeit wieder vom Dach und die Leiter herab. "Für den Kaminfegerberuf ist es von Vorteil, sportlich und fit zu sein", erzählte der passionierte Marathonläufer. Zwar finde der Kaminfegeralltag immer seltener auf Hausdächern, sondern vermehrt in Heizungskellern und vor allem am Schreibtisch statt. Doch hin und wieder, gerade bei älteren Gebäuden, führe oftmals kein Weg daran vorbei, in teilweise 18 Meter hohe Schächte einzusteigen. Als Beispiel nannte Nietzschmann die Kaminanlage von Schloss Heiligenberg, das wie Frickingen und Teile von Salem noch bis Ende November zu seinem Kehrbezirk gehört.

Nach dem Abfegen kletterte Uwe Nietzschmann von Dach.
Nach dem Abfegen kletterte Uwe Nietzschmann von Dach. | Bild: Martina Wolters

Vom Schornsteinfegen zur Beratertätigkeit

Sein Beruf hat sich gewandelt, seit er 1989 von Leipzig nach Frickingen kam, erzählte Uwe Nietzschmann. Die meisten Heizungsanlagen seien mittlerweile technisch auf dem neusten Stand. Das Reinigen von Schornsteinen sei dank moderner Heizungsarten und hoch entwickelter Technik in den Hintergrund gerückt. Die Arbeit werde zunehmend sauberer. Einen großen Stellenwert nehme mittlerweile die Beratung ein. Heute stehe die Kontrolle von Abgaswerten sowie das Überwachen und Abnehmen von Brandschutzanlagen im Vordergrund. Vielfach komme den Schornsteinfegern die Funktion des Energieberaters und Umweltschützers zu. So beraten sie beispielsweise Architekten beim Hausbau, aber auch den Häuslebesitzer, der einen offenen Kamin einbauen möchte, sagte Nietzschmann. Den klassischen Zylinder, mit dem Gesellen und Meister einst ihre Schreibutensilien transportierten, setzen die Schornsteinfeger nur noch zu besonderen Anlässen wie beispielsweise beim Abfege–Ritual auf.

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Warum Schornsteinfeger als Glücksbringer gelten

Eins ist aber bis heute geblieben: Die schwarz gekleideten Schornsteinfeger im zweireihigen, kragenlosen Koller und rußfarbenen Beinkleidern gelten weiterhin als Glücksbringer. "Es passiert uns mehrmals am Tag, dass jemand an unseren Knöpfen drehen oder ein Haar von unseren Kehrbesen abrupfen möchte", erzählte Nietzschmann. Innungsobermeister Andreas Feuerer von der Schornsteinfegerinnung führt den Glücksbotenglauben auf mittelalterliche Verhältnisse zurück. "Er stammt aus der Zeit, als eng beieinanderstehende Häuser durch stark verrußte Schlote häufig in Brand gerieten", erzählte er. Den Mann in schwarzer Kluft und ausgestattet mit Kehrutensilien zu sehen, habe damals für Schutz und damit auch für Glück gestanden.

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Nietzschmann will weiter mithelfen

Nietzschmann selbst hat in all seinen Jahren auf teils kippeligen Dächern stets Glück gehabt: "Während meiner Amtszeit ist Gott sei Dank nichts Großartiges passiert", betonte er. Die Zeit "großer und verantwortungsvoller Entscheidungen bezüglich Brandschutz und Sicherheit vor Ort" möchte er nicht missen. In den Ruhestand geht Nietzschmann noch nicht. Unter der Leitung von Marc Gruber, der zehn Jahre sein Geselle war, will er künftig noch mitarbeiten.

Dankesworte von Bürgermeister Stukle

Bürgermeister Jürgen Stukle dankte Uwe Nietzschmann für sein langjähriges Wirken als Bezirksschornsteinfegermeister und als Gemeinderat, aber auch für 25 Jahre ehrenamtliches Engagement bei der Frickinger Feuerwehr: Nietzschmann sei der fitteste Atemschutzträger gewesen, den die Frickinger Wehr je hatte, erzählte Stukle.